Full text: Lübeckische Blätter. 1998 (163)

Rechtssätze bewußt erweitert haben, würde den Worten des Bürgermeisters von Dorne widersprechen. Schabbelts vergebliche Gegenvorstel- lungen gegen die ablehnende Haltung des Rats Gegen die - eine Anhörung der Städte ablehnende - Haltung des Rats wendete Schabbelt vergebens ein, das sie anno 81 gegen die abgesanten be- nannter dreier Stetten sich rotunde erclert (hätten), das ante publicationem ihnen ein Exemplar zugeschicket und ihr bedencken gehört werden solte. Die Bürgermeister antworteten schlicht, sie wüßten sich dessen also nicht zu erin- nern. Eſß were von den Gesandten sol- ches begeret aber von ihnen ihres wis- sens darauff keine Vertröstung gesche- hen ... Tatsächlich gibt das Protokoll vom 29. Juni 1579 auch nichts anderes her. Der Wunsch der Gesandten ist dar- in kestgehalten; eine Zusage der Lübek- ker Konkerenzteilnehmer fehlt. Resi- gnierend machte Schabbelt abschlie- Bend geltend, daß den Nachbarstädten die ganze Revision wenig nütze, wenn ihre Freiheiten darin nicht (ausdrück- lich) aufgenommen würden. Besonders nennt er noch einmal folgende Artikel 1 von Leibeigenen Bürgern / II von Collecten / III vom Gerichte / IIII Von Abschluß der Revision Bescheid des Lübecker Rats Inzwischen hatte der Lübecker Rat mit Schreiben vom 23. August 1585 den drei Städten, wie versprochen, selbst berichtet, was der Rat auf Schabbelts Mission beschlossen hatte. Er schrieb, daß die Arbeiten an der Revision von ihren ,„Verordneten* schon Ostern (1585) beendet gewesen seien, diese Verordneten aber darum gebeten hätten, den Text im vollen Rat lesen (und billi- gen) zu lassen. Dazu hätte die Zeit noch nicht gereicht, weil immer wieder viele andere Geschäfte dazwischen gekom- men seien. Der Rat versprach, die Städ- te von dem (nunmehr bevorstehenden) Abschluß der Arbeiten zu unterrichten und bot ihnen an, daß sie iemandt der ihren anhero verordtnen und diese sich den Text in Lübeck vorlesen lassen könnten. Der Rat meinte freilich, daß es gar nicht lohne, sich mit solcher mühe und unkosten (zu) beladen. Denn der Rat wisse, daß die Räte in ihren Stedten und gerichten nicht durchaus sich un- sers rechten gebrauchen, sondern nach ihren selbst gewonheiten und eignen Statuten, des mehrentheils aber nach beschriebenen Kaiserrechten erkennen und sprechen, und aber unser recht in Lübeckische Blätter 1998/12 Verschossung der Guter / V Vom Zehen- den Pfennig und anderer Artikel mehr / so die dreyer Steten auß Lübischen rechten und gewonheit für ihre Freiheit wieder ihre Landesfürsten angezogen und defendairet ... Dies zu berücksichtigen, sagten die Lübecker Bürgermeister mehr oder we- niger allgemein zu. Als Schabbelt nicht locker ließ und die Wismarer Bür- sersprach erneut ins Gespräch brachte, versicherten die Lübecker Bürger- meister, daß die Wißmarische Bürger- sprach were in acht genommen / und wurden izo artikel mehrentheilß in dem Jetzt Revidirten Lübischen Recht also befunden. Das Protokoll endet mit dem ab- schließenden Bescheid der Bürgermei- ster: Summa nach vielen reden und ge- genreden haben die Liühbischen Bürgermeister sich entlich dahin ercle- ret, E’ were ihr Lübisches Recht, müßte von ihnen publicirt werden, wan eß ge- truckt, wer sich darzu bekennen und ge- brauchen wolte, ließen sie geschehen. Die Bürgermeister aber wolten dieser dreyer Stetter begeren nebenst dem Credenz / wan daß Kevidirte Concept vorlesen würde, dem ganzen Rhate re- Feriren, waſß darauff