Full text: Lübeckische Blätter. 1997 (162)

Vom Kuhberg über den Kaufberg zum Koberg - Historie und Neugestaltung eines Platzes in Lübecks Altstadt* Alte Fernhandelswege führten schon vor 1200 über den späteren Stadthügel zwischen Wakenitz und Trave von Bar- dowick über Lübeck nach Mlecklen- burg. Sie tangierten die Kaufmanns- siedlung oberhalb des Marktplatzes und führten durch die Burg zum einzigen Landzugang und zur Alten Fähre unter- halb der Burg. Die Urlandschaft be- stand aus hochgelegenen Binnendünen zwischen sumpfigen Niederungen. Dort mögen die ersten Siedler ihre Kühe zusammengetrieben haben, daher die Bezeichnung Kuhberg. Der Name ist um 1210 erstmalig erwähnt, noch bevor der eigentliche Platz angelegt wurde. Alljährlich sammelten sich hier die Kreuzfahrer für die Einschiffung nach Livland. Zur gleichen Zeit hatten sich in der direkten Umgebung Hand- werksbetriebe niedergelassen, wie Fun- de von Bronzegießern und Töpkereien zeigen. Auf einem kleinen Sandhügel wurde eine Kapelle des Kreuz- fahrerpatrons Jakobus mit einem abge- rundeten Friedhot angelegt, der heutige Standort der Jakobikirche. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhun- derts breitete sich die Kaufmannssied- lung vom Markt in Richtung Burg längs der heutigen Breiten Straße und der Kö- nigsstraße aus. Es entstand die Neustadt von Lübeck, die sich rasch weiterent- wickelte. An der Westseite der heutigen Platz- anlage wurde um 1216 das erste Stein- haus für den damaligen Stadtvogt direkt an den Handelsweg gebaut. Gleichzei- tig wurden nördlich der Kapelle die Dü- nen abgetragen und die Lehmgruben ausgefüllt, um ein Plateau herzustellen. Diese künstlich entstandene Fläche vor der Vogtei wurde für Gerichtsver- sammlungen genutzt. Eine Gerichtslaube war vermutlich direkt an die Vogtei angebaut. wie aus Grabungsfunden im Haus Koberg 2 her- vorgeht. Die rechtwinklige Platzfläche wurde in Lage, Dimension und Nutzung deut- lich auf die mittig an der westlichen Platzschmalseite errichtete Vogtei aus- * Der erste Teil des Gesamtbeitrags über die Historie wurde dem Heft 22 „Realisierungs- wettbewerb Koberg Lübeck - Ausschrei- bung“ aus der Reihe „Lübeck plant und baut“- des Senats der Hansestadt Lübeck entnom- men. Der zweite Teil des Gesamtbeitrags über die Neugestaltung wurde dem Heft 29 „Wettbewerbsergebnisse Koberg Lübeck“ aus der Reihe „Lübeck plant und baut“ des Senats der Hansestadt Lübeck entnommen. 132 gerichtet. Dabei wiederholt die beab- sichtigte PlatzgrößBe (90 mal 60 Meter) im Verhältnis 5 zu 3 die Grundpropor- tionen der Vogtei, deren Längenseiten mit 19,1 mal 11,5 Meter das selbe Ver- hältnis aufweisen. Die Bebauung der nördlichen und westlichen Platzränder vervollständigte diesen Entwurf in Übereinstimmung mit der 1240 in das Lübische Recht ein- geführten Baufluchtvorschrift. Nachge- wiesen sind hiervon die Steinhäuser Koberg 2, Koberg 12 (Ecke Große Burgstraße), Steinwerk am gleichen Ort des Koberg 3. Weitere Holzhäuser dürf- ten auf den übrigen Parzellen an der Nord- und Westseite des Kobergs ent- standen sein. Um 1250 gewann der Rat der Stadt die Macht über den Stadtvogt als Ver- treter des Stadtherrn, so daß die Vogtei am Koberg rasch an Bedeutung verlor. Gegen die politischen Ansprüche des Bischofs gelang es 1262 den Lübecker Bürgern, den Bau einer städtischen La- teinschule durchzusetzen. Ihr Bau wur- de zwischen der Jakobikirche und der Südseite des Platzes in Angriff genom- men, dort, wo heute die Jakobipfarrhäu- ser stehen. Ab 1263 wurde an der Ost- seite des Platzes mit dem Bau des Heilig-Geist-Hospitals begonnen. Es wurde zum Zentrum der damaligen Sozialfürsorge für Arme, Alte, Kranke und Pilger ausgebaut. Das Heilig-Geist-Hospital