Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

den und Distanz zur Welt Paladinos. die kraft seiner Herkunkt bis in die archa- ischen Tiefen des Mediterranen führt. So gibt der mittelmeerische Kulturkreis dem Künstler viele Erfahrungen, die der Nähe zur Madonna, der mater dolorosa ebenso wie zu Kult und Mythos jenseits des Christentums. Dazu kommt Paladi- nos Fähigkeit, sich des Ausdrucks eige- ner Befindlichkeit und persönlicher Er- fahrungen keineswegs zu enthalten. Den ersten Raum beherrschen „Schmer- zen“. Vor allem das dreiteilige Werk von 1991 sprengt an Gewicht und Größe fast Statik und Dimensionen des Pavillons. Schwere Holzrahmen umgeben eine vielschichtige Collage. Auf Leinwand und Holz mischen sich nicht nur die Techniken, Ölfarbe, Zeichnungen und mit alchemistischer Lust und Fähigkeit entwickelte Mixturen, sondern auch per- sönliche Erfahrungen mit Kollektiven. Das Thema „Schmerzen“ nimmt auch der mittlere Raum auf, der überstrahlt wird vom Goldgrund der Bilder, die den sieben Schmerzen der Madonna gewid- met sind: „Stabat Mater“. 1993 entstand dieses Werk stiller Meditation, ikonen- hafter Strenge und Ausstrahlung über seine religiösen Inhalte hinaus. Drei große Bildtafeln im dritten Raum sind früheren Datums, von 1986: „Al termine della Notte“ (Zum Ende der Nacht). 200 mal 660 Zentimeter. Pastos aufgetragene Ölfarbe formt Reliefs. Auf zwei schwarzdunklen Tafeln erkennt man dämonische Totenköpte, ein stren- ges, an Jawlenskis Christus-Ikonen erin- nerndes separates Bild. Die dritte Tafel leuchtet in monochromem Gelb. Auch diese Bilder definieren persönliche Ge- fühle von großer Tiefe. Sie erlauben ebenso dem Betrachter, sich mit solchen Erfahrungen zu identifizieren. Der Kunstkritiker und Organisator der Biennale Venedig von 1993, Professor Achille Bonito Oliva - er hielt die Ein- führung zur Ausstellungseröffnung in Lübeck -, spricht im Zusammenhang mit dem Werk Paladinos von einer „Gleichzeitigkeit“, einer „Synchronie, der es gelingt, im Tiegel des Werkes private und mythische Bilder zu ver- schmelzen, persönliche Zeichen, gebun- den an die Geschichte der Kunst und Kultur. Diese Überschneidung bedeutet auch, das eigene Ich nicht zum Mythos zu erheben, sondern es vielmehr auf ei- nen Kollisionskurs mit anderen Aus- drucksmöglichkeiten zu bringen und aut diese Weise die Möglichkeit zu akzep- tieren, dal die Subjektivität im Schnitt- punkt von vielen Überlagerungen anzu- setzen ist.“ Für das große liegende Holzpferd von Paladino fand sich ein würdiger Platz auf dem mit Grabplatten bedeckten Bo- 258 den der Katharinenkirche. Friedkertig und stolz dienend, gedemütigt und lei- dend ist diese für uns heute schon fast zum Mythos gewordene Kreatur bezie- hungsvoll der Sankt-Jürgen-Gruppe des Bernt Notke zugeordnet. Der Blick in die Kirche sollte am Anfang wie am Ende eines Ausstellungsbesu- ches geschehen. Mitglieder der Overbeck-Gesellschaft übernehmen bis zum 23. Oktober den Dienst am Eingang der eigentlich schon zur Winterpause geschlossenen Kirche zu den Öfknungs- zeiten dienstags bis sonntags von I0 bis 13 Uhr und von 14 bis 16.00 Uhr. Im Pavillon in der Königstraße II ist die Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr ebenfalls bis zum 23. Oktober geökknet. Gerda Schmidt Eduardo Chillida: Collagen und Grafiken Einer der großen Bildhauer der Moderne wurde vor siebzig Jahren im Norden Spaniens, in San Sebastian, geboren: Eduardo Chillida. Die Galerie Metta Linde, Doktor-Julius-Leber-Straße 49, zeigt bis zum 22. Oktober aus dem eben- falls