Full text: Lübeckische Blätter. 1995 (160)

tanden ährend ler mal 3 dann LESEtZt bei der a war, ne und 2ckten, E „Ein- längen iter die n Blu- Zei der er Un- dchen, ch auf Nn, WO- s mein lehne. en, da r un- wußten einan- ht die nicht eines ür die lachte 1 Ertel Licht. S Kir- e mit ksen- iuser, DZü- ol of [ 150 orde- 10hes enem iblio- und nsten sind. r ein »rgen S, sit: tein- chen ;[.U- mein Ger- 'OPa- 995/18 oder „Wie man Theorie lehrt“. denten wie hier, trotz des raschen reise nach dem Krieg zurückgekehrt. Mir fiel auk, daß man Hindemith in Amerika in erster Linie als hervorragenden Musik- theoretiker, doch nicht wie in Europa als den bedeutenden Komponisten schätzte. Seine Kurse waren die meistbesuchten seien es „Geschichte der Theorie“; „Grundlegende Prinzipien der Theorie Ö | Selten gab es ein derart engagiertes Mitgehen der Stu- Te ; von Hindemiths Ausführungen. U os dere Fächer dieser Musikhochschule Oti- entierten sich an den Grundlagen von Hin- demiths „Unterweisung im Tonsatz“ und anderen musiktheoretischen Schriften: kür den jungen Deutschen ein eigenartiges | Gefühl. kern der Heimat in einem anderen Erdteil das zu studieren, was kurz zuvor zuhause lange Zeit als „untragbar“ verbo- ten war. . Arbeitsergebnisse wurden gemeinsam be- sprochen und diskutiert. So entstand ein sehr persönliches Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler. Trotz gewisser Di- stanz zur Musikszene Amerikas, über die sich Hindemith in persönlichem Gespräch kritisch äußerte, schrieb er: „Es ließe sich manches vomhiesigen Musikleben lernen: die immer und allerorts Legenwärtige Be- reitwilligkeit, singend und spielend mitzu- machen; die unübertreffliche Neigung und Begabung zu meisterlicher Produktion: die trotz aller Schwächen weitgespannte Er- ziehung, welche den Musiker zwingt, ne- ben seinem Hauptfach sich in zahlreichen anderen ebenso gründlich auszubilden: die gesunde, okkene Haltung, jeder, selbst der ungewohntesten Musik gegenüber.“ So fand ich beispielsweise eines Abends mei- . nen Zimmergenossen - Hauptfach Klavier -, eine original Knickhals-Laute im Arm, vor, mit deren Spieltechnik er sich für eine Demonstration mittelalterlicher Musik vertraut machte, bei der Hindemith selbst eine alte Viola da braccio spielte. Als Geiger im New Haven Symphony Or- chestra saß ich an einem hinteren Pult, die Posaunen neben mir. Im Abbonements- konzert wurden unter anderem auch Hin- demiths ..Sinfonische Metamorphosen“ über ein Thema von Carl Maria von Weber aufgeführt. Wenn im Scherzo die synko- pierte Variante des Themas fugiert auftrat und das Blech jazzbegeistert „volles Rohr“ gab, freute sich Hindemith darüber wie ein Swing-Band-Leader. Unvorstellbar, daß diese kleine quicklebendige Gestalt mit dem sprudelnden Englisch typisch Frank- furter Akzents mit oft humorgewürzten verschmitzten Äußerungen tatsächlich Professor Hindemith war, Komponist der „Matthis-Sinfonie“ und des ,Marienle- hens“. In seinen ersten amerikanischen Jahren hielt Hindemith jährlich wechselnd Vor- Lübeckische Blätter 1995/18 CYP ME LI A| lesungen in New Haven und Boston. Aus ihnen ging sein richtungsweisendes Buch „A Composer’s World“ hervor, mit dem er sich später bei seiner Antrittsvorlesung 1953 in Zürich vorstellte. Sein dauernder Wohnsitz war in New Haven ein beschei- denes Vorstadthaus inmitten blühender Gärten, teils amerikanisch,. teils gemüt- lich deutsch eingerichtet. Frau Hindemith empfing ungezwungen im bunten Dirndl- kleid. Man fühlte sich bald wie zuhause. In der Stille dieser Umgebung entstanden die „Weber-Metamorphosen“, seine Es- Dur-Sinfonie, „Ludus tonalis“ und andere Werke. Hier schrieb der Dichter des „Matthis“-Textbuches auch sein Vorwort zum Horn-Konzert und den Text zu ei- nem Hamburger Vortrag ..J. S. Bach - ein verpflichtendes Erbe“. Noch im Novem- ber 1950 sagte Hindemith: „Ich möchte gerne eine Menge Musik schreiben. kom- me aber wie der bekannte auf dem Dach sitzende Greis nicht dazu“. Und weiter: „Die Erfahrung, in zwei verschiedenen musikalischen Kulturen gelebt und LEar- beitet zu haben. möchte ich nicht missen.