Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

Schweres, reizvolles Angebot in Lübeck Vorschau auf die Konzerte des Sinfonieorchesters des Norddeutschen Rundfunks Die neue Musikhalle in Lübeck macht das Leben für den Lübecker Konzertbe- sucher schwerer. Er wird aus einer Reihe von äußerst reizvollen Angeboten wäh- len müssen. Denn mit der Eröffnung am I. Oktober wächst das Angebot an hoch- wertiger sinfonischer Musik. Unter die- sem Angebot ist das des Vereins der Musikfreunde, das er nunmehr in der sechsten Saison zusammen mit dem Norddeutschen Rundfunk und jetzt neu mit der Lübecker Musik- und Kongreß- hallen Gesellschaft durchführen wird, sicher von besonderem Interesse. Zum einen hat sich die Präsenz des Senders in Lübeck von der Anzahl der Konzerte her gegenüber dem Angebot in den Vorjah- ren verdoppelt. Zum anderen ist das Angebot vom Programm her sehr viel reizvoller. Konnte man im letzten Jahr noch an der Auswahl der aufgeführten Werke und der geladenen Gastdirigen- ten ein schwächeres Engagement des Norddeutschen Rundfunks in Lübeck erkennen, so verspricht die kommende Saison vom Niveau der angekündigten Werke und ihrer Interpreten her Ereig- nisse der ganz besonderen Art. Acht Konzerte mit ausgesprochen interessan- ten Programmen werden in Lübeck zu hören sein. Da findet sich nichts, was alltäglich oder abgedroschen wäre. So reicht die Stilpalette vom Barock bis zu Werken unseres Jahrhunderts, und gera- de die dürften auch ein eher konventio- nell eingestelltes Publikum nicht absto- Ben. Im Gegenteil: vom ersten Pro- gramm am 2. Oktober 1994 mit dem 1947 entstandenen Violinkonzert in D- Dur des zu Unrecht bei uns so wenig bekannten Erich Wolfgang Korngold bis hin zum zentralen Werk im achten Kon- zert am 13. Juni 1995, dem burlesken ersten Klavierkonzert von Schostako- witsch, in dem der Komponist dem Solo- instrument noch eine Trompete gegen- überstellt, werden Schöpfungen von ho- hem Niveau angekündigt. Es spannt sich ein stilistisch weiter Bogen, der immer wieder auf den Säulen von Werken gro- Ber Klassizität ruht. Bach, Mozart, Beet- hoven sind neben Berlioz, Brahms, Mahler oder Sibelius vertreten. Bei den Ausführenden findet sich eine ähnliche Mischung zwischen wohlbekannten und weniger bekannten Interpreten. Zu den Berühmtheiten zählen als Dirigenten der Chet des Orchesters. John Eliot Gardi- ner, dann Herbert Blomstedt und Chri- stoph Eschenbach. Als Solisten sind der Geiger Gidon Kremer. das bekannte Klavier-Duo Katia und Marielle Labè- 220 que und die Pianistin Martha Argerich zu hören . Für das erste Konzert am zweiten Tag der Eröffnungswoche der Musik- und Kongreßhalle (2. Oktober) hat man im- merhin den international renommierten, in Berlin geborenen amerikanischen Di- rigenten André Previn gewinnen kön- nen. Er dirigiert die Ouvertüre „Der Korsar“ von Hector Berlioz und die S. Sinfonie Schostakowitschs, jene Sinko- nie. die die Antwort des Komponisten auf Stalins Aufführungsverbot im Jahre 1937 war und die ihn rehabilitierte, ein Werk also von großer zeitgeschichtli- cher und persönlicher Bedeutung. Das schon genannte Violinkonzert Kom- golds wird der erst 23jährige jüdische Geiger Gil Shaham spielen. Er hat die Besucher der Meisterkonzerte des Ver- eins der Musikfreunde schon in zwei Konzerten im Kolosseum begeistert. Eliot Gardiner leitet dann das zweite Konzert (23. Oktober). Es beginnt mit den feinsinnigen „Images pour orchest- re“ von Debussy und hat dann mit den drei folgenden Komponisten einen un- garischen Schwerpunkt: Auf Bela Bar- tók mit seiner farbigen Tanzsuite von 1923 folgt György Kurtáäg, geboren 1926, mit dem „Grabstein für Stephan“ und, als gewichtiger Finalist, Zoltan Kodäly mit dem tröstlichen „Psalmus Hungaricus“. Hier sind die Chöre des Nord- und des Süddeutschen Rundfunks und der neuseeländische Tenor Keith Lewis zu hören, ein Sänger mit einer internationalen