Full text: Lübeckische Blätter. 1996 (161)

1800 Ibekeller | nkeller keller r var den ndass ekuran, sse] 1000 n sen ard I6 th [ung Z]ätter 19964 die Gewandschneider) sowie die Wein- und Gewürzhandlungen, auch Tee und kakkee sowie Tabak wurde gehandelt. In den ehemaligen Häusern der Kram- händler am Markt wurde um 1800 hauptsächlich spezialisierter Detailhan- del betrieben - Krämer konnten en Lros einkauken, konnten aber auch en détail verkaufen. Westlich des Rathauses wa- ren Leinwandhandlungen und Lager so- wie eine Tabakfabrik, am Markt zwei Eisenwaren- und eine Weinhandlung gamt Schenke, schließlich der Konditor Joh. G. Marit angesiedelt. Im Ostriegel hatten Handwerker, ein Kunstdrechsler, ein Schumacher, ein zinngießer sowie zwei Kramwaren- händler ~ diese waren vermutlich schon Gemischtwarenhandlungen - ihre Häuser. In den großen Häusern des güdriegels waren zwei Seidenhandlun- gen, eine Weinhandlung mit Schenke sowie ein Galanterie- und Eisenwaren- geschäft untergebracht. Auk der Westseite des Marktes ergab die Mischung der Geschäfte, daß ein zinngießer neben einer Gewürzhand- lung lag,. ein Juwelier neben einem Kramwarenladen und ein Tabakge- schäkt neben einer Gewürz- und Eisen- warenhandlung. In alter Tradition hat- ten sich auf der Ostseite des Schüssel- buden noch einige Handwerker mit ih- rem Kleingewerbe gehalten: ein Stuhl- macher, ein Zinngießer, ein Klempner, ein Holzdrechsler und an den Ecken je eine Gewürz- und eine Eisenwaren- handlung. Bis auf eine Ausnahme wurden um 1800 noch alle Häuser am Markt als spezialisierte Spezialgeschäftshäuser genutzt. Lebensmittelhandlungen, die noch 1663 vorhanden waren - sechs Käsehändler -, waren aus den Markt- häusern verschwunden. Dafür existier- ten jetzt Genußmittelhandlungen für Tabak, Gewürze und Wein. Nach wie vor wurden in starkem Maß Textilwaren angeboten, wie auch Eisenwaren. Als Gewerbetreibende hatten sich am Markt nur noch ein Zinngießer, ein Kunst- drechsler ein Stuhl- und ein Schuhma- cher halten können. Alle Geschäftsleu- te. Händler und Handwerker wohnten noch in den Obergeschossen ihrer Häu- SET. XII Zusammenfassende Bemerkungen - Aufgrund seiner topographischen Lage. Größe und Anlage und wegen sei- ner Funktion als Zentrum des Handels kann der Markt zu Lübeck als Herz der ganzen Gründung bezeichnet werden. Zu Beginn ein Zentrum für den gesam- ten Handel und die handwerkliche Pro- duktion, wurde er später zum Lokal- markt und zum Zentrum der städtischen Lübeckische Blätter 1996/5 Verteilerfunktion für das Umland, wan- derte das produzierende Gewerbe auch wegen der Überfüllung vom Platz in die umliegenden Straßenbereiche ab, wo sich neue produktionsspezifische Zen- tren bildeten, da für das Handwerk mit Üeu Ausnahmen kein Marktzwang, estand. § Die topographische und bauge- schichtliche Behandlung des Markts als krühe Siedlungsstätte muß auf dem Hin- tergrund der siedlungsgeschichtlichen Entwicklung der Grundstücke erklärt werden und fordert zum Vergleich mit den übrigen Stadtteilen auf. Zu beach- ten ist dabei die seit dem Ende des 13. Jahrhunderts überlieferte Siedlungs- struktur mit einerseits kleinen Buden- grundstücken auf dem Markt und ander- seits Großparzellen der Kaufleute und Ratsherren am Marktrand. Diese Struk- tur hatte ihre Wurzeln in der planeri- schen Anlage des Marktes um 1300 und spiegelt die damalige Marktorganisati- on wieder. Erhalten hat sie sich bis ins späte 19. Jahrhundert. Krämer und Handwerker bevölkerten den Markt, Fernhandelskaufleute, Gewandschnei- der und Kompagnien umringten ihn. Der Markt ist nicht loszulösen von den angrenzenden Straßen und Gebäuden und ihren Nutzungen, er ist nur im Zu- sammenhang mit diesen zu sehen. ~ Die wirtschaftliche und die soziale Bedeutung des Marktbereiches läßt sich noch an der