Full text: Lübeckische Blätter. 1995 (160)

ging. Klassisches Erzählkino vom Fein- sten wurde da ausgebreitet, dem die nor- wegische Komödie Über Storch und Stein von Eva Isaksen nur wenig entge- gensetzen konnte. Durkte man auch herzlich lachen, so blieben die Probleme eines kinderlosen Paares doch arg ober- flächlich beleuchtet. Colin Nutleys Der letzte Tanz enttäuschte um so mehr, als man Haus des Engels (Fanny 's Farm) noch in guter Erinnerung hatte. An die- sem Streifen konnte man studieren, wie Kino à la Hollywood ins Abseits führen kann, wenn die Opulenz der Inszenie- rung mit der Schlüssigkeit und Gewich- tigkeit der Story so wenig kongruent ist. Ein Krimi sollte es sein, und es wurde eine banale, üppige, inadäquat rausch- haft in Szene gesetzte langweilige Trivi- algeschichte, die zudem noch minde- stens 30 Minuten zu lang war: Tanzsze- nen und Close-ups auf Helena Berg- ström als Selbstzweck. Der Könner Nut- ley lugte dann und wann hervor, sollte sich aber in Askese üben, um zu über- zeugen. Junge Erwachsene in Extrem- situationen Da berührten andere Beiträge wesent- lich mehr - als da waren der dänische Streifen Nachtwache, der finnische Bei- trag Tod einer Katze und schließlich Li- tauen mit Es schneit auch im Paradies. Mit dem Beitrag Nachtwache von Ole Bornedal, einer Art dänischer Replik auf Das Schweigen der Lämmer, bot das beschauliche Dänemark eher unge- wohnte Kost. Ein Thriller führte die aus Ubermut entstehenden Verstrickungen einiger junger Leute vor, die nolens vo- lens in die Fänge eines Psychopathen geraten. Endlich trat ein anderes Genre auf den Plan. dessen Horror qualitätvoll und temporeich ausgemalt wurde. Schon nahe dran an der Realität, vertiefte sich die Beschäftigung mit derselben in dem finnischen Beitrag Der Tod einer Katze von Raimo O. Niemi. Finnland ist immer gut kür harte Außenseiterfilme, denkt man an Der verlorene Sohn vom letzten Jahr. So auch dieses Mal. Ort des Ge- schehens ist ein Erziehungsheim weit weg von der Zivilisation in den finni- schen Wäldern. Es geschehen unheimli- che Übergriffe auf junge Mädchen. Ähn- lich wie in dem dänischen Thriller treibt ein Psychopath sein Unwesen, der der Leitung des Heimes selbst angehört Die verzweifelte Situation der Heiminsas- sinnen in ihrer Abhängigkeit durch- schaut und überschreitet am ehesten die Protagonistin Nitta, die am Ende - gera- de I8 Jahre alt geworden - den Ort des Elends ebenso verläßt wie der junge Er- zieher Ari. Der Film lebt neben den kraftvollen jungen Schauspielern von seinen nahen Einstellungen, die Enge, § Zwang, Sehnsucht nach Ausbrechen suggerieren. Statt weiter Landschaft, ei- gentlich charakteristisch für das Land, zeigt Raimo Niemi Gestrüpp, Unterholz und Dunkel in einer an Schwarzweißkil- me grenzenden Farblosigkeit. Freiheit kann in dieser Atmosphäre, dieser Land- schaft, in der die Horizontlinie nie zu sehen ist, nicht eingeübt werden. Das Personal der Anstalt scheint be- schränkter und dumpfer als die ungera- tenen Kids: Verwaltung geht vor Sehn- sucht. Hier war er, der Film, der Zeitge- nossenschaft in Plot und Stilistik ernst nimmt und einlöst. Hier war der Film, der den Betrachter verfolgte. Wie wäre ihm ein Preis zu wünschen gewesen! „Es schneit auch im Paradies“ Last not least ist der Streifen Es schneit auch im Paradies - ein ebenso poeti- scher wie unpassender Titel-zu nennen. Audrius Juzenas, Drehbuch und Regie, „Es schneit auch im Paradies “ gelingt ein - in Teilen überzeugender - tieftrauriger Film über die orientie- rungslose, um nicht zu sagen hoffnungs- lose Situation vieler Menschen in Litau- en am Beispiel eines Saxophonisten. der wohl jeden Betrachter melancholisch- ratlos hinterläßt. Die Bilder von Armut, Verzweiflung, Klein- und Großkrimina- lität und Überlebenswillen sind Bilder einer verwahrlosten Stadt, labyrintharti- ger Gänge in endlosen zerbröckelnden, heruntergekoemmenen Hüäuserschluch- ten, dem punktuelle Bezüge, ein Augen- kontakt, Wärme, Musik, traurige und weniger traurige Sexualität sowie viel Alkohol entgegengesetzt werden. Die Bilder sind arm, eng, zugestellt und trot- zig sowie auk eine Weise poetisch, wie sie manch reicher Film verkehlt. denn sie sind in einem fast dokumentarischen Sinne wahrhaftig. Möge Juzenas weiter- arbeiten können. Möglicherweise liegt in ihm eine künstlerische Kraft, von der wir noch hören werden. Lübeckische Blätter 1995/1 Dol Gän. Spie rigel Tan-; Dok Der kuns Hen Han ge ( man Sch\ Port wich ja Bî ter v auk ( druc von Hoc Börl Waa Ku. men setz dent lich! bote rial Kur inde meh die meh. ters( Kur tere Mer: ihre dert And me, ZW Stil: Lübec
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