Full text: Lübeckische Blätter. 1997 (162)

nd he ur tzt nit | 6. Ei- ng ort us, Us Er- [en E- Jie Len Ite E- Zer entleihbar. Andere Bibliotheken konn- ten mit Rücksicht auf das Gesamtpro- gramm nicht besichtigt werden. Zu nen- nen sind die Wissenschaftliche Allge- meinbibliothek mit einer Abteilung Sammlungen und alte Bestände, die ka- tholische Akademische Bibliothek, die Universitätsbibliothek im Aufbau. Gotha: Schloß Friedenstein Ebenfalls 350 Jahre besteht die Go- thaer Bibliothek, die in diesem Jahr ihr Jubiläum feiert. Die „Forschungs- und Landesbibliothek Gotha“ ist im herzog- lichen Schloß Friedenstein unterge- bracht und untersteht seit 199] dem Thüringischen Ministerium für Wissen- schaft und Kunst. Die herzogliche Bi- bliothek wurde 1647 von Herzog Ernst dem Frommen von Sachsen-Weimar be- gründet. Sie umfaßt heute in histori- schem Ambiente einer herzoglichen Re- sidenz 530000 Bände, dabei 10000 Handschriften. Die zirka 3500 orienta- lischen Handschriften sind von beson- derer Bedeutung und setzen Gotha auf diesem Felde auf Platz drei hinter Ber- lin und München. 1000 Wiegendrucke und ein reicher Bestand an Drucken der Reformationszeit sind hervorzuheben. Die wertvolle Bibliothek wurde zu Lro- Ben Teilen 1946 in die Sowjetunion ver- schleppt, 1956 aber kreiwillig zurück- gekührt, bis auf einen kleinen Teilbe- stand,. dessen Herausgabe - trotz Präsi- dent Jelzin und obgleich bereits ver- sandfertig verpackt - bis heute verwei- gert wird. Dabei beruht die Geschäfts- grundlage noch aut früheren Abma- chungen und hat mit den neueren. be- kanntlich bisher ergebnislosen Ver- handlungen nichts zu tun. Hier erwarte- te die Teilnehmer der Studienfahrt eine ausführliche Bibliotheksführung, die in Gotha den Schwerpunkt bildete. Einmal wurde die Bibliothek als Ganzes - Ge- bäude und Sammlungen - vorgestellt und besichtigt, zum anderen wurde spe- ziell die Jubiläumsausstellung „Orien- talische Buchkunst in Gotha“ besucht., jeweils mit Führung. Die Handschrif- tensammlung ist insgesamt bedeutend. Im Dreißigjährigen Krieg belohnte Gu- stav Adolph fürstliche Hilfsdienste mit 69 in Mainz geraubten Handschriften und 60 Bänden aus München. Ferner wurden Nachlässe erworben, so der des Pädagogen Wolfgang Ratke (Ratichius) und die Bibliotheca Gerhardiana. Der ehemalige Helmstedter Professor und dann Bibliotheksleiter Ernst Salomon Cyprian (Amtszeit 1713-1745) wandel- te die Stätte fürstlicher Liebhaberei in eine wissenschaftliche Anstalt um. Au- Lübeckische Blätter 1997/21 tographen von Luther, Melanchthon. Myconius, Bugenhagen und anderen Reformatoren wurden erworben, ein er- ster gedruckter Handschriftenkatalog angelegt. Etat und Ökknungszeiten wa- ren zeitweilig beachtlich. Im 18. Jahr- hundert war man französisch orientiert. Die Gemahlin Friedrich III. (1732- 1772), Luise Dorothee, war eine gelehr- te Frau und Freundin Friedrich des Gro- Ben und Voltaires. Daher wurde kranzö- sische Literatur in umfangreichem Maße erworben. Herzog Friedrich II., gestorben 1732, hatte schon Leibniz- Handschriften und andere Nachlässe er- worben. Nun konnte unter anderem die „Correspondance |l>ittéraire, philoso- Phique et critique“ mit ihren 24 Bänden vollständig gesichert werden. Friedrich Melchior von Grimm wandte sich mit diesem Werk von Frankreich aus an die europäischen Höfe. Die Aufklärungs- zeit weckte auch das Interesse an Ma- thematik und Astronomie, die nun stär- ker berücksichtigt wurden. Unter Ernst II. (Regierungszeit 1772-1804) konnte vor allem aus Klöstern Wertvolles an- gekauft werden. Spitzenstücke mittelal- terlicher Buchkunst gelangten so nach Gotha. Die Säkularisation veranlaßte zum Beispiel die Mönche von Echter- nach, die in Erfurt eine Zuflucht fan- den, sich von Handschriften zu trennen. Die Romantik erweckte dann das Inter- esse am Orient und an