Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

n sein jer Multiperspektivität seines Werkes anse. Jijene. Es gebe bei ihm wie auch bei SWei. emäl. Tolstoi als Kriterium modernen Dich- ens das Nebeneinander des Erhabenen ina in md des Lächerlichen. Thomas Mann nheit. alten lie le- it TE. n mg. nskij hens-. malt, t und N ent- odukt lacht. 18 der Idbe- Beh- t Joa- ) SEin hreng |] Ver: 1Ingen Z enay t. Die t anj- 1 eine n der s SEIn rpre- Stati- Tho: Leser L der ichte- er als e Bil-. n we- chten > Zeit- 1 Bei- Nosti- k von | è drei- elfalt hehe aber weiter als Tolstoi. So Zeigte er jum Beispiel im Zauberberg-Kapitel Fülle des Wohllauts“ gleich fünf Per- ektiv en, in denen sich Hans Castorp „kenne. Im Erleben von Opernszenen, jesungen von grolen Interpreten, wird jür Castorp die Wirklichkeit durch die kunst überhöht. So wird in der Schluß- zzene der „Aida“ die Gräßlichkeit des Hungertodes der Protagonisten überbo- jen von der musikalischen Verklärung ihres Sterbens. Im Text ist von der „UN- widerleglichen Beschönigung“ die Rede, die die Kunst ,.der gemeinen (räßlichkeit der wirklichen Dinge ange- Jeihen“ läßt. Der Idealismus des Herzens im Verein mit der Schönheit, die Castorp in der Musik erlebt, sind Thomas Mann krag- würdig. Die Kunst als Verwirklichung [es Ideals der Schönheit ist für ihn Ver- vangenheit. „Das Ideal seiner Kunst ist nicht“, so Karthaus, „die Schönheit, son- Jern die Wirklichkeit“. In dem Begriff des Wirklichen ist aber für Thomas Mann das Geistige mit inbegriffen. Das liegt an seinem analytischen Blick. der Thomas Mann im Gegensatz zu dem naiven“ Dichter Tolstoi als „sentimen- I iefen- noch mn die mund Omas 1 also Itigen r Tol r muß 10mas B stu- m um uede- n ein Ana- Leit: ienste 1994/19 Lew Tolstoi talisch“, also reflexiv eingestellt, aus- weist. Aufgrund seiner reflexiven, mul- ſüperspektirischen Einstellung versagt sich Thomas Mann eineletzte Botschaft. Darum endet zum Beispiel auch der Zau- berberg mit einem offenen Schluß. Karthaus schloß mit der Überlegung, daß wir am Ende des 20. Jahrhunderts Lübeckische Blätter 1994/19 okken seien für eine perspektivische Ro- mankunst, die sich skeptisch gibt. Die Skepsis Thomas Manns habe den zeitge- nössischen Roman zutiekst beeinflußt. Möglicherweise sei der poeta doctus der Typ des modernen Dichters. 3. Giovanni di Stefano, Münster: G. A.Borghese, der schwierige Schwiegersohn Giovanni di Stefano, der über Tucholsky promovierte, der 1991 in seinem Werk La vita come musica den Mythos der Musik in der deutschen Literatur von Wackenroder bis Thomas Manns Doktor Faustus verfolgte und der augenblick- lich in Münster lehrt, untersuchte in sei- nem Vortrag die ambivalente Beziehung Thomas Manns zu seinem Schwieger- sohn und stellte dabei dessen Persön- lichkeit und Werk dar. In der Figur des Italieners Settembrini im Zauberberg charakterisiert Mann ei- nen gebildeten Humanisten. der Fort- schritt und Tugend propagiert mit thea- tralisch erscheinendem Engagement, posenhaft, dabei warmherzig, würde- voll. sympathisch. 14 Jahre später lernt er Giuseppe Antonio Borgese kennen und begegnet in ihm einem Menschen vom Zuschnitt seiner literarischen Fi- gur. Nationalstolz verbindet Borgese mit utopischen Plänen zur Weltverbes- serung, Literatur mit Politik, und südli- cher Vberschwang trifft in Thomas Mann auf nordische Reserviertheit. Borgese war und ist in Italien ein be- kannter Mann - als Autor und Literatur- kritiker, als Journalist, Ästhet und Hi- storiker. Der Sizilianer aus bürgerli- chem Haus, geboren 1882., studierte in Palermo und Florenz. promovierte über die Geschichte der romantischen Kritik in Italien und ging unter anderem als Korrespondent für La Stampa 1906 - 1908 nach Berlin. Er analysierte den deutschen Aufstieg im Wilhelmischen Reich als americanismo., der wirtschaft- liche Fortschritt trenne sich von morali- scher Entwicklung. 