Full text: Lübeckische Blätter. 1997 (162)

| AUS Georgien zuriick - Wertvolle Bücher wieder in Lübeck jörs Fligge und Robert Schweitzer von der Lübecker Stadtbibliothek berichten über Rückgabe und Rückkehr II. H | | 0dyssee, Irrtum und Glück m kritische Bomber griffen am Sonn- [ug Palmarum 1942 Lübeck an und jscherten einen Teil der traditionsrei- (hen Hansestadt ein. Später mußten aus gicherheitsgründen leider auch viele | fissaden ehrwürdiger Kaufmannshäu- Wüßten | er, die noch standen, flachgelegt wer- . auch| len. Damit war dann die Vernichtung en mj| mdgültig sichtbar und ist es bis heute te, daß iberall dort, wo bescheidene Nach- olle. | hiegsbauten die alten Plätze bis heute cell be. hesetzzt haben. Aufgrund dieses ein- „Kulty,| chneidenden Erlebnisses für unsere ubraun| Sadt, aber auch aufgrund der schlim- reptan,| nen Gesamtlage in Deutschland, reif- Diesen | en die Pläne, unersetzbares Kulturgut Grünen| uch Osten in Bergwerksschächte aus- 'emein.| uagern. Heute wissen wir, daß mit le und|lieseer Entscheidung, auch anderer Antrag |Jüdte wie etwa Bremen, Hannover, fs- und | Hamburg, ein verhängnisvoller Fehler J | ... vonllezangen wurde. Doch kann man das zeugen | enen, die damals Verantwortung tru- . ren, nicht anlasten. Im Rahmen eines er 1997/11 IJlibeckische Blätter 1997/10 | u | Jutalogband mit „Ausgelagert “-Stempeln abgestimmten Konzeptes erhielt die Lü- becker Stadtbibliothek die Kapazität von 284 Kisten für ihre wertvollsten Bücher und Handschriften. Daß sie über einmalige Schätze verfügte, ergibt sich aus der Tatsache, daß in die seit 1616 im Aufbau befindliche „Bibliotheca Publi- ca“ (Ofkentliche Bibliothek) der Lübek- ker Bürger der öffentliche Buchbesitz Lübecks aus Kirchen, Klöstern. Rat- haus Eingang fand. Aber auch bedeu- tende Erwerbungen, Abgaben, Schen- kungen, Nachlässe, Stiftungen zugun- sten der Bibliothek trugen zu ihrer Be- deutung bei. Bei den etwa 28000 Stük- ken, die ausgelagert wurden, befanden sich fast alle Handschriften, die Inkuna- beln, die niederdeutschen Drucke, die Lübeck-Sammlung (Lubecensien) und wertvolle, besondere Stücke aus allen Fachgebieten, dabei, wie wir erneut er- kennen konnten, eine ganze Gruppe von Unikaten. Bei den Unikaten zahlreiche Unikate in Deutschland, in einigen Fäl- len auch über diesen Rahmen hinausge- hend. Im Januar 1946 begannen die sieg- reichen Sowjets, die Kisten aus dem Stollen Plömnitz bei Bernburg zu holen. Nach Zwischenstationen, unter ande- rem in Berlin, wurde aber doch für den Transport in die Sowjetunion entschie- den und dieser auch von deutscher Seite beobachtet. Die großen Verteilstellen waren dort Leningrad und Moskau. Nachdem die beiden Metropolen be- dient waren, sollten primär auch alle Hauptstädte der damaligen Sowjetrepu- bliken Anteil an der Beute erhalten. So gelangten deutsche Bücher, zirka 100 000, nach Tiblissi in Georgien, aber auch in Millionengröße nach Kiew und Minsk, die heute ebenfalls Hauptstädte selbständiger Länder sind. Die nach Georgien gelangte Stückzahl ist also vergleichsweise sehr bescheiden. Die Verteilkriterien entziehen sich einem nachvollzienbaren Schema. Belegt ist lediglich, daß Handschriftenbestände gezielt nach Moskau gelangten, anson- sten dark man eher von Mengenkontin- genten ausgehen, inhaltlich eher einem Sammelsurium. Daher kommt es, daß bei fast allen bisher inspizierten oder bekanntgewordenen Standorten deut- scher Buchbestände sich auch Lübecker Bücher befinden, beispielsweise in Tomsk (Sibirien). 149
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