Full text: Lübeckische Blätter. 1997 (162)

gleiter mit vollgültiger Interpretation der drei Sonaten getan. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Selbst auf dem Podium saß man eng gedrängt. Dort hatte auch der Rezensent seinen Platz. Aus unmittelbarer Nähe zu den Ausführenden erhielt er den Eindruck. als wollten beide Partner den Klang be- wußt zurücknehmen, als kammermusi- ziere man in kleinster Räumlichkeit. Und doch muß das Ergebnis die gewal- tige Halle gefüllt haben. Die Geigerin zog auf edler Stradivari einen so wei- chen Bogenstrich, daß der Ton fast kla- geolettähnlich sanft gedämpft klang, sich aber auch zu großer Kantilene stei- gern konnte. Lambert Orkis bewies sich wieder als idealer Begleiter, der mit kei- nem Gespür auf jegliche Intuition der Geigerin einging. Das dezente Spiel der beiden altersmäßig so unterschiedli- chen Künstler wirkte faszinierend; ein Eindruck, der für manch oberklächl;. chen Rummel entschädigte, mit de sich das Festival in diesem Jahr erstma. lig und unnötig aukgeplustert hat. So setzte das Duo Anne-Sophie Mutter/ Lambert Orkis einen Schlußpunkt zu Lübecker Festival-Veranstaltungen, wie er eindrucksvoller nicht hätte sein kön- nen. Hans Millie; Zum einhundertsten Geburtstag des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck Ein Rückblick und Ausblick von Arndt Voß Eine Institution hat Geburtstag, die das Lübecker Kulturleben wie wohl kei- ne andere prägt. Seit einhundert Jahren besteht sie, zunächst als „Orchester des Vereins der Musikfreunde“. dann als „Orchester der Bühnen der Hansestadt Lübeck“. Vor wenig mehr als einem Jahr wurden die Musiker dann als Aner- kennung für eine beständige und hohe künstlerische Leistung zu „Philharmo- nikern“, eine Anerkennung, die - wie sollte es in unserer so finanzschwachen Zeit anders sein - kostenneutral gesche- hen mußte. Allenfalls ein paar Briefbö- gen waren zu ändern, wohl auch ein paar Stempel oder Druckvorlagen, sonst aber hat sich diese Veränderung so still und heimlich vollzogen, daß davon in hanseatisch-vornehnmer Zurückhal- tung nur die Besucher eines sonntägli- chen Vorkonzertes durch ein paar Worte des Kultursenators erfuhren oder die Leser der Tagespresse aus einer kurzen Notiz. Kein Festakt, keine Blumen, nicht einmal das übliche Lübecker Mar- zipan - aus dem „Orchester der Bühnen der Hansestadt Lübeck“ wurde per Se- natsbeschluß das „Philharmonische Or- chester der Hansestadt Lübeck“. Diese Aufwertung ist durchaus ver- dient. Es klingt wahrlich besser, als „Philharmoniker“ in den Orchestergra- ben oder auf das Podium zu steigen. Nur hätte man diese Ehrung im Jahr sei- nes einhundertjährigen Jubiläums wir- kungsvoller vornehmen können. Wie ein Jubiläum begangen wird Im Heft 12 der „Lübeckischen Blät- tern“ haben wir bereits die vielfältigen Vorhaben der Jubiläums-Saison ange- kündigt, die mit dem nostalgischen Nachspielen des Programms am Grün- 220 dungstag, dem 30. Oktober, beginnt. Es sei hier nur kurz an die Konzerte mit den ehemaligen Generalmusikdi- rektoren Bernhard Klee und Matthias Kuntzsch erinnert, an die Pflege zeit- genössischer Musik mit der Urauffüh- rung eines sinfonischen Auftragswer- kes an Friedhelm Döhl oder an eine Veranstaltung mit den sechs Branden- burgischen Konzerten im Kolosseum, einer historischen