Full text: Lübeckische Blätter. 1996 (161)

LITERATUR : THEATER . MUSIK ' AUSSTELLUNGEN . VERANSTALTUNGEN Bildende Kunst Paloma Navares Installationen im Pavillon der Overbeck-Gesellschaft Von Meisterwerken der Malerei, die Nymphen, die Venus, Evas und andere Musen darstellen, nimmt die spanische Künstlerin Paloma Navares, geboren 1947, die abgelichteten Körper, um mit denen nach ihrem Blick für Schnitt und Montage zu neuen Objekten, neuer Aussage zu kommen. Details aus fünk Jahrhunderten Kunstgeschichte dienen oder triumphieren hier in postmodern gebändigter Form, in schwarz-weißer Abstraktion, gehöht durch sparsame Ek- fekte flammenden Rots, zum Beispiel ..Von einem glühenden Herzen“, „An Overbeck“. Lineares, gezeichnete Arabesken hatte in subtiler Form Alexander Roob in Bildromanen in der Jlanuar-Februar- Ausstelluun über die Wände der Overbeck-Gesellschaft gleiten lassen. Arabesken von kräftigerer Art, schwar- ze Kabel in großzügiger Länge und ei- genwillig geringelt geben den Objekten von Paloma Navares starke graphische Akzente. Die notwendige Stromzufüh- rung für die Beleuchtung der Installa- tionen bekommt somit eine ästhetische Aufgabe. Lebensgroß. in zwei Plexiglasröhren gerollt stenen da Adam und Eva. Dürer gab die Vorlage! Sieben Neonröhren, Stabtaschenlampen, werden zu fluores- zierenden Bildträger für die Gruppe Venus und andere Evas“ mit einem be- sonders üppigen Kabelgewirr. Es asso- ziiert Haarlocken. Zu diesem Thema hat die Künstlerin ebenfalls ein Objekt ar- rangiert: „Locken, Ringellöckchen und andere Wellenlinien“. In Streifen zer- schnittenes Fotopapier kräuselt sich wegen der dem Papier eigenen Span- nung. Ein amüsanter Teilaspekt der Ausstellung ist es, die Kunstwerke der Vorlage zu entdecken, ihnen die aus ei- nem Ganzen herausgetrennten Teilchen zuzuordnen. Raten oder wissen, das ist auch eine Frage der Installation „Die Jungfrau und ihr Sohn“. Vierzehn Büchlein zum Blättern - hier darf be- rührt werden! - hängen an Metallketten an einer Halterung, wie man sie in ei- nem Markt für Naßzellenbedarf be- kommt. Das hat nichts Herabsetzendes, Blasphemisches, eher die augenzwin- kernde Ironie einer praktisch veranlag- ten Künstlerin, die eine hervorragende Macherin ist. Von Tizian, Giovanni Bel- lini und El Greco bis Murillo bewegt sich ihr Ausflug in die Kunstgeschichte. 124 In Lübeck, in der Overbeck-Gesell- schaft kommt man auk keinen Fall vor- bei an der Hommage „An Overbeck“. Diese entstand 1996 nach einem Brief- dialog der Künstlerin mit Roswitha Sie- wert. „„Was ist nachahmungs-, was ist bewahrenswert an diesem programma- tischen Bild?“, fragte die Kunsthistori- kerin vor sieben Jahren. Anlaß war die Ausstellung „Italia und Germania“ mit Fotografien von Ursula Dannien in Sankt Petri. Daß die Botschaft dieses Bildes heute lebendig ist wie eh und je, zeigen nicht nur die flammenden Her- zen der beiden Frauen, die Nord und Süd verbinden und wie sie Schwester- lichkeit gegen eine oder neben eine seit Jahrhunderten immer wieder beschwo- rene und doch vielfach unselig handeln- de Brüderlichkeit setzen. Gerda Schmidt „Von Zeit zu Zeit 46/96“ - Ausstellungsplakate und Kataloge Zum 50. Jubiläum der Gemeinschaft Lübecker Maler und Bildhauer ist im Künstlerzentrum Engelswisch eine Be- gleitausstellung zu sehen. Neben ausge- legten Katalogen sind es vor allem Pla- kate. die dicht gehängt Stichworten gleich Jahrzehnte von Ausstellungen präsent machen. Doch sollte man auch nicht vergessen, daß das Plakat ein ei- genständiges Kunstwerk sein kann, das zu entwerfen, sich immer wieder bil- dende Künstler herausgefordert sahen; man denke nur