1910 wurde er Pro- fessor für deutsche Literatur in Rom. Sein Mentor. Benedetto Croce, warf ihm vor, er betreibe wissenschaftliche For- schung und Journalistik zugleich und versuche Gegensätze zu vereinen; denn ein Gelehrter könne kein militanter Par- teimann sein. Gerade das wollte und war Borgese. So ergriff er 1914 Partei und warb für Italiens Kriegseintritt auf alliierter Sei- te. Er charakterisierte die deutsche Kul- tur ähnlich wie Thomas Mann. wenn er sie als im innersten Kern Iyrisch und mystisch bezeichnet. Charaktermerk- mal der Deutschen sei ihre Gründlich- keit. und darin zeige sich schon die tran- szendentale Maßlosigkeit der deutschen Seele. Damit erfaßt er „Faust“ als Proto- typ des Deutschen. Im Ersten Weltkrieg änderte sich Borge- ses nationale Haltung. Er stützte Wil- sons Bemühungen in Versailles und warb für das Selbstbestimmungsrecht gegen italienische Annexionsgelüste. Mit dem Aufstieg des Faschismus zog er sich in die Literatur zurück, 1925 wurde in Mailand ein eigener Lehrstuhl für ihn geschaffen. Borgese schreibt nun Roma- ne, Erzählungen. Gedichte. Theaterstük- ke; sein Werk ist repräsentativ für die I. Hälfte des 20. Jahrhunderts. So charakterisiert er in seinem Roman Rub einen süditalienischen Intellektu- ellen. der in Rom Fuß fassen will. Er scheitert, weil er sich und die Umweelt ständig analysiert und nicht zum Han- deln kommt; er träumt von Taten, sieht aber nur Nichtiges. Der Krieg gilt die- sem .Verirrten Menschen“ dann als Rei- nigungsbad. als Ausweg. Die entlasten- de Einordnung in ein autoritäres System wird willig akzeptiert. Der Heimkehrer ist dann vorübergehend vom Faschis- mus fasziniert. Sein eher zufälliger Tod ~- verursacht von Polizisten bei einer kommunistischen Demonstration - ge- winnt sinnbildhafte Bedeutung: Beide Parteien erklären ihn zum Helden. die einen als tapferen Kriegsveteranen. die andern als Opfer der Staatsgewalt. Borgese war zu dieser Zeit eine Institu- tion auf dem Sektor der literarischen Kritik. zum Beispiel erkannte er früh die Bedeutung Moravias. Allerdings wer- den schon 1930 seine Vorlesungen von Faschisten gestört. Er nimmt eine Einla- dung der University of California an. Als im Oktober 1931 verlangt wird. alle Hochschullehrer müßten einen Eid auf das Regime leisten, weigert er sich. als seine Rückkehr ansteht. und begründet das schriftlich Mussolini gegenüber. Er wird entlassen und kehrt nicht nach Ita- lien zurück. 1936 erhält er einen Lehr- stuhl für italienische Literatur in Chica- go und schreibt nun in englischer Spra- che. In Italien weiß man von seinem weiteren Wirken nur wenig. Er indessen versucht. das Getto der exilierten Euro- päer in Amerika zu öffnen. Verbindun- gen zu den Amerikanern herzustellen. In dieser Mission wendet er sich auch an Thomas Mann,. was aus dessen Tage- buch ab 1937 hervorgeht. Im Frühjahr 1838 starb Gabriele d’ Annunzio. den Thomas Mann haßte. Borgese. anfangs dessen Bewunderer, hatte sich zunehmend distanziert und schrieb eine sehr kritische Würdigung anläßlich des Todes. Thomas Mann 299
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