Full text: Lübeckische Blätter. 1995 (160)

s Künst- | Thomgag üsse dag werden, giebigen APH | e Bewe- ung, ein | - unsere t, Raum ollkom- ung.. Ei- n wir in 1 Zusam- entspre- ben ein chopen- e Ganz- kompo- ier eine der dag janzheit r 1995/18 ostuliert wird, steht Nietzsche als Fazit aus Der Fall Wagner eine zusammenge- setzte, künstliche, geplante, durch den Künstler angestrengt komponierte Welt ein Artefakt vor Augen; vergleichbar deni sieg der Moralität in Tod in Venedig. Typisieren in Leben und Werk Nach 1901 ist auch bei Thomas Mann - spätestens als er Nietzsche kennenlernt - die Naivität vorbei. Thomas Mann arbeitet seine Erkahrungen begrifflich aus. Die er- ste Poetik Thomas Manns entdeckt Dierks in den Jahren von 1905 bis 1909 nach der Hochzeit, mit der er sich eine Verfassung © gegeben hat, gleichsam als Verfassungs- | textin seinemersten Versuch über Schiller Schwere Stunde, Bilse und ich SOWIe Kö- nigliche Hoheit. In Bilse und ich findet sich der Künstler als Weltenschöpfer. Die Welt ist „meine Vorstellung, mein Erlebnis, mein Traum“, schreibt Thomas Mann. Er | schafft sich seine Kunstschöpfung, Seine Gestaltphantasie, daß Kunst der Zusam- menhang, die Geschlossenheit gegenüber dem Chaos ist - im inneren Zusammen- hang mit der Bildung von Typen bei Scho- penhauer. Ende August 1903 trifft Thomas Mann Katja Pringsheim. Sein frühes Erlebnis mit Wilri Timpe kehrt wieder als déjà vu und wird mit Katja zum Typus. In dem Brief an Grautofkf vom 29.8. heißt es ..seit damals. da der antike Garten mit dem internationa- len Publicum noch ein nackter Fliesenhof war (Du standest auch damals daneben - merkwürdig, wie es immer das Selbe bleibt!), haben ich und das Objekt immer- hin Carrière gemacht.“ Thomas Mann Er- kennt seine seelisch-erotische Grundkon- stellation, die Liebe zum ganzen jungen Mann. Im Tod in Venedig stellt Tadzio die Wiederkehr des Verdrängten dar. Die Ur- Szene wiederholt sich im Zauberberg. Hans Castorp trifft Madame Chauchat und blickt zurück auf den Lübecker Schulhof. Das Tagebuch Juli 1919 bietet dasselbe Muster in Armin Martens auf. Madame Houptlé äußert: „Willst du glauben, Ge- liebter, daß ich nur dich, immer nur dich. geliebt habe, seit ich empfinde? Will sa- gen, natürlich nicht dich, doch die Idee von dir, den holden Augenblick, den du verkör- perst? ... Nur euch Knaben hab' ich geliebt von je ... Der Typus wuchs ein wenig mit mir und meinen Jahren, aber über achtzehn hat er's, hat mein Geschmack, hat meiner Sinne Sehnsucht es nie hinausgebracht.“ Die Objekte wechseln, aber es bleibt im- mer dasselbe. Das erotische Grundmuster Thomas Manns wird der Philosophie Schopenhausers eingeschrieben. Das mu- sée imaginaire, bevölkert von Paul, Wilri, Armin und Klaus, wird im späten Tage- buch von 1950 um Franz Westermeier. dem „Abenteuer meines Herzens“. wie Thomas Mann am II. Juli notiert, ergänzt. Lübeckische Blätter 1995/18 Königliche Hoheit Das Typisieren Thomas Manns in Leben uncl Werk steht über weite Strecken im Zusammenhang, ist wiederkehrend Typi- sches in modifizierter Gestalt. Thomas Mann geht 1906 nicht in der Fürstenrolle à la Königliche Hoheit auf. Im Unterschied zu Thomas Buddenbrook kann Mann die Fürstenrolle der alten Größenphantasien in ordentlicher begrifflicher Konstruktion sich neu anpassen. Der Prinz Karl des ju- venilen Prinzenspiels tritt nicht ab. Diese Rolle wird ungeniert ausgearbeitet und durchquert Leben und Werk wie das eroti- sche Motiv. Prinz Karl wird gekrönt und