Full text: Lübeckische Blätter. 1996 (161)

Der große Lübecker Münzschatz ist eine Augenblicksaufnahme aus dem Geschäftsleben eines Kaufmanns oder Krämers, seine „Wechselkasse“, in der der Erlös aus den Verkaufsgeschäften der letzten Monate gesammelt war. Die Zusammensetzung des Muünzschatzes gibt daher Aufschluß über den Geldum- lauf in Lübeck und Norddeutschland in den 1530er Jahren und läßt Rückschlüs- se auf den Handel zu. den der ehemalige Eigentümer betrieben haben könnte. Dadurch unterscheidet sich der große Lübecker Münzschatz von den meisten anderen Schatzfunden, deren Münzen in der Regel im Lauke vieler Jahre als Rücklage für schlechtere Zeiten gehor- tet wurden. Mehr als andere Münzfunde eignet sich der große Lübecker Münz- schatz daher, die Münzen in ihrer hauptsächlichen Funktion zu präsentie- ren: als zeitgenössisches Tausch- und Zahlungsmittel. Der große Lübecker Münzschatz steht außerdem an einer entscheidenden Zä- sur der europäischen Geldgeschichte: Die ersten Großsilbermünzen. das No- minal, dem die geldgeschichtliche Zu- kunft gehören sollte, sind bereits in inm enthalten. aber noch dominieren die Goldmünzen im Groß- und Fernhandel. Die Ausstellung „Der große Lübecker Münzschatz“ zeigt unter anderem, wie es zu der Herausbildung des dreiteili- gen Münzsystems von Kleinsilbermün- zen, Goldmünzen und Großsilbermün- zen kam. Die wissenschaftliche Konzeption der Ausstellung oblag dem Historiker Rolf Hammel-Kiesow. bk Goldmünze: Gulden (456 Pfennig), Lübeck, 15. Jahrhundert, Vorder- und Rückseite Sankt Johannes in ovaler Einfassung mit Kreuzstab in der linken Hand und kleinem Doppeladler-Wappen zur Rechten des Kopfes, Vorderseite MONETA LUBICEN, Rückseite S JOHANES BAPTIST, Vorder- und Rückseite mit Gegenstempel Silbermünze: Witten (4 Pfennig), Lübeck, 1502, Vorderseite waagerecht geteilter Wappen-Schild im Perlkreis und MONETA LUBICEN 1502, Rückseite nach außen ausgeschweiftes griechisches Kreuz im Perlkreis und AVE CRUX SPES UNICA Der große Lübecker Münzschatz zeugt von der europäischen Ausstrahlung der Hansestadt Rede von Klaus Spiegel, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse zu Lübeck, anläßlich der Eröffnung der Ausstellung „Der große Lübecker MünZzschatz “ .. Der „große Lübecker Münzschatz“ zeugt von der europäischen Ausstrah- lung der Hansestadt, von ihrer Vermitt- lungsfunktion zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd, die Lübeck be- kanntermaßen in der Verfassungs- und Rechtsentwicklung sowie natürlich im Handel innehatte und. wie hier gezeigt, auch im Geldwesen. Das von Heinrich dem Löwen neu er- richtete Lübeck hatte sich rasch zum Ausgangspunkt eines regen Ostseehan- dels entwickelt. Wegen des Geldbedarfks wurde hier die Errichtung einer Münz- stätte erforderlich. Und der von den vier sogenannten „wendischen“ Städten Lü- beck. Hamburg, Lüneburg und Wismar gegründete Wendische Münzverein hat 340 fast zwei jahrhundertelang maßgebend das Münzwesen in Nordeuropa be- stimmt. Er war gewissermaßen Vorläu- ker der im I16. Jahrhundert von der Reichsgewalt für das Deutsche Reich eingeführten Reichsmünzordnung. Und auch in den Herzogtümern wurde der Geldumlauf überwiegend von den han- sischen Münzen bestritten, deren Über- wachung und Wertverhältnis zum Silber durch die Hanse-Rezesse ihrer Kauf- kraft zugute kamen. Infolsee der Bedeutung Lübecks als Handelsstadt und später als Vorort der Hanse setzte sich die „Lübsche Mark“ als Währungseinheit in ganz Nord- deutschland durch. Und als „marca lu- bicensis“ findet man sie auf den späte- ren Groß-Silberprägungen wieder, bis sich allmählich der Taler als Leitwäh- rung durchsetzte. Nur am Rande sei er- wähnt, daß die durch das Münzgesetz von 1873 im Deutschen Reich einge- führte Währungsbezeichnung „Mark“ eine Referenz an die Hansestädte zur Erinnerung an die Bedeutung die- ser Währungseinheit in der Hansezeit war. Und auch als Lübeck als erste deutsche Stadt wegen ihrer wirtschaftlichen Be- deutung von König Ludwig dem Bayern 1340 das Recht erhalten hatte, städti- sche Goldmünzen zu prägen, befanden sich doch gegen Ende des späten Mittel- alters im Geldumlautk - wie der Lübek- ker Münzschatz ausweist - Goldmün- Lübeckische Blätter 1996/21
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