hohen Bewertung der Lie- genschaften im 17. und 18. Jahrhundert ablesen. Sie ist nicht nur charakteri- stisch für die Marktrandbebauung. son- dern auch für die ältesten Marktteile im Westen und im Norden des heutigen Platzes. Zu beachten ist auch die zum Teil hohe Taxation der ehemaligen Kel- ler, die vermutlich noch zu den ersten Budenanlagen gehörten. Sie sind even- tuell noch unter der heutigen Pflaste- rung verborgen. ~ Die Bebauung läßt sich aus der Sied- lungsentwicklung ablesen: kleine Par- zellen entwickelten sich um den Markt, die aufgrund ihrer exponierten Lage hochbegehrte Liegenschaften waren. Bis ins 19. Jahrhundert wurden sie ver- größert, möglich waren nur eine Expan- sion in die Höhe sowie kleine Anbauten in den Platzbereich, denn sie standen aut kleinen, voll überbauten Grundstük- ken und konnten sich deshalb baulich nicht so entwickeln wie die Gebäude auf den großen Kaufmannsgrundstük- ken. Sie waren und blieben enge Markt- bebauungen. Die frühen, eingeschossi- gen Buden wurden bei Sättigung bezie- hungsweise Bebauung des Raumes um den Markt herum erweitert und aufge- stockt. Dann entwickelte sich aus den anfänglichen Siedlungsstrukturen ein neuer Bautyp, ein Markthaus als mehr- geschossiges Fachwerkhaus mit Vor- kragungen und versteckten, verwinkel- ten Ecken - Anbauten und Kellerzugän- ge vervollständigen das von Hand- lungstreiben bestimmte lebendige Bild. ~- Wichtig zum Verständnis der Funkti- on und der Bedeutung wird es sein, das Gebilde Stadt als Ganzes zu betrachten, den Markt und die umgebenden Straßen als Einheit zu sehen, da das beschriebe- ne geschäftige Treiben nicht nur auf den Marktplatz begrenzt war, sondern in den angrenzenden Straßen und übrigen Plätzen seine Fortsetzung fand - dem- nach kann eine Untersuchung nicht auf den Markt beschränkt bleiben. sondern bedart der Einordnung in das Stadtgefü- ge. Das Miteinander von Markt und ihn umgebenden Straßen führt zu dem Bild des lebendigen, auch kleinteiligen und verwinkelten Handelsplatzes. der sich vom 13. bis ins 19. Jahrhundert im Zen- trum der Stadt befand. Daran knüpft sich unmittelbar die Frage, wie das zer- störte Gebilde wieder in das städtische Geschehen eingegliedert werden kann, wie Schüsselbuden und Kohlmarkt und die westlich angrenzenden Straßen zu beleben sind. - Aus der Synthese der Einzelbeobach- tungen läßt sich möglicherweise am Ende auch erklären, warum der Markt von Lübeck in den bislang bekannten Reiseberichten keine Beachtung gefun- den hat. Die Reisenden des I16. bis 19. Jahrhunderts konnten die ursprüngliche Platzanlage nicht mehr erkennen - sie ist ja noch nicht einmal von der heuti- gen Lübeck-Forschung eindeutig ge- klärt -, und die Bebauungsstruktur auf dem Markt mit den relativ niedrigen, traufenständigen Fachwerkbauten und der Nutzung durch Krämer und Hand- werker fügte sich nicht in die Vorstel- lung einer von Hansekaufleuten gepräg- ten Stadt. die in großen Steinhäusern in exponierter Lage ihren Reichtum zur Schau stellten. Literatur - Fritz Rörig. Der Markt von Lübeck. in: Hansi- sche Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschich- te, Breslau 1928 - Häuser und Höfe in Lübeck. Bände 1 und 4. Herausgeber Rolf Hammel-Kiesow/Manfred Eickhölter, Neumünster 1993 - Monika Remann, Romanische Backsteinbebau- ung im Zentrum von Lübeck, in: Zur Baufor- schung über Spätmittelalter und frühe Neuzeit, Herausgeber Arbeitskreis für Hausforschung, Marburg 1991 - Margrit Christensen/Wolfgang Frontzek: Das Etagen-Mietshaus an der Untertrave 96. in: Zeit- schrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde Band 65. Lübeck 1985 ~- Marktplätze - Betrachtungen zur Geschichte und Kultur, Herausgeber Bauakademie der DDR, Berlin 1990 71 E R R UR.
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