Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

LITERATUR .- THEATER - MUSIK - AUSSTELLUNGEN - VERANSTALTUNGEN alt? Ausg einheit, K C .. namische Darstellende Kunst Tannhäuser in der Musik- und Kon- grehhalle Auch für die Aufführung einer konzer- tanten Oper hat die neue Musikhalle ihre Qualitäten unter Beweis gestellt. Sorg- fältige Probenarbeit. um die akustischen Gegebenheiten zu kennen., ist notwendig und wurde am Abend nachgewiesen. So war der Orchesterklang in allen Gruppen besonders ausgewogen, und im Zusam- menspiel mit Solisten und Bühnenchor gab es nichts zu bemängeln. „Fernchö- re“ allerdings sind immer ein Problem. Das weiß jeder. der schon einmal in gro- Ben Räumen, vor allem Kirchen. über Entfernungen musiziert hat. Es bedurfte kräftiger Dirigentenarbeit, um die phy- sikalischen Tatsachen zu überwinden und die festlichen Trompeten am An- kang des zweiten Aktes. die vom ersten Rang herabspielten, mit dem Orchester zu vereinen und alle Musiker „auf den Schlag“ zu bringen. Auch gab es einige Schwierigkeiten mit dem Frauenchor, der im Backchanal hinter der Bühne zu singen hatte. Hier ließen sich die Intona- tionsschwächen nun leider nicht überhö- ren. Der angekündigte Star des Abends muß- te ja absagen, was sicher von vielen, die gekommen waren. bedauert wurde. Die große Mehrheit der Besucher jedoch dürfte bereits nach den ersten Gesängen des für diese Aufführung gewonnenen Tenors Wolfgang Fassler zum Guten überrascht gewesen sein. Am Ende der Aufführung hat wohl niemand mehr an den vorgesehenen Gast dieser Gala ge- dacht. In dieser Perkfektion dürkte wohl diese überaus schwierige. umfangreiche und ständig in der kritischen Höhe sich befindende Titelpartie in Lübeck noch nicht gehört worden sein. Wolfgang Fassler wurde mit Beifall überschüttet! Die beiden Frauenpartien waren den zwei letzten Damen unseres Opernen- sembles überlassen. Wie schon als Or- trud im „Lohengrin“ konnte sich Angela Nick wieder als Wagner-Sängerin be- weisen. Mit der Gestaltung der „Venus“ knüpfte sie an ihre großen Erfolge der vergangenen Spielzeit an. Barbara Spieß hat ihre große Aukgabe als jugendlich dramatischer Sopran als „Elisabeth“ be- kommen und behauptete sich neben dem Tannhäuser-Star sehr gut. Hell und klar war ihre Stimme im Ensemble und Solo zu vernehmen. und die berühmte Arie „von der teuren Halle“ war ein Höhe- punkt des Abends. 288 Wenigstens drei Herren gehören noch zum Ensemble. Matthew Carey war mit schöner. jedoch etwas verhaltener Stim- me der „Wolfram“. Markant erklang der Bal} Viktor Jakovenkos als Landgraf. Der Sänger wird in der deutschen Aus- sprache immer sicherer und kann sich daher mehr der Schönheit seiner Stimme bewulst sein. Hans-Georg Knoblich (vom Hause) sang mit Christoph Welzel, Achim Kleinlein und Helmut Tromm die weiteren Minnesänger. Hoch vom 2. Rang her kam die helle und sehr sicher intonierende Stimme von Katharina von Dist mit dem Hüirtenlied. Der Lübecker Bühnenchor ist durch die Mitglieder des Symphonischen Chores auf kast hundert Personen vergrößert und von Thomas Lang vorbereitet worden. Besonders klangvoll waren die Männer- chöre, deren heikle A-Capella-Stellen mit sicherem Gehör zu den Orchester- Anschlüssen geführt wurden. Generalmusikdirektor Erich Wächter weist sich als großartiger Dirigent aus. Mit sicherer Kenntnis der Partitur kann er sich ganz der augenblicklichen musi- kalischen Gestaltung zuwenden, dabei kann er sich auf sein erweitertes Orche- ster verlassen. Sicherheit und Sauber- keit in den Streichern, herrliche Holz- bläsersoli, strahlender, aber auch war- mer Klang der Blechbläser zeichneten den Klangkörper aus. Der Schlußbeifall war gewaltig und be- rechtigt und galt allen an dieser ersten Operngala in der Musik- und Kongreß- halle Beteiligten