Spielstätte für das Orchester, das dort zum Beispiel mit dem jungen Wilhelm Furtwängler gro- Be Erfolge hatte. Die Anfänge Seit einhundert Jahren prägt das Or- chester nun mit seinen Konzerten und mit den Opernaufführungen das musi- kalische Leben. In seiner Anfangszeit war es eine aus hanseatischem Bürger- sinn entstandene und von dem 1896, also bereits ein Jahr vorher gegründeten „Verein der Musikfreunde“ getragene Einrichtung. Sie wurde in ein musikali- sches Aktionsfeld hineingestellt, das durch die traditionsträchtigen Kirchen- musiken geprägt war. Zwar gab es in Lübeck auch vorher unterschiedliche Ansätze zu einer sinfonischen Musik- pflege, teils mit städtischen Musikern und teil unter dem Schirm eines „Mu- sikvereins“, teils auch von einem orts- kernen Orchester ausgeführt, aber erst mit dem 1897 im Auftrag des ,„Vereins der Musikfreunde“ von Ugo Afferni ge- bildeten Ensemble von 46 Musikern und dem von ihm zusammen mit dem ja auch heute noch sehr aktiven Verein or- ganisierten äußeren Rahmen bekam Lü- beck endlich auch im weltlichen Be- reich eine beständige und der musikali- schen Bedeutung angemessene Institu- tion. Die Gründungsleistung Affernis, der mit viel Erfolg acht Jahre die Kon- zerte des Orchesters leitete, mit ihm alg Pianist auftrat, der die ganze Skala der damals ..Neuen“ Musik - Bruckner Strauss, Dvorák, Smetana - dem immer eher konservativen Lübecker Publikun bot, der Dirigenten wie Arthur Nikisch oder Richard Strauss für Gastdirigate verpflichtete, diese Ankfangsleistung ei. nes erst 26-jährigen ist erstaunlich ung zeugt von einer großen Persönlichkeit. Heute Heute ist der Rahmen, in dem dag Orchester sich behaupten muß, mit der Vergrößerung der Einwohnerzahl gehs- rig gewachsen. Jetzt muß es sein Publi. kum mit den vielfältigen Geschehnissen an den vier Hauptkirchen im Zentrum und an einer Reihe von aktiven Stadt- randkirchen teilen, aber ebenso mit den vielseitigen Unternehmungen der Mu- sikhochschule konkurrieren und seit kurzem mit dem bunten Angebot, das sich in der Musik- und Kongrelkhalle abspielt. Und dort ist es vor allem die inzwischen auf jährlich acht Konzerte angewachsene Abonnementsreihe des renommierten Sinfkonieorchesters des Norddeutschen Rundfunks. das mit Programmen autwartet, deren Attrakti- vität durch die reichlicheren Subventio- nen des Regional-Senders höher sein kann und der damit einen uneinholba- ren Vorsprung ausspielt. Unter diesen Voraussetzungen sich nun zu behaupten - und das mit so viel Erfolg -, ist Ergebnis eines sehr aktiven Verhaltens des Orchesters, das zur Zeit nichts von seinen einhundert Jahren spüren läßt. Im Gegenteil: seine 64 Mu- siker sind hoch motiviert. Es ist auch in der Altersstruktur ein eher junges Or- chester. Die Bandbreite von den klassi- Lübeckische Blätter 1997/14 ' m aus t chen | | | | | | | his h te od siker ge V ten il würd Rath in SP ge VC zum | zert ( | sten | ne in ptlic! reich | gelbs | ker. | kann | ten R | sondt zeich Musi | gchre | aleite | der Z gzinko ten. | U | gestü Gene Ende Male | ster L | schon er doc ge Ze versc] verscl war il ies, e guter Leist. Vergl: hessel ' kelt, \ iel b Die ; Di anspie Spiels noch Je“. dé schen sich al rerha1 neue Tenni: des d vals Z Konze werde des O Lübecki:
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.