Full text: Lübeckische Blätter. 1996 (161)

ei-: Eu- zu ein ESE 1nd nli- nag [08- Le- ker cht Le- ken 'em bü- die als nze 1alb nne 1:0: ) Er uch SEi: ’r0- | LE§ SNS. den E- der alen Jein 18ti- hrte tus, lere ben ul nns. Stus : El- mas von Ent- fung haft sche Ora: fühl ione eine denz ISTU S Par- I des ina: Der SWE- "orm 96/20 und insokern zum MißBlingen prädesti- niert. Letztlich gehe es um z die Beendi- gung der Literatur analog zur Beendi- gung der Sonatenform. Vom Gesichts- punkt des negativen Vorzeichens., das das ganze Werk beherrscht, ist deshalb auch das „g“ des Cellotons als eines gnadenhaften Lichtes in der Nacht ein Trugschluß. Damit sei auch das Chri- stentum abgeschrieben. So bildet für Hans Wollschläger die letzte Verzweif- 7. Eckhard Heftrich: Joseph in Bevor Eckhard Heftrich seinen Vortrag begann, wurde ihm wegen seiner Ver- dienste für die Thomas-Mann-Gesell- schaft die Würde eines Ehrenpräsiden- ten der Gesellschaft zugesprochen. Pro- fessor Wimmer, der ihn mit einer herzli- chen Laudatio ehrte, überreichte ihm die Urkunde. Heftrich dankte mit einem Rückblick auk die Geschichte seit Sei- ner Zeit als Präsident der Gesellschaft und äußerte seine Freude über die Ver- leinung der Würde. Grass und Fremdenteindlichkeit Eckhard Heftrich ging in seinem Vor- trag von der Rede des Günter Grass an- läßlich der Verleihung des Thomas- Mann-Preises an ihn aus. Grass hatte sich in seiner Rede begeistert über den Joseph-Roman geäußert. Heftrich be- grüßte diese Begeisterung., er teile sie. Allerdings sei er verwundert über ihrer beide verschiedene Sicht des Romans. Denn Grass hat sich in die Schar derer eingereiht, die als Fremde beziehungs- weise Unerwünschte abgeschoben wer- den. Diesen Gedanken projizierte er in den Joseph-Roman hinein. Er sah auch Joseph als den Fremden, der im Aus- land, also in Ägypten, unerwünscht sei, sich allerdings später „kreistrampele“. Dieser Interpretation trat nun Hettrich mit der These entgegen, Joseph fühle sich in Agypten ..wie der Fisch im Was- ser“. Er habe dort eine ausländerfreund- liche Gesinnung gefunden. Schon in Potiphars Haus sei es so gewesen und erst recht am Hoke des Pharao. Nur in Ägypten konnte er zum Retter des Va- terlandes werden. Daß Mut. die Gattin Potiphars, nach ihrer Affäre mit Joseph für dessen Entfernung mit kleinlichen Argumenten plädiere. dürfe nicht als Indiz für Fremdenkfeindlichkeit bean- sprucht werden, da sie sich in ihrer Lei- denschaft für Joseph in ihrer ganzen Existenz gefährdet sah, nämlich in ihrer Würde als Frau und Mondnonne. Dar- um dark von einer echten Fremden- feindlichkeit nicht die Rede sein. Jo- seph als Exempel für Fremde, das be- deute eine Verkürzung des Textes. Heft- rich gestand Grass zu, daß dieser darum wisse. Denn Grass sprach von ,„abwei- Lübeckische Blätter 1996/20 lung den „Kontrapunkt“ des Doktor Faustus. Sie aber mußte, so Wollschlä- ger, nachgelebt werden, denn im Werk erscheint sie als Kunstprodukt. Um exi- stentiell nachgeholt zu werden, mußte die Verzweiflung wieder an das Tage- buch delegiert werden. Dort heißt es dann: „Noch zu leben ist kehlerhaft.“ Das bedeutet nach Wollschläger: „Noch zu erzählen ist fehlerhaft“. Das Motiv der Verzweiflung schlug also vom Werk der Fremde chender Lektüre“. Ihm sei die schöpke- rische Abweichung erlaubt, aber nicht dem Philologen. Philologie sei die Kunst, Lesen zu lernen und zu lehren. Eckhard Heftrich wies nun darauf hin, daß bereits im Anfang des Werkes sich eine Animosität gegen Fremde zeige., aber nicht bei den Ägyptern, sondern bei dem Israeliten Jakob. Der spricht gegenüber Joseph vom ,..