Full text: Lübeckische Blätter. 1997 (162)

Zeitgeist der Rent ussance sie einholte. die Gelder sperrte und eine Stadtkrone in Form eines gigantischen Krans hin- terließ für die nächsten 280 Jahre. Erst 1842 begann der Weiterbau dieses 8. Weltwunders. geschaffen zur Festigung des ..Gemeinsinns aller Deutschen“’, die noch nicht in einem Reich vereint wa- ren. Man benutzte die fünfeinhalb Jahr- hunderte alten Pläne. Sie waren im Jah- re 1814 pünktlich“ und „zufällig“ vom Klassizisten Georg Moller auf einem Gasthausspeicher gefunden worden. Weil auf Pergament pedantisch genau gezeichnet, waren sie gut erhr Iten. Ro- land Fischer betont nun mit Computer- aufhellung die Stelle der Fassade. die eig entlich eine Rose einnehmen müßte. Ein kritischer Fingerzeig? Daß hier nur ein Maßwerkkenster sitzt, das verüble auch ich dem alten Meister Johannes. Hier fehlt das Mittel des Kontrasts, das in Reims erfreut. Es bleibt bei der Va- riation des Tnemas Maßwerktfenster. Im Jahre 1880 schließlich war der Bau vollendet. Dann sah ich das spätgotische Motiv des Eselsrückens, eine Konvex-konkav- Schwingung, aufgesetzt auf hochgo- tisch-klassische Spitzbögen und Maß- werke. Neugierig im Katalog geblättert. Aha. Metz. der lothringische Bischoks- sitz. Eine Moselfahrt aus Liebe - zur Gotik - ist fällig. Das wäre ein kleiner Schlenker auf der Fahrt von Köln über Trier nach Straßburg. Wie hat Fischer fotografiert? Zweifellos mit der Kamera und her- kömmlichem Farbfilm. Ich sah, was ich nicht weiß. Wie hat er die perfekten Standpunkte für die orthogonalen Auf- nahmen gefunden sowohl im Innern wie im Äußeren? Selbst ein Fischer ist kein Superman, denn er kann nicht fliegen. Wie bewältigt er stürzende Linien und Proportionskorrekturen für die perfekt komponierten gotischen Texturen? Frau Siewert benutzt den Begriftk „computer- gesteuerte Bildauswahl“. Neugierig be- frage ich mein Corel-Photo-Paint-Pro- gramm und finde den richtigen Maus- klick unter .Ekkekt-2D-Perspektive“, der Parallelität und Proportion nach meinen Wünschen liefert. Manchmal hilft zusätzlich auch die Tastenkolge „Efkkekte-3D-Drehung“. Wie hat Fischer die Bilder gemacht? Da ich es nicht weiß, macht es mich heiß. Ich wähle vom Schloß in Lud- wigslust meine Landschaftsaufnahme und ein Fassadendetail. Ich scanne bei- de und speichere sie. Dann bearbeite ich wie erwähnt beide auf Ausschnitt, Proportion und Parallelität. Ich reduzie- re die Farbe und korrigiere die Hellig- keitskontraste per Mausklick. Dann ko- piere ich das Fassadendetail. schicke es 102 in den Zwischenspeicher und füge es von dort ein in die Gesamtaufnahme. Beide Bilder überlagern sich. So habe ich mühsame Dunkelkammerkopierei oder riskante Doppelbelichtung schon bei der Aufnahme vermieden. Ich ver- binde beide dauerhaft mit den Mouse-Klicks „Objekt-Kombinieren- Objekte mit Hintergrund“ und schicke das Ergebnis durch den Farbdrucker. Und wieder sehe ich etwas, worüber ich nichts weiß: Wo stehen so gigantische elektronisch gesteuerte Farbdrucker, die die Papierbahnen in den hier sicht- baren Breiten ausspucken? Für den ei- gentlichen präzisen Entwurk der Bilder genügt bei brillanter Auflösung ein Mo- nitor von 17 oder notfalls 21 TOI. der auf dem Schreibtisch steht. Wie hat Fischer die Farbe behandelt? Die gotische Kathedrale erscheint uns als schattenwerfende Plastik in kar- bigen Grautönen von außen - aber von innen als von göttlichem, farbigem Licht durchfluteter Raum. In einem Zi- tat aus dem Kreis des Bernhard von Clairvaux heißt es: „Das Licht, welches Glas durchdringt ohne es zu zerbre- chen, gleicht dem Wort Gottes, dem Licht des Vaters, das durch den Leib der Jungfrau gegangen ist“. Außen wirken als farbige Grautöne - je nach Material - oberrheinischer Buntsandstein rost- braun bis beige, Laacher Vulkantukk in Graustufen, Französischer Kalkstein von hellgrau bis weiß. Für das mysti- sche Innenlicht aber ist das Leuchtend- ste, nämlich die Farblicht projizierende Glasscheibe. gewählt. Die Gläser sind mit Metalloxyden schon in der Schmel- ze durchgefärbt. Die Farben des Kalt- warmkontrasts