geschlossen, solte dem Rhate der dreyer Stedter zuge- vielen wegen mit E. E. w. erkendtnißen discrepiren. ... In dieser Bemerkung ist unüberhör- bar der Vorwurk enthalten, daß die Städ- te sich vom lübischen Recht in vielen Stücken entfernt hatten und Kai- serrecht, das heißt römisches Recht, wohl auch auf dem Gebiet des Privat- rechts anwendeten. Der Lübecker Rat fand das Bemühen der Nachbarstädte um eine Revision möglicherweise nicht in allem aufrichtig und mißbilligte wohl ein wenig, daß es den Städten vornehm- lich um politische Artikel ging, die ihre städtische Unabhängigkeit von den Herzögen stärken sollten. Der Rat woll- te aber gleichwohl derselben bedencken gerne vernehmen, sonderlich weil sie gemeinet, sich hinfürder des Lübischen rechtens folkomlich zugebrauchen, und derselben eingerißene wiedrige Statuta oder mißgebrauch unsern rechten zu reformiren, zu reguliren, und also da- HPelbige vor ein general recht mit uns zu halten, und darnach zu erkennen. Der Rat ließ sich nicht beeindrucken durch das Kompliment, es sey unser Stadt rhumlich, daß sich dieselbigen nach unsern rechten richten, denn sie, die Ratsherren, müßten solchen rhumb teglichen teuer und fast mit hindanset- schrieben werden, darbey eß domalen geblieven. Die Bürgermeister wollten zwar al- les bedenken und bei der Lesung des Konzepts des Revidierten Stadtrechts vortragen. Aber klar und deutlich be- standen sie darauf, daß es ihr Lübisches Recht sei und es jedem frei stehe, es zu gebrauchen (oder nicht!). Obwohl dem Rat sicher schon aus politischen Grün- den an einer guten Resonanz der Revisi- on gelegen sein mußte, kehrte er doch eine erstaunliche Distanz zu den Nöten der drei Städte heraus. Man spürt auch hier, daß ihm die ganze Arbeit mehr oder weniger lästig war und „eigent- lich“ überflüssig erschien, wie das schon in seinem Schreiben vom 3. De- zember 1542 an den Rat zu Rostock zum Ausdruck gekommen war. Schabbelts Reise und Kosten Am 10. Juli 1585 reiste Bürgermei- ster Schabbelt zurück. Am 3. September berichtete er dem Rat zu Rostock (und wohl auch dem zu Stralsund), daß und in welcher Weise er wegen der Revision in Lübeck vorgesprochen hatte. Er war mit fünk Pferden und fünf Personen ge- reist und gab seine Auslagen mit 21 Ta- lern und 5 Schillingen an; er bat Ro- stock (und wohl ebenso Stralsund), ihm 7 Taler zu erstatten. zung und vorseumung unser eignen Stadt angelegene nottdurft erkaufen. Ob der Rat nur die Mühe mit den Revisionsarbeiten meinte oder sogar die aufwendige Tätigkeit als Obergericht im Auge hatte. läßt sich an dieser Stelle nicht entscheiden. Auch als möglicher Urheber einer durch die Probleme mit dem lübischen Recht etwa verursachten Trennung sah er sich nicht an, weil die- selbige albereit nicht von uns / sonder von E. E. w. theil hergefloßen. Wenn der Brief dann damit schließt, daß die Adressaten die Antwort nicht anders dan freundtlich und gudt gemeint vor- stehen und aufnehmen wollen. dann dürfte das die Empfänger nicht mehr sonderlich überzeugt haben. Letzte Bemühungen der Nachbarstäd- te um eine stärkere Einflußnahme Die Reaktion der Wismarer Ratsher- ren auf den Bescheid des Lübecker Rats geht aus dem Brief vom 3. September 1585 hervor, den sie anschließend an den Rat zu Rostock schrieben. Sie be- dauerten darin, daß der Rat zu Lübeck die Bitte um vorherige Übersendung ei- ner Abschrift des Konzepts abgelehnt und damit eine ausführliche schriftliche 187
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