gleichermaßen. Hans-Jürgen Wille Musik 2. Konzert des Sinkonieorchesters des Norddeutschen Rundfunks Das ist so recht nach den Vorstellungen, die man von dem Auttrag einer öffent- lich-rechtlichen Rundfunkanstalt haben darf. die weniger aut die Einnahmen zu schauen braucht als etwa eine Konzert- agentur: mit dem sendereigenen Orche- ster ein Programm in einem Sinfonie- konzert anzubieten, das einmal andere Wege beschreitet, als es die ausgetrete- nen Pfade der Veranstaltungsroutine sind, und einmal nicht nur das Bekannte und schon immer Gehörte serviert. Das, was das Sinfonieorchester des Nord- deutschen Rundfunks am 23. Oktober bei seinem zweiten Abonnementskon- zert in der Lübecker Musik- und Kon- greßhalle bot. war von dieser ereignis- Reagieren ungen Ga haften Art. Da stand als geistiges Zen. jergabe zu trum Debussy mit seinen drei „Images hm „weiter pour Orchestre“ in einem Programm jann die se das Bezüge aufzeigte zu Werken, die it [n .Ronc der Orchesterbehandlung und in der Sti. [ ien ihr listik nicht ohne das Wirken des franz. [keiten x sischen Impressionisten vorzustellen [:: durct sind und die wie er Repräsentanten füj „ine bewu den Stilwandel zur Moderne gewordey [ber klang sind: Bartósk und Kodäly. Ergänzt war vie die des dieses Programm schließlich durch dig jen „Ibéri erst kfünk Jahre alte Komposition eine; weiteren osteuropäischen Komponisten | des 1926 in Rumänien gebürtigen Györ. | gy Kurtä. keit und de ,örpers be ] wischen c (Grabsteir Die Idee John Eliot Gardiners, der dies. kurtäg, de mal sein Orchester selbst leitete und da. jewidmet, mit Lübeck kurz vor seinem Ausscheij. Kurtágs ] den aus der Chef-Position noch einma] Iztein. Die: die Ehre gab, war die, die „Images“ nicht jungsvoll. geschlossen aufzuführen, sondern sie ven, fast s auf die Länge des Programms zu vertej. fortissimc len und sie damit zum Bezugspunkt für yngewöhn die anderen werden zu lassen. Solche gtzt werd Anordnung ist sicher gerechtfertigt, sind guhe des die „Images“ doch auch nicht als eine gtrukturer Einheit konzipiert. Gardiner stellte die pit ihrer als letztes entstandenen kurzen ,„Gi- auch diesc gues“ an den Anfang. Dieses Stück istſgeuen Klä ein stimmungsvoller, durch den klagen- Jen Interp den Gesang der Oboe d’amore bestimm- 7ustimmu ter kurzer Tanzsatz, der Béla Bartóks j S Esamt Tanzsuite vorbereitete. Dies 1923 ent- Us standene Werk erfuhr in seiner virtuosen Vos die Orchesterbehandlung und in seinem rhythmischen Elan eine mitreißende Wiedergabe. Die vielen solistischen Aufgaben wurden dabei von den Musji- kern mit Bravour gelöst. Jer Ausfü wöhnliche und lange Bartóks Freund und Weggefährte Zoltän Kodály schuf mit seinem ,Psalmys ; Hungaricus“, wie die „Tanzsuite“ 1923 Gewandh entstanden, ein Werk, das zu einem der War das H wichtigsten Tondokumente für die wie- die heimi: dergewonnene Bedeutung der ungari- Ilenkfalls g schen Musik wurde. Die Vertonung des |des Festiv 55. Psalms für Tenor, Chor und Orche- Musik- un ster ist von ergreifkendem Ausdruck, zu- Dimensio mal es hier in einer Qualität zu hören wngsreihc war, wie sie höher kaum sein kann. Als stern hat Solist gestaltete Stefkan Margita, ein IKonzertle tschechischer Tenor, tonschön und si- leben. Da cher. Er war kurzfristig für den erkrank- ten, als so ten Keith Lewis eingesprungen. Das be- Orchester sondere Ereignis aber war der große und dergastsp stimmkräftige Chor. Wer kann es sich verzeichn sonst schon leisten, zwei Vokalvereini- [burger Ha gungen von solcher Leistungskähigkeit Abenden zusammenzuführen, wie es hier mit den tonalen § beiden Funkchören vom Norddeutschen nzs Erött und Süddeutschen Rundfunk geschehen ist, wenn nicht eben eine Rundfunkan- |? Novem ganz bes Lübeckische Blätter 1994/18 lübeckische
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