Full text: Lübeckische Blätter. 1995 (160)

duziert ht, daß Welt- publik lelmut Imissi- 11r 2005 sis Von 1kerenz do. Sie Klima »estand ek hin: en Kri- j ng der | .r aner- nühun- serung tragen für ihn .utung. EN VIE- \Itstact nächst it kom- 1d Kli- eboten [insicht utover- fossiler Klima- 2r „„AU- t wer- tadt der Ind Ar- inrich- Jer lie. | zu Fuß öfkent- ur sind flüssig itor den teil. einmal n dem n wird. Medizi. | hule ist rreich: h ange- 'estellt; gen das mußten uge ab- S SETUNg ' wurde gelegt. 1d zwar Tagen en Fuß- Vo dem egeben chaffen stet. rendorf ter 1995/8 | Dr. med. Wilhelm Levens (1803 - 1859) läßt sich in Moisling nieder Peter Guttkuhn berichtet über einen Arzt zwischen Gesundheits-Handwerk und wissenschaftlicher Medizin Vor zweihundert Jahren oblag die medi- zinische Versorgung in und um Lübeck im wesentlichen noch zwei Berufsgrup- en: den studierten und promovierten „Medicis“ (Ärzten) und den handwerk- lich ausgebildeten „Chirurgis und Ba- dern“ (Wundärzten). „Damit auch unter denen Professionen“, heißt es im ersten Kapitel der lübeckischen revidierten Medizinalordnung von 1714, „keine Conkusion entstehe, so muß kein Medi- cus allhier die ordinaire Operationes manuales der Barbierer und Bader vor- nehmen, zumahlen solches weder Des- selben Praxis noch Ampt und Reputation leiden will, auch ein jeder treu-kleißBiger Medicus bey seinen innerlichen Curen [Therapien] schon so viel zu schaffen findet, daß Er sich bey äusserlichen Schäden alleine lang auffzuhalten und seine andere Patienten dadurch zu ver- säumen gar keine Ursache hat, auch zu- gleich denen Chirurgis alle Gelegenheit benimmt, aus den Schrancken ihrer Pro- fession zu treten“. Jede Berufsgruppe hatte ihre fein säu- berlich von der anderen getrennten „Operationes“ auszuführen, die Medicis die „innerlichen“, die Chirurgen die ,„äu- Berlichen“, das sicherte den Amtsinha- bern sowohl Ansehen als auch Einkom- men. Unterschiedlich abgestuft, ver- steht sich. „Damit auch diese [gemeint sind die wenig geachteten Chirurgen und Bader] bey ihrem Ampte nicht zu seufftzen Ursache haben, so wird kein Medicus einen Chirurgum für den an- dern denen Patienten recommendiren und auffdringen oder Denjenigen, wel- cher schon vorhin in dem Hause LE- braucht worden, verachten, sondern ei- nem Jeden die freye Wahl lassen“ !. Konkurrenzlos klare Zuständigkeiten und Akzeptanz des jeweils anderen „Nahrungsbetriebes“ machten das Me- dizinwesen auch für die Patienten durch- schau- und berechenbar: Die Chirurgen des 18. und 19. Jahrhunderts, für die „äußerlichen Schäden“ zuständig, hat- ten „Pflaster, Oel, Salben, Wund-Bal- sam, Gurgel-Wasser, Brand- und | Blut-Stillungen & c. stets bey der Hand [zu] haben“, wie es im elften Kapitel der oben genannten Medizinalordnung be- fohlen wurde. Und nur unter Einschrän- kungen durften sie sich ans beliebte Aderlassen wagen: „Wann sie zum Agcierlassen gefordert werden, sollen sie ' Medizinalordnung Caput I, g 8 Lübeckische Blätter 1995/8 wohl zusehen, ob die Patienten Blut- reich und bey Kräfften seyn und eine Aderlaß ausstehen können oder ob sie Krafft-Ioß mit der Dürre und Schwind- sucht behafftet, da sie dann selbige da- von abzurathen haben. In Seiten-Ste- chen, Fleck- und hitzigen Fiebern aber wie auch in Maasern und Blattern sollen sie ohne Zuziehung eines Medici sich gar nicht unterstehen, eine Ader zu er- öffnen“ 2. Die Lebenswirklichkeit kreilich. die ver- teilte Arzte, Chirurgen und Quacksal- ber, Kompetenzen und Qualikikationen sehr unterschiedlich auf ihre potentiel- len Patienten. Die Mehrzahl der Ärzte ließ sich nämlich innerhalb der Ring- mauern der Stadt nieder, den Chirurgen und „Winkelärzten“ blieb zumeist