Volltext: Lübeckische Blätter. 1995 (160)

wie Thomas Manns Typen. Dierks stellt Jung als Metaphysiker des Willens dar. der mit Freud bricht und statt der Sexualität nach hinten in die Symbolgeschichte der Menschheit zurückweicht, insofern reprä- sentiert er den Gedanken der Zerstreuung. Thomas Mannund C. G. Jung suchen beide Mythenarsenale des Typischen. Thomas Mann sei im Tod in Venedig näher an Jung als an Freud, verdecke aber diesen Bezug bis über den Joseph hinaus, so Dierks. APH 8. Horst-Jürgen Gerigk, Heidelberg: „„Herr und Hund“ und Schopenhauer - Welt und Tier vor dem Hintergrund des Fin de siècle Gerigk, Komparatist slawistischer Prove- nienz, stellt das Idyll Herr und Hund in den Mittelpunktseines Vortrags: Welt und Tier vor dem Hintergrund des Fin de Siècle. Das Werk, das Konrad Lorenz die schönste Schilderung der Hundeseele nannte. dieser Sonderfall. wenig bedacht von der For- schung. führt ein reges Leben unter den Lesern. Die Geschichte hinter der Ge- schichte des 2 Jahre alten Hühnerhund- Bastards Bauschan sei, so Gerigk, der Ein- druck Schopenhauers, formuliert unter an- derem im Essay von 1938. Herr und Hund veranschauliche, so die These. die vier Stufen der Objektivation des Willens bei Schopenhauer. Die anorganische Stufe ist der Schwemmgrund. die vegetabile die Waldregion, die animalische der Hund. der Mensch erscheint als Schriftsteller. Gerigk verwies auf eine literarische Reihe von Kafkas Bericht für eine Akademie von 1917, über das Idyll von 1919 zu Jüngers Marmorklippen von 1938. allesamt philo- sophische Erzählungen. die den Menschen auf der Stufenleiterder Evolution exempli- tizieren. In unserem Fall ist das Leitmotiv eine sym- bolische Landschaft. der Schw emmbgrund: der Schauplatz ist die „Wildnis“ am Stadt- rand. zur Villen-Kolonie von einer Han- delssozietät erhoben. Drei Regionen SPie- len neben der Erwähnung der Stadt eine Rolle: Das Ufer, der Hang und der Wald. Im Roman erscheint alles außer Bauschan ohne Namen. Der Prozeß der Zivilisation hat sich wie im Zeitraffer vollzogen. Aus dem Schwemmgebiet erwuchs eine junge Niederlassung, eine Siedlung. Straßen ohne Anwohner, Straßenpfähle. die auf berühmte Männer verweisen, aber schon wieder der Zerstörung entgegensehen. Der Prozeß der Zivilisation ist nie kertig. Die Natur macht ihn vielmehr immer erneut ungültig. Das Geistige muß dagegen im- mer wieder neu konstituiert werden. Wie Schuberts „unvollendete Sinfonie“, derder Ich-Erzähler seinen Pfiff entleiht. steht al- les Leben in Gefahr, sich nicht zu vollen- den. Die Leistung des Kultivierens wird eingeholt von der Wildnis und rückver- wandelt. Das immer gegenwärtige Wasser spielt ebenso seine Rolle hier am Fluß wie die verlorene Ursprünglichkeit der Lagu- ne. die Dekadenz Venedigs aufscheinen 292 läßt. Die Zeit ist der Schwemmgrund, auf dem wir leben und vergessen. Das indivi- duelle Dasein markiert das, was aus der Anonymität in den Willen hereintritt. Zwei Beispiele, die über die Komik hinaus den Evolutionsgedanken veranschauli- chen, fand Gerigk in der Beschreibung eines in Bauschan verliebten Schafes als Mensch und in der Beschreibung eines Wärters als Hund, als Bauschan ,„okkulter Blutungen“ wegen in einer Klinik beob- achtet wird. An anderer Stelle erscheint Bauschan, der Freund, dem Erzähler menschlich. Unter bestimmten Bedingun- gen also, so Gerigk, erscheine ein Hund wie ein Mensch und ein Mensch wie ein Hund. Der Hund wird der Herr der Perspektive Diese Analogie hört beim Geist auf, ist doch das Schreiben von Herr und Hund das Thema der Erzählung. Der Geist beobach- tet sich bei der Arbeit und bringt es zu Papier. Bauschan beugt sich auf der Suche nach EBbaremüberden Schreibtisch. Dazu gehört der Identitätsrausch von Bauschan. Der Herr ruft, Bauschan erkennt die Zu- sammenhänge. Der Erzähler stellt sich als Individuum über das Interesse der Menschheit als Gattung. Er erscheint als Familienvaterohne Familie, läßt nur wenig Welt neben Bauschan hervorlugen. Der Ich-Erzähler bringt mit Schwemmgrund, Wildnis, Tier und Mensch jedes Detail des Evolutionsgedankens und zeigt den menschlichen Geist im Zustand der Re- flektion. Mensch und Tier werden als asymmetrische Partnerschaft dargestellt. Obgleich eine Kluft bleibt, wird der Hund schließlich zum zentralen Bewußtsein. Die Neigungen und Affekte, die wir verdrän- gen, werden groß und klar dargelegt bei Tieren. Thomas Mann beschreibt etwa, wie Bauschan auf der Jagd zum Helden wird, „ein Kummerbild auf hohen Knick- beinen“. Zuerst zeigt Thomas Mann das Tier als Objekt, sodann erschließt er dem Leser die Welt des Tieres, und schließlich wird der Hund der Herr der Perspektive. Der Jagdgrund mit seinem freundlichen, unverbildeten Leben steht der Welt, der Stadt gegenüber. Das Idyll ist von Gesund- heit geprägt. Dagegen stehen die okkulten Blutungen. Thomas Mann schreibt am | | Dialog das Me an glar Tripell ſ Pazu t Chines Davor dich vi hezahl | Glück. 18.9.1918 in sein Tagebuch: „Dachte gele- | gentlich von Herr und Hund ... , daß die Ironisierung des Humanistischen, aber aug Sympathie, eigentlich mein Stylelemen, sei, oder mehr und mehr dazu wird“. Re. klektierte „Tierheit“ wird hier deutlich auf dem Hintergrund von den Stufen über die Objektivierung des Willens. APH M ~ # 1 W- Odilon Redon, ,„„Sumpfblume “ 9. Bernhard Dotzler, Berlin: Thomas Mann., der alte Fontane und die jungen Medien Der Germanist und Kulturwissenschaftler aus Berlin stellte zu Beginn seines Refera- tes die Frage: Thomas Mann, die Medien und das Fin de siècle - passe das denn zusammen? Der Reterent fand in des Au- tors frühen Texten lediglich eine Teema- schine, das Telegramm, Fotos. Einge- schlossen in das Thema wird auch Fontane. Mit Effi Briest gelangt man in das Reich der Medien. Menschliche Beziehungen im Lübeckische Blätter 1995/18 Auch i nicht d schen schick ein Te das Gr lebnis damit Mann mung die Bi bleibt Und d Fontal denen „leide: Wozu nopol .Briek dem /Z stehen an sicl Der R denbr. in Effi krankl später brook. Famil Beisp|i Grünl Medir in den Tony doch ( dals es den k Opker nicht hätten Nach daritä Hannc der Li das Sc Seine: Freun Dopp man t te. Im ler zu Veral eines bestät man y Lübecki
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