an Toulouse-Lautrec im Frankreich des ausgehenden 19. Jahr- hunderts. Der untere Raum im Künstlerzentrum präsentiert in dichter Fülle Plakate der Jahresschauen der Gemeinschaft und der beiden Jubiläumsausstellungen 1969 (50 Jahre Vereinigung Lübecker Künstler) und 1996 (50 Jahre Gemein- schaft Lübecker Maler und Bildhauer). Weil man auf keine kontinuierlich ent- standene Sammlung dieser Plakate zu- rückgreiken konnte, waren private Leih- geber gefragt. Das früheste Plakat für die Jahresschau 1960, die noch in den Räumen der Overbeck-Gesellschaft veranstaltet wurde, entwark Georg Wei- land in seinem unverwechselbar lapida- ren Stil, den das Studium der Wandma- lerei und Bildhauerei prägte. Gisela Kleinschmidt, professionelle Grafike- rin mit einem heute kaum noch zu kind- enden Gespür für Bild- und Schriftge- staltung, gestaltete unter anderem die Plakate der Jahresschauen 1965, 1970, 1977 und 1981. Gertraud Boelter- Evers. Heiner Kühn, Gerhard Back- schat, Erich Lethgau, Germa und Dieter Ohlhaver, Uwe Boschen, Rüdiger Paul; Peter Kleinschmidt und Peter Klimek gaben Zeichnungen, Ideen für weitere Plakate der Jahresschauen. Daß die Gruppen- und Einzelausstellungen im Sozialpfarramt in der Königstraße, im Künstlerzentrum, in der Bank für Ge. meinwirtschaft und anderen Ortes eben- falls originell und informativ angekün- digt wurden, zeigt diese Ausstellung mit einer Vielzahl interessanter Expo- nate bis zum 13. April. Gerda Schmidt Musik Bachs Matthäus-Passion im Stereoklang Mit einem Großaufgebot an Mitwirken- | den realisierte Kirchenmusikdirektor Armin Schoof in der Jakobikirche Bachs gewaltige Matthäus-Passion, Musiziert von drei Emporen, mit drej Dirigenten, drei Chören, doppeltem Or. chester und doppelter Solistengruppe - das bescherte Bachs volkstümliche; Werk quasi im Stereoklang. Die Besu- cher in der vollen Kirche erlebten eine | spannende Aufführung, bei der allen. falls der eine oder andere harte Sitz. platz daran erinnerte, dals eine unge. kürzte Wiedergabe beider Teile - die Pause abgerechnet - gut drei Stunden benötigt. Es wurden jedoch drei „kurze Stunden“, was uneingeschränkt für Qualität spricht. Zu den äußeren Gegebenheiten: Armin Schoof, der die Gesamtverantwortung hatte. leitete die Jakobi-Kantorei alz Chor I und die Hauptsolisten auf der Südempore, vor der großen Orgel hatte die Bodelschwingh-Kantorei mit Chor Il und dem zweiten Orchester unter Lei- tung von Kirchenmusikdirektorin Bär. bel Barschkies Stellung bezogen, wäh- rend Hans-Jürgen Wille und die Sopra. ne der Knabenkantorei auf der Südem. pore plaziert waren. Bachs kompositorisches Prinzip, der oft geradezu dramatische Dialog. den seine Kritiker vor 250 Jahren als „opernhaft“ ablehnten, kommt durch die Aufteilung auf verschiedene Standorte voll zu Geltung. Daß im Evangelistentext, in kommentierenden Rezitativen und Ari- en, in den Einwürfen gläubiger Seelen in den Choralstrophen ein Stück Welt. geschehen verhandelt wird, wird durch die getrennte Aufstellung geradezu auf- regend deutlich. Lübeckische Blätter 1996/7 Auk de: heikle § gegense als0 auf Pirigent ie bei ( kompliz nicht i beim Ei nicht“ ' per- § zich okl elchöri gemeint von Ge: hestens. schmett Furcht \ renz in | Großart sten, VO Tenor Z würdig gänger selten !} Intonati schon b Kleinle Ebenso Bästleir en. Ohr nösem . der Auk Christo ders da Solorol fen, w vielleic vor ZuV Erzähls um bes gopran; schenkt gänzter Jan Kel mer (F gchluß: klang ( sang be dankte Große Mettbe Nach \ bewerb bewerb Schüle „Geme starke ] andere: - Hols Geigen Goldke Goldke von de Lübeckis:
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