Full text: Lübeckische Blätter. 1997 (162)

Geschenk aber war ein großformatiges Bild von Dieter Krieg. ,o. T.“ (Abb. 12) von 1993. Krieg ist 1937 g geboren und wurde bekannt durch großforme 1itige Dingbilder. Das sehr große Bild ist er- klärtes Ziel des Künstlers, wobei der dargestellte Gegensts ind einfach, ja ba- nal ist. Hier mi alt Krieg nichts als einen Stuhl. Dieser gehorcht aber nicht den Gesetzen eines ; getischlerten Möbels in der Wirklichkeit. Die Kunst schafft sich eine eigene Realität, der folgt. Daß es nur eine Scheinrealität ist, auf die sich der Betrachter nicht zu gut- gläubig einlassen darf, will er nicht in die Irre gehen, ist in das Bild EXPressis verbis einbeschrieben: Die schweren Farbklekse. die auf den ersten Blick nichts anderes als freie Zutat sind und auch als solche verstanden werden sol- len. bilden, sieht man genau hin, das Wort „Lügn“. Jedes Bild muß für sich klarstellen, daß es eine Welt um ihrer selber schafft, die die Wirklichkeit Lü- gen strakt, und die Wirklichkeit ist eine große Lüge mit ihrem Anspruch auf die absolute Wahrheit. Das Museum ist bemüht, von begab- ten Malern, Graphikern oder Bildhau- ern Frühwerke zu erwerben, häufig wa- ren wir das erste Museum, das ein Stück eines jungen Künstlers kaufte. Einen solchen frühen Erwerb haben wir mit Werken von Max Neumann, Martin As- sig, Tnomas Hartmann, Galli oder Eras- mus Zipfel gewagt. Diese Tradition ha- ben wir mit dem erst im vorigen Jahr gemalten Bild von Ralph Fleck , „Feld- stück 9/VIII“ (Abb. 13) von 1995 fort- LESEtZt, u. wissend, daß spätere Kunstfreunde möglicherweise ganz an- ders urteilen werden, als wir es tun. Man kann keinen Wechsel auf die Zu- kunft ziehen, schon gar nicht, wenn es sich um moderne Kunst handelt. Denn ob ein Kauf gut war oder nicht, ent- scheidet sich viel später, meist erst nach einer Generation. Trotzdem lassen wir uns von unserem Vorhaben nicht ab- bringen; denn Dreisternebilder der Ver- gangenheit zu kaufen, kann langweilig sein und ist nur eine Frage des wohlge- füllten Geldbeutels. Ralph Fleck ist 1951 geboren. Das Bild und sein Maler sind also noch ziemlich jung. Aus- gangspunkt des Gemäldes ist ein Feld mit Phacelia, jener blau blühenden Pflanze. der man auf den Feldern Schleswig-Holsteins überall begegnet. Der Künstler sieht das Feld sehr nah und von oben, so daß sich eine Vogel- perspektive ergibt. Es ist mit dicker, ein Relief bildender Farbe gemalt; die schweren Pinselstriche und ihr Abriß lassen sich direkt ablesen. Kunsthisto- risch gesehen, lehnt sich die Darstel- lung an ähnliche Gemälde des all over an, also an ein künstlerisches Vorgehen, 12 der Maler | Abb. 13: das die ganze Bildfläche gleichmäßig füllt. Steht es um die Sammlung der Ge- genstände und der Gemälde im Muse- um einigermaßen gut, so kann man dies vom Kupfkerstichkabinett nicht unbe- dingt sagen. Neben einigen Blättern von hohem bis sehr hohem Rang enthält die Sammlung Stücke von erschreckend niedriger Qualität, Blätter, die nur des- halb einige Beachtung beanspruchen zu können glauben, weil ihr Motiv Lübeck ist. Dazu kommen graphische Arbeiten, die mehr wegen ihres Inhalts als wegen ihrer künstlerischen Qualität gekauft wurden, die aber nicht ins Museum ge- hören. Auch hier Abhilfe zu schaffen, war in den vergangenen Jahren Ziel der Ankaufspolitike die aber deswegen nicht immer erfolgreich war, weil gute Blätter ebenfalls sehr teuer sind. Trotz- dem sind einige exzellente Arbeiten ins Haus gekommen, wozu die Blätter von Tàpies gehören, von Sonderborg oder von Seitz. Verkaufen lassen sich die minderwertigen Arbeiten üsbrigens nicht; denn zum einen ist alles, was ein- mal ins Museum gekommen ist, sakro- L vk N. . U „Feldstück 9/VIII“, Ralph Fleck, 1995 sankt, zum anderen würden wir uns nur lächerlich machen. Sie mögen denn auch weiterhin wohlverwahrt im Kup- kerstichkabinett ruhen. Auch in diesem Jahr konnten wieder einige Werke von Belang in die Samm- lung aufgenommen werden: die Arbei- ten von Per Kirkeby, Max Neumann und Bernd Zimmer, vor allem aber vier Zeichnungen von Horst Janssen, die wir als Geschenk einem Sammler verdan- ken und von denen hier eine stellvertre- tend für die anderen abgebildet sei: „Gespräch unter 8 Augen“ (Abb. 14). Janssen, der 1929 geboren wurde und 1995 starb, ist nicht nur im Norden Deutschlands sehr berühmt. Eigentlich hat man sich allgemein auf ihn geeinigt, wenn man Moderne meint. Janssen war sehr begabt im Adaptieren fremder Stile und Kompostionen. Dazu kam eine hohe zeichnerische Befähigung, ein leicht wiedererkennbarer Stil und eine absolut sichere Beherrschung von Stift und Griffel. Es war eine Begabung, die ihm aber auch im Wege stand; denn vie- les von dem, was er hinterließ, ist schnell und gekonnt aufs Papier gewor- Lübeckische Blätter 1997/1 Lüb
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