den orientali- schen Handschriften, auf die noch ein- gegangen wird. Die Bibliothek ist in speziell angefertigten Regalanlagen in den Korridoren des Schlosses. in den einzelnen Sälen und in einem Bücher- turm untergebracht. Einzelne Räume verfügen über eine einmalige Atmo- sphäre. Eine Besonderheit stellt das Hi- storische Münzkabinett dar. Auf Münz- schränken, deren Inhalt heute beim Schloß museum verwahrt wird. stehen zahlreiche vergoldete Gipsbüsten der römischen Kaiser. Der italienische Freskomaler Giovanni Francesco Mar- chini (zirka 1672-1745) wurde mit der Raumausmalung beauftragt. die er im Stile der italienischen „Quadratura“ ausführte. Auch die Münzsammlung wanderte in die Sowjetunion, kehrte aber zurück. Die historische Münldzlite- ratur wurde inzwischen wieder in die- sem Raum aukgestellt. Mit der Orient- Sammlung verbunden sind von fürstli- cher Seite Herzog Ernst II. (Regie- rungszeit 1772-1804) und sein Sohn August (Regierungszeit 1804-1822). Sie stellten die Mittel bereit. Der Arzt und Orientreisende Ulrich Jasper Seet- zen kaufte die Handschriften während seiner Reisejahre 1802-1811 an Ort und Stelle ein. Er fiel vielleicht einem Mordanschlag zum Opter; möglicher- weise muß man ihn eher als verschollen bezeichnen, da die Nachrichten über sein Schicksal unsicher sind. Ein Wun- der ist, daß ein großer Teil seiner Ein- käufe Gotha erreichte. Dadurch ver- mehrte sich der Anfangsbestand von etwa 100 Koranfragmenten und Gebet- büchlein auf annähernd 3000 Stücke. 1815 bemühte sich der Jenaer Orienta- list Georg Wilhelm Lorsch um die Er- schließung des Schatzes. blieb aber bei seiner Arbeit stecken: er verstarb I1816. Einen Teilerfolg erreichte sein Schüler Johann Heinrich Möller. Ein erster LE- druckter Katalog über einen Teil der Sammlung sowie weitere handschriftli- che ErschließBungshilfen stellte er fer- tig. Dem Orientalisten Wilhelm Pertsch gelang dann in den Jahren 1856-1893 ein siebenbändiger gedruckter Katalog., der zu seiner Zeit und noch lange als mustergültig bewertet wurde, Vorbild für andere Vorhaben dieser Art. Nun konnten auch Vertreter von Nachbardis- ziplinen auf die Sammlung aufmerksam werden: Religionswissenschaftler. Phi- lologen. Historiker. Abgesehen vom Merkmal der Exotik stellen diese Hand- schriften auch heute noch ein vielseiti- ges Quellenreservoir da. da Seetzen nicht nach Fachdisziplinen kaufte. So ergibt die Sammlung einen Schnitt durch die islamische Gelehrsamkeit über etwa 800 Jahre. Die Ausstellung behandelt zunächst die Entstehungsge- schichte der Sammlung um Ulrich Jas- per Seetzen, dann die Buchkunst des is- lamischen vorderen Orients, besonders im Mittelalter. Einbände. Schriftarten, Schreibpraxis. Illustration. Illuminati- on, Karten werden dokumentiert. Ein dritter Aspekt widmet sich dem orienta- lischen Christentum: syrische. syrisch- aramäische. äthiopische und amhari- sche, samaritanische Texte werden dar- geboten. Schließlich wird der Nutzen der Sammlung für die Wissenschaft nachgewiesen. Leider fehlte die Zeit, weitere Se- henswürdigkeiten von Gotha zu erkun- den. Schon die Zeit für den Besuch des Schloßmuseums fehlte. denn, wie sich zeigte. kam auch am Rückreisetag oft der Verkehr zum Erliegen, so daß die Bibliotheksfreunde erst abends Lübeck erreichten. Es bleiben die vielseitigen Anregungen und sicher der Wunsch, das eine und andere - gerade in Gotha - doch noch einmal privat zu vertiefen oder zu ergänzen. Denn Schloß Frie- denstein wird von Schloß Friedrichsthal und der Orangerie ergänzt. In der goti- schen Augustinerkirche aus dem 13. Jahrhundert predigte 1515 Martin Lu- ther... Für den reibungslosen Ablauf hatte vor allem Frau Ilse Bethke ge- sorgt, wozu auch ein abendlicher Be- such der Theater der Landeshauptstadt Erfurt gehörte. 369
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