Karriere. Der Schwede Heribert Blomstedt hat im dritten Konzert (18. Dezember) die 1845 komponierte Sinfonie Es-Dur ,„La sin- gulière“ seines bedeutenden Lands- manns Franz Berwald, dann Paul Hinde- miths ergreifende Mathis-Sinfonie und das schöne Doppelkonzert von Brahms (Solisten zwei Mitglieder des Orche- sters des Norddeutschen Rundfunks Ste- fan Wagner, Violine, Charles Curtis, Violoncello) auf das Programm gesetzt. Das vierte Konzert (29. Januar ) dirigiert Christoph Eschenbach. Zusammen mit der amerikanischen Mezzo-Sopranistin Florence Quivar, auch sie eine Interpre- tin mit internationaler Karriere, führt er „La mort de Cléopâtre“ von Hector Ber- lioz auf. Weiterhin wird er die gewichti- ge fünfte Sinfonie von Mahler dirigie- ren. Gidon Kremer, der Solist im fünften Konzert (15. März), hat sich als Dirigen- ten den 1939 in Litauen geborenen Janos Aleksa gewünscht. Aleksa ist, neben | konZzt hursche vlanch § vielfältigen internationalen Aufgahe zlteinsese Chefdirigent des Opernhauses von Rr,' .. . tislava. Schostakowitsch steht mit Seins hen, gas frühen parodistischen Suite aus der B,, schleswis lett-Revue „Das goldene Zeitalter“ v. | zu Ende t 1930 neben Sibelius (Violinkonzen, gison ie und Prokofjew (Symphonie classique, | de M§ 1n auf dem Programm. ) je fanöre Zum sechsten Konzert (29. April) kon zuch Wa , men Katia und Marielle Labèque Häci fm Lübeck. M. Camilos „Rhapsody for ty,, igt s!c1! ! pianos and orchestra“ und Mozarts Kos s ſ!!!nge zert für zwei Klaviere Es-Dur KV 365 fs §Ô stehen auf ihrem Programm. Gerahm, jets Fre: werden ihre Beiträge durch zwei beson. hitera ur ders bedeutsame Werke ungarische; telunser Tonschöpker: Bartöks großBartiger, di. posen: Ge Musikgeschichte reklektierende „Musiz put ( ft für Saiteninstrumente, Schlagzeug und drucks m Celesta“ und Kodálys temperamentvoll; ſinier u! „Tänze aus Galänta“. Der Dirigent Hugh, ſtuun ai Wolff ist 1953 als Sohn amerikanische; ßeihe ht Eltern in Paris geboren und heute musj. die Ut kalischer Direktor des berühmten Saint der t j Paul Chamber Orchestras. | guns fu! | Das vorletzte Konzert (28. Mai) enthih | Denn . € zwei Chorwerke ganz besonderer Quaji. pts tät und doch großen Gegensatzes: Bach; femme Magnificat und Strawinskys Psalmen. per Vere Sinfonie, wunderbare Aukgaben für den 1896 geg: Chor des Norddeutschen Rundfunks. Ih Jahr sein | ersten Teil des Konzertes, das der briti. m. Konti sche Dirigent Richard Hickox leitet, sing tien Ja zwei Werke britischer Komponisten zu peter Beh hören: Ralph Vaughan Williams Ouyer. Jihren. U türe „The Wasps“ und William T. Wal. zürgerinit tons Bratschen-Konzert, das der Solo. md kinan Bratscher des Orchesters, Marius Nichi. jjeiben w teanu, gestalten wird. zubventio Im letzten Konzert schließlich (13. Juni) jensich di ist die bedeutende argentinische Inter. und Kong; pretin Martha Argerich gleich in zwei jualtungen Werken zu erleben, in Beethovens selte. ye des Ü] ner gespieltem zweiten Klavierkonzer renz, andi und dem schon erwähnten Konzert von eine Bele Schostakowitsch. Der Dirigent dieses uch von Konzertes, Emanuel Krivine, wird ay- qurch das Berdem noch Rimsky-Korsakows be- jjÿnnte. D kannte musikalische Märchenerzählung guison vo „Scheherazade“ aufführen. qual des K Mit diesem Programm wird das Kon. jung stan zertpublikum in der neuen Lübecker ſonzertbe Halle eine gehaltvolle Saison erleben können. Es wird zudem mit Werken un- Acht Kam garischer und russischer Komponisten pewohnt i ein Schwerpunkt gesetzt, der dennoch noch nich die stilistische Breite nicht einengt. Ins. tember erö gesamt ist das ein anregendes Angebot, Iyklus. S das auch das Orchester vor eine Reihe 1or zwei ] von interessanten Aufgaben stellt. E; lihrte zur verspricht der Halle eine würdige erste mei späts Saison. Arndt Voß et einen Lübeckische Blätter 1994/14 | libeckische E
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.