Full text: Lübeckische Blätter. 1995 (160)

LITERATUR .- THEATER - MUSIK - AUSSTELLUNGEN .- VERANSTALTUNGEN Musik Carmina-Quartett im Kolosseum Mit dem Carmina-Quartett. das hier be- reits erfolgreich gastierte, beschloß Lü- becks Verein der Musikfreunde seinen Zyklus von acht Kammerkonzerten im Kolosseum. Ihre Abonnementspreise sind im Gegensatz zu Veranstaltungen der Musik- und Kongreßhalle moderat und attraktiv geblieben. Deshalb wird sich der Verein keine Sorgen zu machen brauchen, daß die Akzeptanz seines An- gebots abnehmen könnte, zumal wenn man die Reihe illustrer Interpreten im Rückblick noch einmal Revue passieren läßt. Die Konzertreihe begann mit dem an- spruchsvollen Programm eines Klavier- abends von Gerhard Oppitz. Die Lieder, von Thomas Quasthotk gesungen, hin- terließen tiefen Eindruck aufgrund der ausstrahlenden Persönlichkeit des Sän- gers. Das Beaux Arts Trio begeisterte in neuer Besetzung. Mit dem Artemis- Quartett körderte der Verein auch eine Lübecker Nachwuchsformation. David Geringas und Tatjana Schatz gaben ein Beispiel für besonders harmonisches Zusammenwirken. Beim Consortium Classicum hätte man sich ein homogener abgestimmtes Programm gewünscht. In der letzten Veranstaltung erklang, vom Carmina-Quartett gespielt, das Streichquartett D-Dur opus 76/5 von Haydn, dessen liebenswürdige Melodik krühlingsfrisch wirkte. aber auch im Verlauf jäne Wechsel von Volkstümli- chem und dämonischer Erregung durch sorgfältig gestukte Dynamik herausstell- te. Allgemein war das Spiel von sympa- tischer Zurückhaltung bestimmt. Ganz anders gestaltete sich die Wiedergabe von Debussys Streichquartett g-Moll opus 10. Kompakter Harmonieklang wechselte mit zarten Schwebungen, die mit Feingefühl gesponnen wurden. Hat- te bisher vor allem der Primarius das melodiöse Klangbild bestimmt, erhiel- ten hier Bratsche und Cello verdiente Chancen, die Bandbreite der Interpreta- tion zu erweitern. Bei Mozarts Klarinettenquintett A-dur KV S581 trat Wolfgang Meyer als ver- sierter Bläser hinzu. Mit geschmeidiger Atemführung und auffallend schönem Pianospiel bereicherte er den Zusam- menklang. Auch hier dominierte ton- liche Zurückhaltung. die den Charme des bekannten Werkes ideal zum Aus- druck brachte. Im Gegensatz zu manch renommiertem Star-Ensemble wirkte 158 die äußerliche Dezenz beim Spiel ange- nehm. Da die gefeilte Darbietung des ansprechend gewählten Programms dem musikkundigen Publikum dieser Abon- nementsreihe des Vereins der Musik- freunde sehr gefiel, dankte es mit lang- anhaltendem Beifall. Auf Wiedersehen in der nächsten Saison! Hans Mlillies 6. Abonnementskonzert des NDR- Sinkfonieorchesters Das 6. Abonnementskonzert des Sinko- nieorchesters des Norddeutschen Rund- funks in Lübecks Musik- und Kongreß- halle (29. April) wurde zu einem trium- phalen Erfolg für alle Beteiligten, zumal das Programm inhaltlich von einem sehr interessanten Beziehungsgeklecht war, in dessen Mitte Belá Bartóks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Ce- lesta‘ stand. Diese geistvolle und, da in allen Sätzen auf ein Thema bezogen, auch äußerst komplexe Komposition des ungarischen Komponisten ist im ersten Satz der Stilebene des Barock verptlich- tet. Da wirkt das Concerto grosso h-moll opus 6 Nummer 12 von Georg Friedrich Händel in Besetzung und stilistischer Haltung wie eine Hinführung zu diesem Satz des 1936 entstandenen Werkes. Wenn dann im zweiten Satz Bartóök das Formmuster der Sonate aus seiner Sicht interpretiert, ruft er damit den Geist der Klassik hervor, der in Mozarts Konzert