bedeutenden grafischen Werk des Künstlers eine Auswahl von Arbeiten der letzten dreißig Jahre. Wieder einmal fügt sich eine Ausstellung hervorragend in die historischen Räume der Galerie. Chillidas Formen-Kanon, seine schwar- zen Kreise, die gesprengten Bögen kor- respondieren mit dem ihnen verwandten Dekor an den Wänden im oberen Saal auf das Spannungsvollste. Alles andere als flüchtig präsentieren sich die kleinen Arbeiten, zeigen große Konzentrationen wie zum Beispiel das Blatt „Uztarri“ von 1974. Die Radier- platte ist nur I8 mal 22 Zentimeter groß, gedruckt auf einen Papierbogen 47 mal 39 Zentimeter. Schwarze, nur kast geo- metrisch getreppte Formen und nur sel- ten dem rechten Winkel verpklichtet, pressen sich in das weiche Kupkerdruck- papier. Schmale weiße Stege trennen die ineinander verzahnte Konstruktion, der negativ scheinende weiße Untergrung wirkt erhaben, provoziert Räumlichkeit Neben den ausgewogenen, kleinen Kompositionen finden sich für eine Ät,. radierung so ungewöhnlich große For. mate wie „Euzkadi Il“, 1975, 95 mal 7 Zentimeter, gedruckt auf einen 138 ma] 96 Zentimeter großen Bogen, oder ein reifes Werk wie Nummer 25, ohne Titel von 1990. 104 mal 100 Zentimeter auf 114 mal 159 Zentimeter. Neben einer tiekschwarzen aukgebrochenen Form ay; Kreisen und schiefen Balken drucken nicht geätzte Metallteile mit ge. schrammtem, eher zufälligem Raster ein lebendiges Grau. Plattenränder schnei. den tief in das Druckpapier, Reliek ent. steht. Diese mechanisch bedingte Wjr. kung unterstützt Chillida, indem er zum Beispiel leichte Kurven sich optisch in den Raum wölben läßt. Vollends zum Reliek geraten zwei Collz. gen von 1990/1991: „Gravitation“, 19 | mal 25 Zentimeter und 20 mal 19 Zenti- meter. Unterstützt wird diese räumliche Wirkung von lose übereinander liegen. den Papierschichten durch die Schatten der sich leicht abhebenden Ränder. Seine fremd klingenden Titel entnimnt Chillida den Sprachen seiner Heimat dem Baskischen und dem Katalanj- schen. Sie bezeichnen Begriffe wie „Platz“ - „Emperantza“. Wie der Ent- wurk eines Architekten lassen sich diese Grafiken auch lesen. Chillida hatte drej Jahre Architektur studiert, bevor er be- schloß, Bildhauer zu werden. Statische Ausgewogenheit zeichnet sein Werk ebenso aus wie maßvolle Bewegung. Der große internationale Preis für Skulptur auf der Biennale in Venedig von 1958 fehlt in Chillidas Lebensbe- richt ebenso wenig wie seine Teilnahme an vier Documenta-Ausstellungen. Ein interessanter Zufall fügt es, daß in Lü- beck zur gleichen Zeit in der Overbeck- Gesellschaft ein jüngerer, aber nicht we- niger international bekannter Künstler aus dem mediterranen Raum mit seinen Werken zu Gast ist. Gerda Schmidt MELDUNGEN Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit Dienstagsvorträge ab sofort bereits um 19.30 Uhr Zum Vortrag am 18. Oktober: Texte von John Brinkmann John Brinkmann ist vor I80 Jahren in Rostock aut die Welt gekommen. Er war 10 Jahre alt, da blieb sein Vater, ein | Kaufmann und Kapitän, auk See. Ob- wohl er noch vier Geschwister hatte, konnte er 1834 das Abitur machen und in Rostock Jura studieren. In Werner Völschow haben wir einen bekannten, außerordentlichen Rezitator für John Brinkmann gewonnen. Lübeckische Blätter 1994/16 PAF um Vortl ßetreuun mündigur Pas neue moderner veworden Thaktlich. mehr kast Jegt werde Jem hohe! jzt. ſheateli IInsere er ſheaterh straße: Talk-Rac (T I Dor (T II Sa! (T II Sc ßeginn kü konzerta grelzhalle t- lübeckisché
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