Full text: Lübeckische Blätter. 1997 (162)

akts bely hen U er. m s; sondern die gesamte Sammlung „elagert. ° Die Bibliothek mußte deshalb nach 1945 ihren Bestand an Lübeck-Schrif- jen von Null an wieder aufbauen. Das aus- jelang in beachtenswertem Umfang € igt nter. Ir ste Dlig. igen ] abeh | Re. auch and. Irch. von ahre nion hick. ation I dis ONal. IZeit. VVer. stil]. rück. Sea. L, da. twag daß hrif. n In- zigen cker. zirka ckge. Jetzt ratur, e ZU. 18Erer nd es ?stellt 1x mit U Le. n Bi- r Wal- n. Es e und n und >mand . hatte ip nur Druk- orhan- ne Ej- 2n An- hatten sitzers 11b hat >mpla- ' 1997/10 jurch Buchspenden von Lübeckern, qurch die Abgabe im Stadtarchiv dop- elt vorhandener Stücke, durch regel- mäßige antiquarische Käufe und die ülhernanme des großen heimatge- cchichtlichen Nachlasses von Johannes y/arncke. Die Forschungsliteratur sowie selbst z itzenstücke wie Bugenhagens Kir- chenordnung konnten so wiederbe- chakkt werden. Was nicht neu zu be- jommen war, waren die kleineren Zeit- chrikten, Vereinsblätter, Firmenge- chicehten, internen Drucke und Alltags- chrikten. Ebenso unersetzbar waren na- jÿirlich die Exemplare mit handschriftli- chen Zusätzen, die eigentlich Unikate veworden waren. “ Hine Stichprobe hat ergeben, daß Jer Anteil des zurückgekehrten uner- getzlichen Materials weit höher als er- artet ist: von den für die Ausstellung nach rein thematischen Gesichtspunk- jen ausgewählten Exponaten gehörten 15 Prozent zu dieser Kategorie. Als Bei- ziel seien genannt: die Autorenexem- Jare von Dittmers numismatischen forschungen, Schulordnungen von der .1sten gedruckten Ordnung des Kathari- neums aus dem 17. bis zu den Lehrplä- nen der sechsklassigen Mädchenvolks- jchule aus dem .19. Jahrhundert, ein in- jerner Beratungsentwurk des Strafgeset- es von 1863, die Zeitschrift des Ver- ns zur Gründung eines Tiergartens, lie lübeckisch-mecklenburgische gportzeitung. Selbst von einem so ver- hreiteten Werk wie den Vaterstädtischen glittern sind erst durch die Rückgabe jieder Jahresbände im komplett erhal- jenen Originaleinband in der Biblio- hek. ſeltene, schöne, wertvolle Drucke Was die zweite große Gruppe des Jückkehrgutes - die seltenen, schönen ind wertvollen Drucke aller Wissensge- hiete ~ angeht, so war ihre Auswahl 1944 wegen des relativ kleinen Raum- Jontingents der Stadtbibliothek in dem \uslagerungsschacht - nur 284 Kisten „schon so streng erfolgt. daß eigentlich fdes einzelne zurückgekehrte Stück ne kleine Sensation darstellt. Betrach- jet man zum Beispiel im historischen ſcharbau-Saal, welche prächtigen und iieressanten alten Drucke man notge- [ungen im Gefahrenbereich der Bom- henangrikfe belassen mußte, so fällt die \orstellung schwer, dals es darüber libeckische Blätter 1997/10 noch eine Steigerung der Wertstufe gab. Zugleich bewundert man das Biblio- thekspersonal der Kriegszeit, dem - de- z1miert und unter größter Eile - eine so qualifizierte Auswahl gelang. Durch die unerwartete Wendung wurde Franz We- ber zu einer tragischen Gestalt: er hatte zielsicher die Kronjuwelen des Bestan- des gegriffen, um wenigstens sie zu ret- ten — und damit unfreiwillig genau sie geopkert. j Schon allein vier Unikate sind zu- rückgekehrt - zwei äußerlich unschein- bare Drucke des 19. Jahrhunderts aus Pädag "gik und Theologie, dann aber die in ihrem einzigen bekannten Exem- plar in Kassel verbrannte Ausgabe von Melanchthons sächsischer Visitations- ordnung in ihrer Fassung für Hessen, Marburg 1527 - die „Gemeindeord- nung“ des Protestantismus. Das vierte Stück gehört in die Welt aufklärerischer Protestliteratur - Cesare Beccarias ohne Nennung des Verfkassernamens 1766 auf kranzösisch publizierte Anklage gegen Todesstrafe, Folter und Geheimjustiz »„Traité des delits et des peines“ mit dem kiktiven Druckort „Philadelphie“ - ,,in der Stadt der Brüderlichkeit“ - auf dem Titelblatt. Würdig zur Seite stehen die- sem Werk Voltaires 1776 anonym zuerst und in Neuchâtel und Amsterdam LE- druckte „Lettres chinoises ...