Blau-Rot, theologisch auf Maria und ihr blaurotes Gewand be- zogen, sind vorwiegend gewählt. Das Blau durch Zusatz von Kobaltoxyd, das Rot durch Kupferoxyde und gelegent- lich durch Goldzusatz. Die Zeichnun- gen, welche die notwendigen Bleistege formal ergänzen, sind mit Silberlot auf- gemalt. danach aber auch eingebrannt, so daß sie auch weitgehend unzerstör- bar sind. Chartres blieb bis heute das Zentrum der Glaskunst und liekerte Egon Eiermann die Scheiben für die Berliner Gedächtniskirche. Wir hören allerdings mit Staunen, daß das Ideal der gotischen Bauherren und Baumei- ster offensichtlich war, den gesamten Bau auch von außen farbig zu kassen und mit reichen Vergoldungen zu verse- hen. Das ist vielfach noch nachweisbar wie im Königsportal von Chartres. Technische Probleme wie die oxydie- renden Bleiweißgrundierungen, Witte- rungsschäden und natürlich finanzielle Fragen standen diesem Wunsch wohl häufig entgegen. In der Pariser Saint Chapelle sehen wir noch die Faszingat on des farbigen Fensterlichts, welche,. auf die geg genüberliegenden Pfeiler pr,. jiziert - ein Wechselspiel treibt mit de kleinteills bemalten und vergoldete, Steinoberklichen im Innenraum. Rg. land Fischer überlagert Innen und Ay Ben, also Außenpl:; astik und Farbraun Man sieht - weil man’s weiß -, un wenn man genau guckt, daß Andeutyy gen farbiger Fenster und Malerei ay seinen Bildern erkennbar sind. Die Fg. ben sind von Fischer sicher bewulßt re. duziert. Und wir wissen, daß der Reiz der Malerei, übrigens auch in der Arch;. tektur - von der Steinzeit über Tiepol, bis Monet und darüber hinaus -, in de, Verwendung farbiger Grautöne lieg zwischen den unverzichtbaren Extre. - men Schwarz und Weiß. Man denke yy eine Grisaillemalerei, über die nach h.. währter Technik farbige Lasuren geley, werden. Selbst die Würzburger Trey. penhausdecke ist bei genauem Hinse. hen nicht bunt, sondern farbig. Rolayy Fischer liebt Kontraste: die blutfarhj. gen Knockouts hier und die Reduzis rung zu farbigen Grautönen dort für dy, elegante gotische Filigran. Er ver schmilzt Innen und Außen nicht nur fo mal. sondern auch farbig zu einer Ein. heit. Ich kann ein kaszinierendes Mer. mal dieser großen Architektur aus Zeit. gründen hier nur andeuten: Das sind dj formalen Bezüge und Entsprechungey der Geschoßzonen der inneren und iy. ßeren Gewände, auch wenn sie vey. schiedene Funktionen haben. Diese j; Fischers Bildern zu verfolgen, ist von besonderem Reiz. Vielleicht war dieg; Tatsache für ihn ein Anlaß für sein; Überlagerungen. Warum wählt Fischer die gotisch Architektur? Vielleicht folgt er der Erkenntnÿy daß man in Extremen denken mul, wenn man die goldene Mitte finde will. Oder sind seine halbamerikani schen Gedanken verwandt mit der Hin wendung junger Musiker in Amerik zum Mlittelalter, die sich leidenschaft lich verliebt haben in die Mystikerj Hildegard von Bingen und ihre Musjj zur Grundlage ihrer modernen Kläng; machen? Die Knockouts prägen unstt 20. Jahrhundert. „Macht kaputt, wy Euch kaputt macht“, fordert der Zeit geist. Aber trotz Corop-Himmelbly und den Dekonstruktivisten ist in de; gegenwärtigen Architektur deutlich eine Suche erkennbar nach strenge; Ordnungssystemen, um die Beliebig. keit der Nachkriegsmoderne zu über winden. Die Welt der Gotik ist gepräg von der Leidenschaft für logische Ord. nungen, auch erkennbar an Maß. Forn und Ökologie des mittelalterlichen Li; Lübeckische Blätter 19911 eck un t:Ôi sch PBauel gunL- ab monstra wan § stadt. K: fürst. Bü pra ang be kelt aus der burg! italischen kreuzte at hicht- ut von S: ain gibilia. cher. ein ehrg vEizi! Ende du (ekühl ( . hru pie G noch : Griechis qindisch. chitektol ten. Dar! schmelz Konstrul von Tecl nanzw'es Jem and Notwenc jußere | ohne We de, ist Sc Reiz des Not WUI zeigt 1n8 nes biol. wir an ei die ver alle eint gen îMil Wandflä granen 1 prägt Zu Material statisch die thec am Bau che logi gen, Ti Wimper sind gec sen und tektur it thema V meinsck brachte, zungsch spezikis füge eir tremen welches ohne B andere Lübeckiscl
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.