Full text: Lübeckische Blätter. 1995 (160)

paßte als neues Mitglied gut in das ein- gespielte Ensemble. Wesentlich getragen wurde der unter- haltsame Gesamteindruck der Auffüh- rung von der Musik, die Thomas de Haan komponiert und eingespielt hatte. Das Publikum im vollbesetzten kleinen Haus ging besonders nach der Pause voll mit - ein Kompliment für das „etwas andere‘ Theater Combinale. Rudoltk Höppner Musik Fünftes Abonnementskonzert NDR-Sinfonieorchesters Mit der Musik- und Kongreßhalle hat sich das Angebot beträchtlich erhöht. Da sind Konzerte nicht mehr als Einzeler- eignisse zu hören. Zwangsläufig stellt sich der Vergleich ein. besonders dann, wenn sie nur zwei Tage auseinander lie- gen. Nach dem rein „russischen“ Pro- gramm des Lübecker Orchesters am Montag hörte sich zwei Tage später das Konzert der Sinfoniker des Norddeut- schen Runkfunks (15. März) wie eine Fortsetzung an in der Auseinanderset- zung mit der osteuropäischen Musik. Al- lerdings hatte der Norddeutsche Rund- funk den Vorteil, in dem im Litauen geborenen Dirigenten Jonas Alexa den von Geburt her „authentischeren“ Diri- genten zu haben und in Gidon Kremer als in Riga Gebürtigen und in Moskau Ausgebildeten einen dem Ursprungs- land dieser Musik ebenfalls näheren So- listen. des Wie bei den Lübeckern begann das Kon- zert der Sinfoniker des Norddeutschen Rundfunks mit einer programmatisch zu verstehenden Musik, mit „Sadko“, ei- nem musikalischen Bild nach der Balla- de „Sadko, der Nowgoroder Handels- mann“, komponiert von Nikolaj Rims- kij-Korsakow. Das Material dieses Wer- kes wurde später von Komponisten für die gleichnamige Oper benutzt. Das Su- jet basiert auf einem der vielen Mythen über die Wirkung von Musik. Die raffi- niert gestaltete Komposition zeigt so recht die Fähigkeit Korsakows zu farbi- ger Instrumentation und zum Intonieren des russischen Nationalcholorits. Musi- kalisch ist sie unter anderem auf Glinka bezogen, enthält aber auch weitere Ver- weise aut Komponisten der Zeit. Das wurde vom Orchester des Norddeut- schen Rundfunks sehr virtuos und klangvoll gestaltet, dennoch wirkte die sorgsame Wiedergabe unter der Leitung von Jonas Alexa etwas verhalten. Eigentlicher Höhepunkt des Konzertes war das Violinkonzert von Jean Sibeli- us, kein russisches Werk zwar, aber geo- graphisch sehr nahe und vor allem durch 126 seinen eigenwilligen Stil und seine Aus- druckssphäre als Werk eines nord-ost- europäischen Komponisten durchaus in dieses Programm passend. Und durch die Gestaltungskunst des mit Spannung erwarteten und mit großem Beifall be- reits beim Auftritt bedachten Gidon Kre- mer wurde es vollends zum Ereignis. Die Partitur, die das Soloinstrument in besonderer Weise bevorzugt, verlangt einen Solisten, der technisch allen An- forderungen seines Instrumentes ge- wachsen ist. Das findet man sicher ab und zu in der Reihe der Violinsolisten. Was aber Kremers Spiel auszeichnet, ist seine Fähigkeit, der Musik einen Sinn zu geben und seinen komplexen Part zu gestalten. Wie von ihm eine sangliche Episode ausgebildet oder das brillante Figurenwerk als musikalisches Material erfaßt und in seiner Substanz als span- nungsteigerndes Geflecht dargeboten wurde, war so überzeugend und sinnfäl- lig, daß man nur atemlos lauschen konn- te. Leider wurde das Orchester unter Alexas Leitung nicht zu kongenialer Leistung geführt. Zu sehr war der Diri- gent auf eine nur dienende Funktion der Orchesterbegleitung eingestellt und zwang es bei den Solopartien - beson- ders im dritten Satz - zu einer Zurück- haltung, die keine Partnerschaft erlaub- te. So blieb das Ohr vor allem beim Solisten und bei dessen vorherrschen- dem Part. Für den begeisterten Beifall dankte Kremer seinerseits