“ - unsere Ausgabe mit „Geneve 1776“ auf dem Titelblatt ist selbst in der französischen Nationalbibliothek nicht vorhanden und wird in der mehrbändigen Voltaire-Bi- bliographie von Bengesco nicht LE- nannt. Abgesehen von ihrem Wert als Rarissima sind solche Ausgaben auch zur Erkorschung möglicher Textabwei- chungen interessant, die vielleicht erst die Absicht hinter dieser vom üblichen abweichenden Publikationsweise sicht- bar werden lassen. Für viele andere dieser Drucke muß die Frage, welche Besonderheit sie sei- nerzeit auslagerungswürdig machte, noch geklärt werden - bei den Büchern aus dem Schlözer-Schrank und der Gei- bel-Sammlung jedenfalls ging es dar- um, einen gewachsenen geschlossenen Bestand zu erhalten. Aus dem gleichen Grund waren auch fast alle der knapp über 300 zu Lebzeiten erschienenen Einzelausgaben der Werke Luthers evakuiert worden - 15 Rückkehrer, oft einzigartig durch ihre Randbemerkungen, sind objektiv ein Schatz und nur vor dem Hintergrund des früheren Reichtums der Bibliothek ein bescheidenes Ergebnis. Enttäuschend ist hingegen die Rück- kehrquote großer mehrbändiger Werke und Gesamtausgaben. Die Verteilung auf die Sowjetunion erfolgte ganz of- kenbar so mechanisch Band für Band, daß die stolzen Serien auseinanderge- rissen sind und selbst in Georgien nur Trümmer angesammelt waren. Das be- trübt besonders bei einigen meisterhaft kolorierten zoologischen Reihenwer- ken. In einem Fall - Fr. Barfods „För- tæellinger af fædrelandets historie“, ei- nem Grundwerk der dänischen Natio- nalbewegung - kann man nachweisen, daß Band 1 des Werkes in Tomsk liegt, während Band 2 nun aus Georgien zu- rückkam. Es liegt auf der Hand, daß die Bibliotheken der Sowjetunion mit dem Beutegut. eine nur rein zahlenmäßige Kompensation für mögliche eigene Kriegsverluste erhielten, aber niemand mit diesen Büchern wirklich arbeiten konnte. Niederdeutsche Drucke Mager blieb die Rückkehr nieder- deutscher Drucke - nur zwei Luther- Drucke füllen den Bestand auf. der ein- mal an achter Stelle unter den Biblio- theken der Welt lag. Die Erwartung an die Rückkehr von Inkunabeln - also vor 1500 entstande- nen sogenannten Wiegendrucken - konnte so hoch nicht sein, nachdem in Sankt Petersburg nur 170 der insgesamt 650 Bände festgestellt werden konnten, in Moskau erheblich weniger. Es müs- sen also andere wichtige Bibliotheken ebenfalls solche Bestände erhalten ha- ben, aber wir wissen bis heute nicht, welche. Immerhin sind 6 Inkunabeln sowie 4 Postinkunabeln wieder in Lü- beck - meist unauffällige Quartbände, aber neben ihrem Wert auch von thema- tischem Interesse: eine lateinische Grammatik mit dem großen Holzschnitt einer Schulszene, eine frühe Schilde- rung Indiens. Für Lübeck besonders wichtig ist die Rückkehr eines weiteren Drucks des Lübecker Erstdruckers Lu- cas Brandis - Giovanni Poggios Faceti- en, fast zeitgleich mit den großen Lü- becker Erstdrucken Mitte der siebziger Jahres des 15. Jahrhunderts entstanden - und des Lübecker Frühdruckers Ge- org Richolff des Älteren - Sibutius’ Ars memorativa von 1507. Eine prächtige Pergamenthand- schrift, ein Brevier, wohl aus der Dom- stiftsbibliothek, mit farbigen Initialen, füllt die bereits zur Hälfte zurückge- kehrte Sammlung liturgischer Codices weiter auf; eine weitere niederdeutsche Handschrift ergänzt die 77 Stücke. die aus dem weltweit einzigartigen Korpus von ehemals 96 Stücken zurückgekehrt sind. Weiterhin sind mindestens vier Gebrauchshandschriften wieder in den Katalog einzutragen; bei einer Reihe von anderen ist noch unklar, ob sie nicht aus dem Stadtarchiv stammen. Für Lübeck unschätzbar sind dabei zwei Stücke. Die „Lubeca Religiosa“ 151
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