Full text: Lübeckische Blätter. 1996 (161)

Bei den Geigern wurde das Konzertpro- gramm von der achtjährigen Annika Oepen mit Martinus kolkloristisch ge- prägter Sonatina mutig eröffnet. Johan- na Ihde und Laura Traub zeigten mit Genzmers Sonatine eine schwungvolle Gemeinschaftsleistung. Bei einer von A. Schnittke rasant aufpolierten Suite im alten Stil bot Antonia Georgiew im- ponierendes Laufwerk und Vibrato. Ihr wäre ein besseres Instrument zu wün- schen! Malte Groth, von seiner Mutter begleitet, glänzte routiniert bei Proko- fieffs Andante, während Schuberts A- Dur-Sonatensatz mit Susanna Hönig und Julia Bron gegenüber dem Moder- nen fast aus dem Rahmen fiel. Unter den Cellisten bot Timon Kortk als sehr junger Teilnehmer mit heiklen Doppelgriffen bei Bachs Suite eine er- staunliche Leistung, wie sich auch der wesentlich ältere Daniel Bron bei Hin- demiths Cello-Meditation tonschön ein- setzte. Als effektvoller Knüller erwies sich A. Ginasteras Solo-Hommage an Paul Sacher mit Annika Lilje. Unter den Pianisten gefiel die unter- schiedliche Bandbreite des Anschlags: Lars Imsdahl mit handkestem Katschaturian-Tanz, Marina Kondra- chevas geschmeidiges Bach-Solkeggio, ein Prokofieff-Scherzo mit Ulrich Rich- ter, Birgitta Roses Fingerspiele bei Chick Coreas Miniaturen und Darja Tschaikowskajas selbstbewußte Zur- schausstellung purer Virtuosität einer Toccatina. Trotz Kürzung des städtischen Zu- schusses konnte Dr. Ada Kadelbach ne- ben Urkunden und Marzipan dank einer Zuwendung durch die Sparkasse zu Lü- beck wieder Preis-Gläser verteilen. Bis im nächsten Jahr die Lübecker Musik- schule der „Gemeinnützigen Gesell- schaft“ die Durchführung des Wettbe- werbs übernimmt, wird man versuchen müssen, ähnliche Sponsoren für eine Aktivität zu gewinnen, die zu den er- folgreichsten der kulturellen Jugendbil- dung gehört. Hans Mlillies Darstellende Kunst Niederdeutsche Bühne Lübeck: Froonslüüd sünd ok Minschen Mit dem Lustspiel „Froonslüüd sünd ok Minschen“ von Hans E. Jürgensen verabschiedet sich die Niederdeutsche Bühne Lübeck von der Aula der Ober- schule zum Dom, im Juni kehrt die Büh- ne zurück ins renovierte Stadttheater mit dem Musical „Kiek mal wedder in“ von Heinz Wunderlich und Lothar Olias, mit dem sie dann in der neuen Spielzeit in die Abonnementsvorstellungen gehen wird. Im April wird die Niederdeutsche Bühne Neumünster für die vierten Abon- 78 nementsvorstellungen in der Oberschule zum Dom gastieren mit Arnold und Bachs „„De lüttje Wippsteert“. Jürgensens komödiantischer Beweis da- für, daß „Froonslüüd ok Mlinschen sünd‘’,. wurde vor 30 Jahren geschrieben, als man auch erwachsene ledige Frauen noch mit „Frollein“ titulierte und Män- ner sich noch darüber aufregen konnten, dals weibliche Wesen angeblich „männli- che“ Berute ergriffen. Hier geht es dar- um, daß eine junge Frau als Taxifahrerin in die bisher rein männliche Besatzung einer Funktaxenzentrale einbricht. Na- türlich setzt sie sich durch, und das ei- gentlich Witzige an dem Stück ist heute noch, wie die einzelnen männlichen Ty- pen auf die adrette Deern reagieren. Spä- ter kommt dann noch so etwas wie eine Krimihandlung per Mauerschau, oder modern gesagt Mikrophonanlage, hinzu, bis sich das Stück zum Schluß dann im Eiltempo gleich doppelt zu happyr-endet. Michael P. Schulz, assistiert von Gabi Meier, inszenierte das Lustspiel gefällig, es gelang ihm, das Ensemble mit seinen unterschiedlichen Figuren in angemes- senem Tempo zusammenzuhalten. Die Besetzung erwies sich in allen Rollen als zu den Typen passend. Leni