Es-Dur für zwei Klaviere und Orchester KV 365 (316a) nach der Pause real wur- de. Der Schlußsatz bei Bartóök und das Schlußwerk des Konzertes, Zoltän Ko- dálys nur zwei Jahre vorher entstandene „Tänze aus Galänta“. speisen sich schließlich aus dem gleichen charakteri- stischen Urgrund beider Komponisten, der kraftvollen Folklore ihrer Heimat Ungarn. Selten hat man das Orchester in solch einer bestechenden Form erlebt: inspi- riert und mitkraftvoller Spielfreude. Ei- nen großen Anteil daran hatte Hugh Wolff als Gastdirigent. der sich vor dem Orchester als eine bezwingende Künst- lerpersönlichkeit präsentierte. Sein Di- rigieren zeichnete sich durch ein großes Maß an Präzision aus, das durch eine tänzerische Körpersprache verstärkt und zugleich vitalisiert wurde. Bereits der Auftakt mit dem Concerto besaß das Schwingen und eine federnde Leichtig- keit, zudem auch klanglich eine Trans- parenz, die dieses barocke Werk zu ei- nem klanglichen Leckerbissen machte, besonders schön die schwebende Aria des zweiten Satzes. Wolff „übersetzte“ den Impetus der Werke und erreichte im Orchester ein hörbares Mitschwingen, das sich vor al- lem bei dem Schlußstück zu einer groß- artigen Wirkung steigerte, bei dem das Orchester sogar von seiner klanglichen Noblesse abrückte, um der ursprünegli- chen Vitalität Kodalys Ausdruck zu ge- ben. Bei Bartók war davon im Schluß- satz noch weniger zu spüren, allzu kor- rekt und unterkühlt gab sich das Orche- sternoch. besonders auffällig im Klavier und bei den hohen Streichern. Dennoch mul)z man dem Bartók-Werk nicht nur eine zentrale Stellung im Programmab- lauf bestätigen, es besaß sie auch von der Interpretation her. Die groß angelegte Fuge des ersten Satzes mit den feinsinni- gen Klangabläufen, die impulsive Sona- tenadaption im zweiten und der farbige dritte Satz überzeugten ein gespannt lau- schendes Publikum ebenso wie der ve- hemente Finalsatz durch die dichte Ge- staltung. Den größten Beifall allerdings zollte das Publikum dem schwesterlichen Klavier- Duo Katia und Marielle Labeque, über das man eigentlich nichts Positives mehr sagen kann, weil alles schon gesagt wor- den ist, und das offensichtlich so be- kannt und zugkräftig war, daß es den Saal nahezu füllte. War die Sympathie des Publikums schon beim Auttritt zu spüren, so steigerte sich die Begeiste- rung nach ihrem lebhaften Vortrag zu minutenlangem frenetischen Ovationen, die sich erst nach zwei Zugaben beruhig- ten, Manuel Infantes drittem andalusi- schen Tanz „Gracia“ und einem Galopp von Berlioz, in dem die Schwestern auch ihrem Show-Talent freien Lauk ließen. Ihr Mozart ist von ausgeprägter Lebens- kraft, weit entfernt von einer vergeistig- ten Schönheit, mit der dieses Werk auch manchmal zelebriert wird. Mit welchem Gespür für Artikulation und für keine klangsinnliche Effekte sie aufwarteten und dabei zugleich einen stets vehemen- ten Gestus aufwiesen., fasziniert ebenso wie ihre Tempodisposition und die Fä- higkeit. aufeinander zu hören und sich bei aller Partnerschaft individuell zu präsentieren. Daß bei dieser Interpretati- on auch im Orchester Kleinigkeiten „un- terliefen“, konnte den Gesamteindruck nicht trüben, der auch durch die konge- niale orchestrale Begleitung, der Wolff wieder seinen lebensvollen Stempel auf- drückte. hervorgerufen wurde. Arndt Volz Lübeckische Blätter 1995/10 Thea unsere gen Konze Kongr q u x Puccin Theatt Pie ? von Pa Theatt straße E x ä 1 Fchnit:- GT I:65 Donne! GT IU: GT.. Die I! 1995/1 gen kö [ Lübeckis
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