die größere Zahl der Bevölkerung überant- wortet: auf dem flachen Lande, in den Gütern und Dörfern - jedenfalls bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. An den Ver- hältnissen im Dorf beziehungsweise Gut Moisling, im Südwesten von Lübeck gelegen, am Zusammenkfluß von Trave ua sFesckuite. soll das exemplifiziert werden. Miserable dörfliche Gesundheitsver- sorgung Im königlich-dänischen Moisling prak- tizierte seit 1781 der Chirurgus Joachim Carl Levens. Er war 1759 in Hamburg als Sohn eines Knopfmachers geboren, heiratete in Moisling 1798 die Tochter des Chirurgus’ und Wundarztes Johann Georg Wilhelm Link (1743 - 1835), der 1780 aus Ilmenau in Thüringen nach Moisling gekommen war: Ein halbes Jahrhundert hindurch betreuten die Chirurgis Levens und Link - sie wohn- ten gemeinsam im Haus Nummer 32 - die Menschen in den Gütern Moisling, Niendorf und Reecke. Nachdem Levens am 23.5.1830 „an einer Brustkrankheit“ gestorben war - Schwiegervater Link stand bereits im 87. Lebensjahr -, entlu- den sich Unzufriedenheit und Kritik der betroffenen Bevölkerung an ihrer medi- zinischen Versorgung. „Die Unterzeich- neten verhehlen nicht“, schrieben bei- spielsweise die fünf Altesten der israeli- tischen Gemeinde zu Moisling an das Lübecker Landgericht, „daß sie nur mit Sorge gesehen haben, wie bisher in vie- len Fallen, besonders in Nothfällen., nur ? Medizinalordnung Caput XI, g 8 jenem nicht wissenschaftlich gebildet gewesenen Manne Leben und Gesund- heit so vieler anvertraut werden mußte. Die in der Stadt angesessenen Ärzte sind indeß zu sehr beschäftigt, ihr Herbeiho- len ist zu kostbar, als daß ihrer Hülfe Viele theilhaftig werden könnten. Dem- nach sind mehr wie 1000 Menschen seit- her in vielen Fällen entweder ohne Hülfe geblieben oder sie waren gezwungen, einem ungebildeten Manne sich anzu- vertrauen, der in der Nähe sich befand und vielleicht das Übel ärger machte. Da die Volksmenge Moislings und der Um- gegend wohl im Stande seyn dürfte,. ei- nen Arzt [!] zu nähren, welcher nicht zu hohe Ansprüche machte: so läßt sich erwarten, daß sich jemand, welcher in die Levens’sche Praxis einzutreten Lust hätte, früher oder später melden und um Ertheilung desfalsiger Concession nach- suchen werde. Wäre ein solcher ein Mann, zu dem sich Vertrauen fassen lie- Be. so wäre damit einem tiefgefühlten Bedürfnisse Moislings abgeholfen, und der neue Ankömmling würde gute Auf- nahme finden; schlimmer indeß wäre es, einem Pfuscher hingegeben zu sein, als ohne Arzt zu bleiben“. Von nun an müs- se es sich um einen erwiesenermaßen „Kunstverständigen“ handeln. um einen „in gehöriger Prüfung“ durch die Behör- de konzessionierten ,Beflissenen der Arzeney“, kurzum: einen richtigen Dok- tor, das heißt Allgemeinpraktiker ?. Als der Lübecker Landgerichtsprokura- tor Dr. Hermann Wilhelm Hach am 5.7.1830 diese Eingabe aufsetzte, saß in der preußischen Hauptstadt Berlin der Sohn des verstorbenen Moislinger Chir- urgus’ Levens über den letzten Formu- lierungen seiner lateinisch abzufassen- den medizinischen Inaugural-Disser- tation: „De morborum simplicium dia- gnosi et cura“ #. Ist er der neue Hoffnungsträger? Wilhelm Friedrich Heinrich Levens war am 26.11.1803 in Moisling geboren. be- suchte von I818 an das Katharineum zu Lübeck und studierte seit Michaelis 1825 an der Berliner Universität Medi- zin. Drei Jahre lang. Er hörte bei be- rühmten Männern, wie Christoph Wil- ? Archiv der Hansestadt Lübeck, Stadt- und Landamt, Judensachen * Guilelmus Fridericus Henricus Levens: De morbo- rum simplicium diagnosi et cura Dissertatio inaugu- ralis medica. Berolini: Nietack, 1830. 119
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.