Lüttke war eine sichere Tilly Knoop, der gute Geist der Zentrale, die zugleich den dazugehö- rigen Kiosk bedient. Sie brachte eine Reihe uriger Schnacks wirksam über die Rampe, und das gilt auch für die Krimi- Einlage, die sie im Dialog mit dem Mi- krophon bewältigt. Jürgen Schwabel als Makler Dethlefsen, Finanzier der Taxen- zentrale, zeigte sich einerseits als marki- ger Boß, dann als fast lächerlich verlieb- ter ältlicher Daddy. Anja Kruse war eine flotte junge Taxiun- ternehmerin, die sich einmal, judo-ge- schult, mit einem Bankräuber auseinan- dersetzen muß, aber eben auch mit den drei Kollegen in der Zentrale. Und das ist ein herrlich unterschiedliches Trio: Heino Hasloop spielte den dösbatteligen Hannes Kreymann mit ständig beleidig. tem Gesicht. Günther Rahtgens war der songs-trällernde Möchtegern-Charmeur Luden Witt und Benjamin Deecke war der junge Rolf Petersen, der zunächst nicht wußte, ob er nun für oder gegen die neue Kollegin sein sollte. Sehr treffend war das Bühnenbild von Jan Kothe, das das Flair der Taxenzen- trale mit Spinden - und den entsprechen- den Pin-up-Girls und- Boys -, anger: schmuddeltem Waschraum und Schlaf- kojen vermittelte. Das Publikum fühlte sich zwei Stunden angenehm unterhalten und bedankte sich mit entsprechendem Applaus, und der anwesende Autor war offensichtlich auch zufrieden. Eine besondere Ehrung erfuhr ein wich- tiges, wenn auch nicht sichtbar wirken- des Mitglied des Ensembles: Heinz Cas- sel, Inspizient der Aufführung, erhielt Glückwünsche zum 25jährigen Bühnen- jubiläum - ein sinnvoller Brauch der Niederdeutschen Bühne, auch diejeni- gen Mitwirkenden öffentlich zu ehren, die sonst nie zu sehen sind, ohne die je- doch auf der Bühne nichts läuft. Rudolf Höppner MELDUNGEN Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit Dienstagsvorträge Zum Vortrag am 5. März: Das Schulwesen und die Schulerzie- hung in Indien Dr. Sharma ist der Vorsitzende des Indi- schen Schulvereins in Bonn. Sein Verein hat in Jogiwala, ein Dorf bei Dehra Dun, 250 Kilometer nördlich von New Delhi im Himalaya-Vorland, eine eigene Schule gegründet mit dem Ziel, der Schulerzienung im Lande eine neue Richtung zu geben. Seine Begegnung mit dem indischen Schulwesen, der Wirklichkeit des Landes und seine Er- fahrung mit der Schulgründungsarbeit wird unter anderem das Thema des Vor- trages sein. Zum Vortrag am 12. März: Die Wasserversorgung des antiken Susita am See Genezareth - ein Bei- spiel römischer Technologie im Heili. gen Land? Am See Genezareth gründeten die Se- leukiden im 2. Jahrhundert vor Christi ein Fort, das sich zu einer bedeutenden Stadt mit wechselvoller Geschichte ent- wickelte, bis sie durch ein Erdbeben zer- stört wurde. Mit dem Aufblühen der Stadt ging der Aufbau einer aufwendi- gen Frischwasserversorgung über diver- se Leitungen einher. Dazu gehörte auch eine Druckrohrleitung aus durchbohrten Basaltblöcken, um das Wasser aut den Burgberg zu bringen. Im Bereich der an- tiken Stadt liegt noch eine Anzahl von Basaltröhren in situ. Ein Vergleich zu Bauwerken in Bethlehem beziehungs- weise Caesarea legt nahe, daß auch hier in Susita der Einfluß römischer Bauwei- sen und Technologien wirksam war. Lübeckische Blätter 1996/5 ; PAPII münlenstraße 26 r HHH Theaterr unsere näch Oper konzer halle Fre La Favorit: zett1 schauspiel j poktor-Julin Der Wund: Friel für Gl D 61 1I M Beginn jewr Hinweis: B Anrechtstag an der The. möglich; be sind bitte v zum Umtau karten“ abz l r Lübeckische BI
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