“ Das wurde besonders deutlich bei der praktischen Verwirklichung dieser Anre- gungen. Bereits 1933 hatte Hindemith mit seinen Berliner Studenten auf alten Instrumenten musiziert. Seit 1940 lag ein Schwerge- wicht seiner Tätigkeit in der Arbeit mit seinem Collegium musicum aus kortge- schrittenen Studenten und Mitgliedern des Lehrkörpers an dem mehrjährigen Studi- engang praktizierter Musikbeispiele: „We- stern Music from the Middleages to the Barogue“. Damit wollte erseinen Schülern aus aller Welt die Grundlagen euroPäi- scher Musikkultur vermitteln. Die Studen- ten engagierten sich dabei in vorbildlicher Weise. Ein Team protokollierte und druck- te die Ergebnisse der Vorlesungen. kopier- te Notenbespiele - eine damals noch sehr mühselige Arbeit - und übte diese instru- mental und vokal in Lateinisch, Italienisch und Deutsch ein. Bevor Hindemith nach Zürich übersiedelte, unterrichtete er 1950/ 1951 ganzjährig in Yale und bereitete mit dem dortigen Collegium musicum eine Demonstration Musik des späten I6. Jahr- hunderts“ vor. Diese enthielt Teile einer katholischen Messe mit dem „Kyrie“ von Byrd, „Gloria“ von de Monte. ..Credo‘“ von Palestrina , „Sanctus“ von Gabrieli und „Agnus Dei“ von Handl. Der chroma- tische Stil dieser Zeit wurde in der Motette „Mirabile mysterium“ von Handl und ei- nem Madrigal von Gesualdo deutlich. Nach Werken von Lasso und de Jeune schloß das Programm wirkungsvoll mit der „Battaglia“ für Chor und Instrumente von Gabrieli. Hindemiths Vorliebe für aktives Musizieren bewies sich in einem typischen Beispiel: erkomponierte kurzerhand einen Kanon ,alla Battaglia“, der von allen Be- teiligten und dem Auditorium sozusagen als „Zugabe“ am Schluß gemeinsam ge- sungen wurde. Vom Ergebnis dieser Jahresarbeit gab es nur zwei für die Musikwelt historisch LE- wordene Aufführungen: eine in der Yale-Music-school. die andere im Juni 1951 in „The Cloisters“ bei New York. Am Ufer des Hudson-Rivers haben Kunstmäzene aus Originalteilen französi- scher Klöster, die Stein für Stein dorthin verschifft wurden, ein Kloster zusammen- bauen lassen, das als Museum für mittel- alterliche Kunst den Amerikanern ein an- schauliches Bild europäischer Kultur des Mittelalters geben soll. Im stimmungsvol- len Innenhof fand die Aufführung statt. Für sie konnte Hindemith mit Hilfe seines Freundes Emanuel Winternitz. Curator am Metropolitan Museum of Arts. wert- volle Original- Instrumente entleihen. Das Orchester war unter anderem mit Harfe, Laute, Psalter, Kornett. Drehleier. dreisaitiger Geige. Baßblockflöte. Posau- ne und vielfältigem Schlagwerk besetzt. wie es Hans Memmlings Bild ..Christus. umgeben von Engeln“ von 1480 teilweise zeigt. Mit den ausführenden Studenten übte Hin- demith unermüdlich. probierte Blätter und Mundstücke, um dem Originalklang nach- zuspüren, und sorgte bei den Streichern dafür. daß alte Spielarten - zum Beispiel ohne Vibrato und mit alten Bögen - be- rücksichtigt wurden. Beim Einrichten der Chor-Noten ließ er Tenöre Partien der Alt- stimmen mitsingen und hatte selbst großen Spaß an derartigen Versuchen in Klangre- gie. Für die Aufführung ließ der Praktiker Hindemith besonders niedrige Notenstän- der anfertigen. damit man die Handhabung der seltenen Instrumente besser beobach- ten konnte. Unglücklicherweise zog ein schweres Gewitter auf. so daß die Vorfüh- rung nach kurzer Unterbrechung durch ei- nen Wolkenbruch im kerzenerleuchteten Cloister inmitten mittelalterlicher Kost- barkeiten wie Möbel. Bilder. Gobelins. Meßgewänder und -geräte fortgesetzt wer- den konnte. Das Finale entwickelte sich mit drei instrumentalen Tänzen im nach- hallenden Refektorium zum hinreißenden Höhepunkt. Als Paul Hindemith am 16. November 1950 55 Jahre alt wurde und früh morgens die Stufen zum Unterrichtsraum herauf- schritt, empfingen ihn junge fröhliche Stimmen mit einem Quodlibet. das einer seiner Schüler für die ergötzliche Zusam- menstellung von gemischtem Chor. Geige. Trompete. Posaune und Glockenspiel schnell komponiert hatte. Unter den ab- schließenden Klängen der deutschen Hym- ne: „Hoch soll er leben!“ betrat Professor Hindemith das Klassenzimmer. 299
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