ist zu- nächst freistehend an den Platz gestellt worden und wurde später erst in die Baufluchten eingebunden. Es richtete sich somit auf das Fluchtsystem des Platzes aus, das mit der Vogtei vorgege- ben war. Mit der imposanten Fassaden- gestaltung des Hospitals versuchte der Rat als Bauherr, die städtebauliche Ori- entierung des Platzes auf die ehemalige Vogtei „zu brechen“. Zusammen mit der Lateinschule wurde so ein Ensemble geschaffen, welches als gebautes Manifest der bür- gerlichen Reformbewegung damals wie heute die städtebauliche Struktur des Kobergs bestimmt. Dem Stadtbrand von 1276 fielen alle Holzhäuser im Bereich des Kobergs zum Opker. Dies wurde zum Anlaß ge- nommen, eine steinerne Platzrandbe- bauung im Anschluß an die übriggeblie- benen Steinhäuser zu errichten. Die heutige Gebäudeanordnung wurde im wesentlichen um 1280 festgelegt. Brandmauern aus dieser Zeit sind zwi- schen den Häusern bis heute weitge- hend erhalten. der Gest halten bli hatur. Um lt Mit diesen Neubauten wurde de, dr Koberg endgültig bevorzugter Wohn. che Stick standort für Stadtadel und neureich, Jiese beic Bürger, von denen einige auf ihren Hg nd raum fen Streitrösser hielten. Bereits in de Per Zci Jahren um 1260 wurde der Koberg Er. gauwerkt eignisraum für die ritterlich ambitig. n ihre S nierte Oberschicht, die alljährlich hie, jelaber m Turniere ausrichtete. | *Die e Vom 14. bis Anfang des 19. Jahrhuy. rfolgte, derts war der Koberg dann 500 Jahre 1% Teil lang vor allem Marktplatz. Auf ihm ve; 1862. Pe kauften die Landbevölkerung und fa. gelle seir rende Händler, vor allem aus Mecklen. ft ufs burg, ihre Waren, unter anderem Hop. gittereint fen und Holzkohle. Gleichzeitig dient. Im Zu er als Gerichtsplatz für die Bevölkeruny | des städtischen Landgebietes. Dy Burrecht, eine kleine Gerichtslauhe stand auf einer kleinen Erhöhung min. destens 300 Jahre inmitten des Platze; ' Überliefert ist, daß das Burrecht Mit | .jiäil; des 18. Jahrhunderts als Kaufstelle kü; Rindfleisch umgenutzt und Kuhlid ge. | nannt wurde. An der südwestliche Platzecke befand sich ein Sod (öffentl. cher Brunnen), dessen Gestalt in Laufe der Zeit mehrmals verändert wy,. de. Die frühen Platzansichten zeigen fr ſt ihn als eine große, stelenkförmige Pun. PE. Erwähnung fand schon 1614 eh Wachgebäude, wohl identisch mit den, ym !! bis zum 20. Jahrhundert erhalteney I! Wachhäuschen. [ 41 Alle mittelalterlichen Häuser an dg E+ : Nord- und Westseite wurden im Lauf; z dieser Jahrhunderte wiederholt mit ney. ! en Fassaden versehen, zuletzt in dey [j j Formen des Klassizismus und de, i- Historismus. Sie stehen heute in ein . baulichen Kontrast zu den mittelalterh. - chen Fassaden an der Ost- und Südseite 13 g Der Bereich des heutigen Geibel. kobers, n platzes war in diesen Jahrhunderten al; prt!s: Friedhof des Heilig-Geist-Hospital, jung erhi wie auch der Jakobikirchhok, durch ein übermannshohe Mauer von der Straße abgeschirmt. Seine nach Osten absin. zterte Fah wege aus die Umge nicht zu v venannter ;traße ~ n minischer menrabatt um das D in Lübecl] tikers. We Litkalßsäul ein Kiosk an das Bu sprünglicl Der Di wohnern c kende Fläche reicht bis vor das Inspek. torenhaus (Koberg 8). | In der Zeit des Biedermeier war ay; dem belebten Marktplatz, zu jener Zei Kaufberg genannt, ein beschauliche; Stadtplatz geworden, umgeben vaoy Gaststätten und Herbergen. 1814 wurde der aus Kopenhagey stammende Lübecker Architekt Joseph Christian Lillie beauftragt, die kleine Wache vor den Pfarrhäusern neu zu ge. stalten. Realisiert wurde jedoch nu eine Instandsetzung. Die heutige Wache entstand 1935 und entspricht nicht mehr Lübeckische Blätter 199119 Libeckische I
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