Full text: Lübeckische Blätter. 1997 (162)

NU fragte Il Valter, VOr er äten. FEcho “ rwischen Tod und vt [leben inem Im abschließenden Vortrag setzte 2 und | Frido Mann sich erstmals öffentlich mit aus- | seiner Rolle als Modell für Nepomuk, n sei- dem Ebenbild des geliebten damals | vierjährigen Enkels. auseinander: Sein Tho: | Jögern, die Einladung nach Lübeck an- »oktor zunehmen, hing einerseits zusammen ktigte, | mit persönlichen Gründen, seinem Ver- esprä. | hältnis zu Thomas Mann, und dessen rkühn [Beziehung zu ihm, wie sie sich im letz- ande- ien Tagebuch spiegelt, und andererseits seine [mit theoretisch intellektuellen Erwä- 1 aber | zungen. die mit der literarischen Ver- nalist, einnahnmung zu tun haben: Die Roman- lieb. | figur bleibt stehen, das Modell entwik- kelt sich, solange es entgegen der Fikti- on weiterlebt. Es ist belastend für ein Kind. dessen literarisches Schicksal es ist, so grauenhaft zu sterben. Darüber gesprochen wurde mit dem Kind selten, | verhalten und ungern. Bei Besuchern in Pacific Palisades sah das Kind Frido sich ebenso mitleidigen wie sensations- lüsternen Blicken ausgesetzt. „Später ' mied ich Doktor Faustus ‘“, so Frido Mann in Lübeck, nur „„Die Entstehung des Doktor Faustus‘ las ich, denn dort tropi- meral- esme- 1997/16 Lübeckische Blätter 1997/16 1omas Mann und sein Enkel Frido (,„Echo “) im Garten des Hauses Pacific Palisades im September 1948 war mehr vom Modell die Rede.“ Mo- dell und Figur blieben Jahrzehnte ein unbearbeitetes Konglomerat. Als Frido Mann selbst zu schreiben begann, kam die Anderung. Er wollte Modell und Fi- gur auseinander halten. „Bilse und ich“ Ihm half der Meister selbst mit sei- nem Essay von 1906 ,„Bilse und ich“, in dem er sich mit Kritikern auseinander- setzte und den abgründigen Unter- schied zwischen Wirklichkeit und Ge- bilde. Realität und Kunst aufzeigte. Zu erfahren war, daß eine literarische Figur nicht die Kopie des Modells. sondern Maske ist, der Gesten, äußerliche Cha- rakteristika, sinnliche Symbole zwar entlehnt wurden, die dann aber im Sin- ne der Problemstellung subjektiv einge- färbt wurden und oft dem Modell selbst ganz fremd sind. Der Autor wahrt eine kritische Distanz zum Modell und be- geht gleichzeitig die Rücksichtslosig- keit des Dichtens. Es bleibt der Zwie- spalt zwischen „Künstler- und Men- schentum“, obwohl die Beobachtung und Verarbeitung der modellhaften Realität in Literatur „Leidenschaft, Pas- sion und Märtyrium“ mit einschließt J S (Fotos aus der Begleitpublikation) und gleichwohl eine Beziehung nicht ausschließt. „Mit K. über die Morde des Buches ... Schlimm, schlimm. Das rücksichtslos Autobiographische (un- verleugnet) zusammen mit dem Monta- gehaften.“ Eine erhellende Darlegung ist diese Tagebuchnotiz vom 18.7.1947 für Frido Mann, zeigt sie ihm doch, daß das Urbild trotz seiner Opterrolle ge- genüber dem Portrait im Vorteil ist, da das Portrait fixiert ist. Im Gegensatz dazu ist das Modell - wie gewöhnlich und vielfältig auch immer - veränder- lich. entwickelt sich in der Zukunktt, identifiziert sich immer weniger mit dem Portrait. Die dem Urbild geschla- genen Wunden wirkten trotzdem nach. benötigten einen psychologischen Hei- lungsprozeß. Literarische Modelle kön- nen sich nämlich erst wehren, wenn es zu spät ist, wenn sie bereits der Öffent- lichkeit überantwortet sind. Bewältigung Frido Mann spricht von dem Kon- flikt zwischen Betroffenheit und Krän- kung einerseits und dem persönlichen Lernprozeß. dem Wachstum und der Selbsterkenntnis andererseits. Aus wel- cher Betroffenheit, Problemkonstellati- 251
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