äffischen AgyPter-Land“, wo die „Leute .. schwarz an der Seele“ seien, ..rötlich von Angesicht“ und „alt aus dem Mut- terleib“ kämen. Sie seien ..dünkelhaft. lüstern und traurig“. Jakobs „Abscheu- kaszination“ erlebt am Schluß des Wer- kes eine heitere Auflösung, denn er kommt ja selbst nach Ägypten und darf ein Wiedersehen feiern mit dem tot LE- glaubten Sohn. Das ist aber nur dadurch möglich, daß er vorher ..in die Asche kommen mußte“. Seine Altersreife und schmerzliche Lebenserfahrung macht es ihm nun möglich, sich gegenüber dem Pharao nicht „herablassend“ zu be- nehmen, wie Joseph befürchtet hat. Der Blick der Zuhörer wurde nun auf die Genesis gelenkt. Thomas Mann wisse zwischen den Zeilen des Bibeltextes zu lesen, sagte Heftrich. Die Bibel berichte zum Beispiel nur kurz über den Sturz Josephs in den leeren Brunnen. Im Grunde habe ihn das Tabu des Bruder- mordes gerettet. Der Text berichte nicht. warum Joseph seinen Käufern nicht ent- flohen sei und warum er später den Vater nicht benachrichtigt habe. daß er lebe. AußBerdem sei er direkt an Jakobs Be- hausung vorbeigezogen. Die Antwort aut diese fragwürdigen Lücken laute: Joseph habe der Anfechtung widerstan- den, zum Vater zurückzukehren. Er gibt dieser Versuchung nicht nach, und damit übt er „Gottesklugheit“. Er weiß eben um seine Bestimmung, daß nur ein Jo- seph in Ägypten zum Retter Israels wer- den kann. Wörtlich sagte Hettrich: „Sollte er vom Feste weglaufen und Hir- te bleiben?“ „Joseph in Ägypten“. das sei identisch mit „Joseph im Feste“. Aut-en-Enet und Antonius In Ägypten nun spielt Joseph im Hause Potiphars mit der Leidenschaft der ins Leben um. Für Hans Wollschläger ist offenbar der Faustus ein Roman. in dem das Ende des Romans miterzählt wird. Am Schluß seines Vortrages frag- te er: „Ist wirklich kein Roman mehr möglich?“ Er antwortete: ..Der Roman ist möglich als das. was kein Roman mehr ist.“ Mit Blick auf Thomas Mann rief er preisend aus: „Noch heute kann keiner, was er konnte! Wahrlich. er war sehr groß.“ G. K. Frau. Joseph erweist sich also als an- kechtbar. Nach der Interpretation Eck- hard Heftrichs konnte Thomas Mann Mut nur ehrenretten. wenn er Joseph als anfechtbar zeigte. Das menschliche Drama erlebt seinen Höhepunkt. als die Leidenschaft Muts in Vernichtungswut umschlägt. Mut wird so zur „ägYPti- schen Kundry“. Der Erzähler versagt sich nicht dem Schmerz der Enttäusch- ten. doch gilt sein Tadel ihrer Demago- gie. Heftrich konnte überraschender- weise zeigen, daß ihre Anklagerede LE- gen Joseph vor ihrem Gesinde der Rede des Antonius aus Shakespeares Cäsar-Drama nachgebildet ist. Aber während Antonius das Volk auf seine Seite zu ziehen vermag. reagiert das Gesinde der Mut ratlos und zurückhal- tend. Joseph ist es nämlich gelungen. alle Sympathien auf sich zu ziehen. Segen von oben und unten Im letzten Teil seines Vortrages kenn- zeichnete Heftrich den Joseph-Roman als ein Werk humanistischer Religiosi- tät. Er wies darauf hin. daß eine der Quellen Thomas Manns Jeremias’ Werk über das Alte Testament gewesen sei. Mann sympathisierte besonders mit diesem Werk, weil Jeremias angesichts der verschiedenen Kulturen von der „humanen Einheit des Geistes“ gespro- chen hat. In diesem Sinne sind alle Er- scheinungsformen der Religion berech- tigt. So ist die ganze orientalische Kul- tur im Lichte der Einheit des Men- schengeistes zu sehen. Von diesem Ge- danken her bekommt der Vorbeigang Josephs an seinem Vaterhaus neben dem wörtlichen einen tiefen bildlichen Sinn. Indem Joseph die väterlichen Bindungen transzendiert, wird er reif, den Segen von oben und von unten zu empfangen. In der folgenden Diskussion kamen noch wesentliche Gedanken zum Tra- gen. Der Joseph-Roman wurde zu ei- nem Mlenschheitswerk. dem Lessing- schen Nathan vergleichbar. erklärt. Er impliziere für Thomas Mann die Lö- sung der Judenfrage durch sein Eintre- ten für Assimilation. G;.Kl 317
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