Full text: Lübeckische Blätter. 1995 (160)

beispielsweise nicht. Logik? „Literatur“ ist hingegen das Epos des Geschichten- erzählers Lütgendork. „Literatur ist auch die bei inm abgeschriebene Endlos-Saga von Andresen. keine „Literatur“ - bei 2 Ausnahmen - sind auch die .Bürger- nachrichten der „Bürger-Initiative Ret- tet Lübeck“; auch die „Lübeckischen Blätter“ der „Gemeinnützigen“ sind es nur vereinzelt. Sollte man die Absicht gehabt haben, „Seriöses“ von „Unseriö- sem“ zu trennen, wäre das Ergebnis we- nig überzeugend. Eher war wohl „Ge- bundenes“ angenehmer als „Lockeres“. Soweit einige Anmerkungen zum Kata- log, die man bitte nicht als grundsätzli- che Kritik auffassen möge. An der Be- deutung und an der Benutzbarkeit dieses ersten „Corpus“ der Lübecker Ausstat- tungsmalerei besteht nicht der geringste Zweitel - aber ein Katalog bewährt sich im Wandel. und dazu dient jeder Hin- weis und jede ergänzende Korrektur. Befunde freundlich vorgestellt „Ausstattungen Lübecker Wohnhäuser“ - das sind auch 6 Aufsätze von unter- schiedlichem Umfang: Arbeiten, die mehr oder weniger als erste Ergebnisse der Forschung am Katalog-Material zu gellen haben. Zuerst zu Thomas Brockow: „Mittelalterliche Wand- und Deckenmalerei in Lübecker Bürgerhäu- sern“. Das ist für Lübeck wirklich ein neues Thema. Dem - wie man hottt: wohlbekannten - Architektur-Erbe fügt Brockow nun die unerwartet reiche Be- fundlage authentischer farbiger „Aus- schmückung“ mittelalterlicher Innen- räume hinzu. Für die Zeit vom 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert untersucht Brockow das im Katalog vorgestellte Material nach Stilentwicklung und Da- tierungsmöglichkeiten, nach Ornamen- tik und Gliederungssystemen sowie nach Bild-Inhalten, „Themen“ also. Das ist überaus spannend, denn man bewegt sich hier auf Lübecker „Neuland“. Noch nie war eine solche Fülle an Befunden zu sehen. Dies ist eine erste gründliche Sichtung und der erste Versuch einer zusammenfassenden Darstellung. Brockows Überlegungen zur histori- schen Disposition des Hauses, zu Lage, Größe und Funktion fußen auf dem aktu- ellen Kenntnisstand der Bauforschung. Der Autor läßt einige vorsichtige Äuße- rungen zum soziologischen Kontext kol- gen - über die Auftraggeber und die Gesellschaft. Einige eher lexikalische Angaben über Maler, die Malerzunfkt (das Maler-Amt‘’) und die angewand- ten Techniken erscheinen am Schluß der Arbeit. Brockow verzichtet erklärtermaßen aut Einschätzungen von künstlerischer 154 Qualität. Er will „nur“ eine „kultur-, s0- zial und mentalitätsgeschichtliche“ Darstellung geben. Es ist ja richtig, dal die uns überkommenen mittelalterlichen Wandmalereien nur ruinöse Fragmente des einstigen Glanzes sind: vom Bild ist oft kaum mehr als die Konturzeichnung mit der flächigen Grundierung erhalten, alle früheren Oberflächen-Feinheiten, Höhungen und Binnenzeichnungen sind in der Regel verloren. Dennoch leuchtet der Verzicht auf „das Künstlerische“ nicht recht ein. Zumal Brockow dan- kenswerterweise - und mit gutem Recht - eine Fülle von Vergleichsbeispielen aus Lübecks Kirchen und Klöstern her- anzieht. Georg Dehio wertete um 1930 (!) den „stofflichen“. also mitteilenden „Be- lang“ von Wandmalerei „höher als den künstlerischen“. Meines Erachtens überzeugt dieses Verdikt. dem Brockow sich anschließt, heute, 60 Jahre später, nicht mehr so ganz. Denn es stimmt ja einfach nicht. daß durch die als allerer- stes gewünschte Bedeutung - wir wür- den sagen: durch den Aufforderungs- charakter des Wandbilds. seine Pragma- tik - der Anspruch nach Kunst hintenan gestellt worden sei und daß niemand - bei gleicher Themenstellung - das „Leute“ oder ..bessere“ Bild gefordert habe. Die Jahrzehnte um und nach 1300 machen dies deutlich: Den eher nachran- gigen - unter Zeitdruck entstandenen? - Malereien im Sankt-Marien-Obergaden stehen künstlerisch bedeutendere Arbei- ten nicht nur in der Heilig-Geist-Kirche und in Sankt Jakobi gegenüber. Wer wollte die kostbare kleine