erhöht, wird Hanno. königliche Hoheit, Joseph, Moses, gar Papst. Die gleiche psy- chische Energie, königliche Hoheit zu sein, ist vor und nach der Heirat virulent. Prinz Thomas schreibt Prinzessin Katja Briefe, und das Schloß muß so aussehen wie das Park-Hôtel von Düsseldorf. Kö- nigliche Hoheit markiert den Beginn. Klaus Heinrich lernt die Rolle. die Doktor Uberbein ihn lehrt. Der Leistungsethiker Uberbein schafft sich ein schmerzfreies Ideal in Klaus Heinrich. In der Prozedur sollen Bewußtsein des Außenseiters und fi Erhöhungsphantasie zusammenkommen. Vberbein hat drei Ziele: Er prägt die aus- gezeichnete, besondere Hoheit im Unter- schied zu den anderen Figuren; er schafft eine sinnbildliche, formale Existenz. wie die Schopenhauersche ..Idee‘“ eine wirk- lichkeitsferne Gestalt, ein Ideal, deren Le- ben von abstrakten Qualitäten wie Abge- schlossenheit, Etikette und Form be- stimmt ist. Schließlich soll Klaus Heinrich mehr als ein Sinnbild für die Künstlerexi- stenz sein. Er soll populär sein, der Ge- genstand allgemeinen Schauens. das Volk repräsentieren. Wie das funktionieren kann, zeigt Thomas Mann an Gustav von Aschenbach, der als Sympathieträger der Idealtypus der Gattung wird: „Und sie alle erkannten sich wieder in seinem Werk. sie kanden sich bestätigt, erhoben, besungen darin“. Typus, Moral und Moderne Der Typus bei Thomas Mann hebt hervor und ordnet, stellt den Zusammenhang zwi- schen den Einzelnen und der Gesellschaft. der Epoche. den Weltzusammenhang her. Zusammenhänge aber sind moralisch. Die Ganzheit ist moralisch. Die Ordnung. die Ganzheit ist die Moral der Moderne. die bedroht wird durch Amibivalenz. Auflö- sung, Verdrängung. Zerstreuung, wie un- ter anderem Lacan sie begreift, steht gegen alles Wichtige der Moderne. Zur Allegorie der Moderne wird in Bezug auf Zerstreu- ung und Sammlung ein Zitat aus Thomas Manns Artikel Süßer Schlaf vom 30.5.1909: „Was Sammlung. sei. jenes schöpferische Gegenteil der Zerstreuung, ... die Vorstellung nämlich von dem Zu- standekommen des Fötus im Leibe der Mutter? Unser Kopf ist nicht auf einmal rund und fertig. so daß er als Ganzes dann nur noch zu wachsen brauchte: Das Antlitz Egon Schile, „Jesuskind “, 1909 ist anfänglich vorne offen. es wächst von beiden Seiten allmählich nach der Mitte zusammen, es schließt sich langsam und sicher zusammen zu diesem unserem sym- metrischen. schauenden. wollenden. indi- viduell-konzentrierten Ich-Gesicht ... und dieses Sichzusammenschließen. Sichab- schließen. Sich-zur-entschiedenen-Ge- stalt-Herausbilden aus der Welt der Mög- lichkeiten. diese Vorstellung ist ... als Fol- ge zu begreifen eines übersinnlichen Wil- lensaktes und Entschlusses zur Konzentra- tion. zur Begrenzung und Gestaltung. zur Sammlung aus dem Nichts. zur Absage an die Freiheit. die Unendlichkeit - eines sitt- lichen Entschlusses zum Sein und Leiden“. Der Grad. in dem Zusammenhang der Welt und Ganzheit des Menschen gesucht wer- den. ist charakteristisch für das Fin de siècle, in dem in besonderem Maße Struk- turen und neue Typologien gebraucht wur- den. Max Weber und Carl Gustav Jung Am Schluß seines eindrucksvollen und kompakten Vortrags wagte Dierks einen kurzen Blick auf Weber und Jung. Im Un- terschied zu Jung ist Weber ein Rationalist der Vorstellung. der mit seinem protestan- tischen Leistungsethos präzise ein Stück Wirklichkeit vor dem Chaos rettet. indem er ein einheitliches Gedankenbild entwirft 291
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