mit einer Zu- gabe, eine Naturlaute imitierende und mit witzigen Anspielungen durchsetzte Paganini-Paraphrase von Alfred Schnittke. Damit wies auch das Pro- gramm des Norddeutschen Rundfunks ein Werk Schnittkes auf, für den Kremer sich, wie auch überhaupt für zeitgenös- sische Musik, stark eingesetzt hat. Selbst der Abschluß beider Konzerte ist vergleichbar. Bei beiden war, dem An- fang entsprechend, ein programmatisch bezogenes Werk gewählt worden, beim Norddeutschen Rundfunk eine für die- ses Konzert vorgenommene Zusammen- stellung von Sätzen aus Sergej Prokokf- jews drei Suiten, die er aus seiner Bal- lett-Musik „Romeo und Julia“ gewon- nen hatte. Erlebte man Jonas Alexa im ersten Teil des Konzertes eher als zu- rückhaltend, so wandelte er sich jetzt zum zupackenden, das musikalische Ge- schehen impulsiv leitenden und intensiv gestaltenden Dirigenten. So konnte man die plastischen Bilder der tragischen Liebesgeschichte in einer eindringlich musizierten Wiedergabe bewundern, in der das Orchester des Norddeutschen Rundfunks so recht sein hohes Können bewies. Langer Beifall und viele Bravos waren Dank des Publikums. Arndt Voß Panocha-Quartett im Kolosseum beim Verein der Musikfreunde Die vier Mitglieder des tschechischen Panocha-Quartett sind häufige und gern gesehene Gäste beim Verein der Musik- freunde im Kolosseum. Ihr natürliches Musikantentum strahlte auf Anhieb beim Haydnschen Streichquartett opus 76/1 engagierte Spielfreude aus. In blitzsauberer Intonation erschlossen sich das frisch aukfgezäumte Allegro con spirito und ein innig interpretiertes Ala gio sostennto, bei dem wie von leichter Hand mit lockerer Bogenführung und sicherer Fingertechnik die Melodie ge- spannt wurde. Ohne jegliche Allüren widmete man sich der in ihrer Aussage nicht übermäßig anspruchsvollen Kkeme position, wobei klassische Form und kompositorische Gediegenheit durch die ausgefeilte Darstellung deutlich wurden. Auf ein klangschattiertes Me- nuett mit exakter piccicato-Begleitung folgte der virtuos aufgeputzte heitere Finalsatz. Schuberts Streichquartett a-Moll setzte die traditionsbewußt zusammengestell_ te Programmkfolge fort. In Gegensatz zu dem von schlichter Musizierfreude ge- prägten Haydnschen Quartett be- herrschte nun dramatische Auseinander- setzung aller Stimmen die romantische Szene. Dabei konnten sich vor allem die beiden Geigen profilieren, aber auch Bratsche und Cello bei düsterer Akzent- setzung besonders dann, wenn man po- Iyphonen Bereich streifte und zwischen Wehmut und Sehnsucht auch Hoffnung durchschimmerte. Mit der schlichten C- Dur-Liedweise des Andante zeichnete das Quartett ein treffendes Bild vom sensiblen Wesen des Komponisten, wo- bei, mit dem Ländler-Trio in enger Ver- bundenheit zur Volksmusik, unbe- schwerte Abschnitte seines Lebenswe- ges gestreikt wurden. Dvoráks Streichquintett Es-Dur opus 97 gab dem hinzutretenden zweiten Brat- schisten viele Chancen zum Ausspielen melodischer Folklore, teils böhmischen, teils indianischen Ursprungs, vom Ame- rika-Aufenthalt des Komponisten inspi- riert. Kein Wunder, daß die fünf tsche- chischen Musiker hier in ihrem Element waren und sich mit begeisternder Verve einsetzten, sich dabei aber niemals in reißerischer Vordergründigkeit verlo- ren, wozu das temperamentvolle Werk leicht hätte verführen können. Vielmehr verhielt man stets in gebändigter Werk- treue. Das Ergebnis führte zu heller Ber- geisterung bei den Zuhörern, die an der | : sem Abend ihr Abonnement nicht ganz so zahlreich wahrgenommen hatten wie sonst gewohnt. Hans Mlillies Lübeckische Blätter 1995/8 Z Thea Unsere erst ab deshall ! ter‘. gBürg Ein V | Ojar S: Lüt Lübeckisc
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