Kreuzigung im Burgkloster-Kapitelsaal auf eine Stu- fe mit der - wieder verdeckten - Kreuzi- gung von Mengstraße 40 stellen? Gibt es - soweit noch erkennbar - keinen Unter- schied zwischen dem Schöpfungs-Zyk- lus im Marien-Chor und dem Gegen- stück im Hause Königstraße 28? Darf man vermuten, daß die Kirche, beson- ders die Klöster, um 1300 die anspruchs- volleren Auftraggeber waren und die besseren Künstler beschäftigten? Die von Brockow noch nicht behandelten Malereien aut der Diele von Königstra- Be SI zeigen, daß diese Annahme kei- neswegs zutreffen muß. Und wer waren überhaupt die Ausführenden? Der allge- mein „westliche“ Charakter des Stils um 1300 wird ja oft angemerkt. Wurde das - im Kern französische - Formengut über die Buchmalerei vermittelt, brachten wandernde Bau-Leute es nach Lübeck oder wurde es von Geistlichen und Kauf- leuten, die den Kulturstand im Westen kennengelernt hatten, eingefordert? Modernität, „Fortschritt“ sind aus Ver- gleichen ablesbar. Was für Architektur und Plastik gilt. dürfte analog auch für die Wandmalerei zutreffen - weshalh soll da nur der Mitteilungswert „von Belang“ sein, während in allen anderen Kunstgattungen ein unerhörter Wettlauf an Innovation und Qualität kestgestellt wird? Brockows nur zögerliche Auseinander- setzung mit Aspekten, die über die Of- fenkundigkeit des Dargestellten hinaus- weisen, kann nur dann befkremden, wenn man sich der „weißen Flecken auf der Landkarte“ mittelalterlicher Wandma- lerer nicht bewußt ist. Beispiel .„Wappen-Mode um 1300“: Brockow schildert sie. wohl zutreffend, als in Kreisen des Patriziats - nur da? -üblich und weit verbreitet. Mit den nach Ab- schluß des Buchmanuskripts 1992 „auf- getauchten“ Malereien Königstraße SI muß man die Frage deutlicher stellen: Weshalb „schmückt“ ein Lübecker Bür- ger seine Diele mit 3 sitzenden (Richter-)Königen. einer überlebens- großen Christophorus-Figur und 16 (17?) Wappen von Vertretern des um 1320/1330 tatsächlich existierenden Hoch- und Nieder-Adels? Diese Frage nach der Pragmatik ergäbe sich auch für den Fries Fischergrube 20 und den zer- störten Zyklus Dokttor-Julius-Leber- Straße 18. Brockow trägt in einem Ex- kurs zwar die bekannten Tatsachen über das Verhältnis des Bürgertums zum Adel zusammen., doch was die Wappen- folgen - die in Lübeck, soweit bekannt, immer gemeinsam mit einem komple- xen Bildprogramm erscheinen - an spe- zifischer „Aussage“ enthalten und was sie Auftraggebern und Haus-Nutzern bedeuteten, kann gegenwärtig wohl noch nicht beantwortet werden. Schade eigentlich auch der erklärte Verzicht auf Darstellung anderer „Ornament-Arten“ als Ranken und Blüten: Die nur frag- mentarisch aufgedeckten Reste an Trep- pen-, Rauten- und Bandfriesen (zum Beispiel Mengstraße 40, Flügel-Ober- geschoß) ergäben jetzt, zusammen mit den dokumentierten (?) Befunden auf dem Passage-Abbruch-Gelände (ehe- mals „Lübecker Nachrichten“) und dem umfangreichen Bestand im Burgkloster (Winterrekfektorium, Sommerrekek- torium-Westwand) eine weitere Be- trachtungsebene. Auch zur Quadermalerei bleiben Fra- gen. Mitnichten geht es da um das Ideal einer „Haustein-Architektur“, da irrt auch Max Hasse, den Brockow als Ga- ranten . anführt.. Denn ..in den „Haustein“-Vorbildern. den französi- schen Kathedralen des 13. Jahrhunderts, wurde das dort ja „gegebene“ - meist perfekte - Quadermauerwerk ebenfalls mit einer gemalten Quadrierung über- deckt. Die in Lübecks Kirchen und Bür- gerhäusern in identischer Ausführung Lübeckische Blätter 1995/10 vorkol keines Kathal leicht Pie ge „symb Stein - dürfte die mi 1300 chen-] Beson bedeu! zehnte man si gegeb: sende gleich Zürick nisse i vielen tät! k mul 1 becks Forsclk M gaben ge Bo Brock Ein ke Mit 1 Buch „Dorn Maler sern I derts“ Was b tend, eher d geben bündi. nachn raums Natür! satz d gebre! Aber: che ur doppe Haupt tung I] 1500 des P: Gram über « becke „l.aut gesch se da suchte Aufsa mit l1 noch Mater gebiet! Lübecki
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