Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

;e Tagung 2. Symposium „Bibliotheca Baltica’ in Tartu 11.-15. Mai [;, ps; Die Städte Tallin/Reval und Tartu/Dor- pat Das Besuchsprogramm für die angerei- sten Gäste begann in Estlands Haupt- stadt Tallin mit einem Bummel durch die historische Altstadt und der Besichti- gung der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften sowie der Nationalbi- bliothek. Die gut erhaltene, sichtbar ge- pflegte Handelsstadt, die heute etwa 453 000 Einwohner zählt, gleicht einem Freilichtmuseum. das dem Besucher des Domberges zu Füßen liegt. Hier in der Oberstadt sind neben dem Dom Fe- stungsbauten, Parkanlagen und idylli- sche Gäßchen genauso zu bewundern wie die repräsentativen Bauten. die teil- weise für die Regierung der jungen Re- publik genutzt werden. Tiefer unten aber breitet sich die Altstadt malerisch mit . Markt, Rathaus, Bürger-, Kaukmanns- häusern und Stadtkirchen - wie die Olai- Kirche und die Nikolai-Kirche mit dem Schnitzaltar des Lübecker Meisters Her- men Rode und Partien des Totentanzes von Bernt Notke - aus. Die Akademiebi- bliothek wurde erst 1946 gegründet, ent- hält jedoch die Bibliothek der Olai-Kir- che von 1532, die zeitweilig die Funk- tionen einer Stadtbibliothek innehatte. Die mit einem imposanten Neubau aus- gestattete Nationalbibliothek (Archi- tekt: Raine Karp, gebaut 1985-1993) geht auf Anfänge der ersten Republik im Jahre 1918 zurück. Bei weiterhin strahlendem Sonnen- schein ging es mit dem Bus nach Tartu, einer am östlichen Rand der kleinen Re- publik gelegenen traditionsreichen Uni- versitätsstadt mit etwa I 15 000 Einwoh- nern. Tartu beherbergt die älteste Uni- versität Estlands und wird nicht ohne Grund als geistiges Zentrum des Landes angesehen. Kann die Stadt auch nicht mit dem „Architekturmuseum“ Tallin in Wettstreit treten, so zieht der idyllische Charakter des Ortes den Besucher sofort in seinen Bann, ohne daß er zunächst vermutet, sich in einer Großstadt zu be- finden. Das ehrwürdige Hauptgebäude der Universität, der historische Markt- platz und ebenfalls ein Domberg mit einer Domruine, die teilweise auf- und ausgebaut das Universitätsmuseum ent- hält. sowie viele auf die Vniversität Be- zug nehmende Denkmäler geben der Stadt ihr Gepräge. Daß diese Stadt bis 1989 wie Kaliningrad/ Königsberg eine geschlossene Stadt war, die aus militäri- schen Gründen zunächst gar nicht, spä- ter nur in Tagesvisiten aufgesucht wer- den durfte, hat der Universität Schaden zugefügt, sie vom Strom des geistigen und wissenschaftlichen Austauschs ab- 198 geriegelt. Das bedauerte der stellvertre- tende Bürgermeister in seiner Rede nachdrücklich. Heute umfaßt die Uni- versität zehn Fakultäten, unter anderem wieder eine Theologische Fakultät. Die Medizinische Universität zu Lübeck ist mit der Medizinischen Fakultät über ei- nen Freundschaftsvertrag verbunden. Neben der großen Universitätsbiblio- thek besteht in Tartu als Archivbiblio- thek der Akademie der Wissenschaften das Friedrich-Reinhold-Kreutzwald-Li- teraturmuseum, eine Archivbibliothek, die sich auf estnische nationale Litera- turdokumente, Handschriften und Ma- nuskripte, Fotogratien, Tonträger und andere Medien konzentriert. Gastgeberin war die Universitätsbiblio- thek Tartu, die über einen modernen, imponierend großen Neubau verfügt. Zu den über 3,5 Millionen Einheiten gehö- ren auch wertvolle ältere Bestände, Handschriften und eine umfangreiche Sammlung von Dissertationen. Die mu- stergültige Ordnung in den Magazinen, die überwiegend jugendlichen Benutzer und - im Rahmen eines riesigen Mitar- beiterstabes, von dem man bei uns nur träumen kann - ein engagiertes junges Team hinterließen beste Eindrücke. Das zweite Symposium ,,Bibliotheca Baltica“ Von der Arbeitstagung soll in diesem Rahmen nur soweit berichtet werden, wie es für die Leser dieses Blattes von Interesse ist. Am Anfang standen zwei Referate, die den historischen Kontext zum „Ostseeraum als Kulturraum“ her- stellen sollten. Der Danziger Professor Dr. Edmund Kotarski sprach über ,.Insti- tutionen der literarischen Kommunikati- on in den Städten des Ostseeraums vom 16. bis zum 18. Jahrhundert“. Dabei ging es um die literaturfördernden Einrich- tungen in den Ostseestädten wie die zahlreichen Universitäten oder Akade- mien, die unter anderem in Rostock, Greifswald, Uppsala, Kopenhagen, Kö- nigsberg, Vilnius, Tartu gegründet wur- den, und die Jesuitenkollegien, Gymna- sien sowie Pfarrschulen. Das Mäzena- tentum der reichen Kaufleute und Patri- zier schutk früh ein Stipendiatenwesen, das den Städten Spezialistennachwuchs sicherte. Buchdruck und Buchhandel, aber auch die mündlichen Darbietungen beim Straßentheater sind zu beachten. Es entwickelte sich eine reiche Gelegen- heitspoesie in Form von Widmungsge- dichten, Dichtungen zu bestimmten An- lässen bis hin zu Trauerpredigten für wichtige Persönlichkeiten. Es bietet sich also ein breitgefächertes Feld an, das im Zusammenhang zu betrachten, Aufgabe f;; Thema jet PBestänc jung au f Er . ; | md ihrer E Der Beitrag von Prokessor Dr. Heln hingen), Piirimäe, Universität Tartu, hatte ' "toproble estnische Kultur im baltischen und U [ cn päischen Kontext zum Thema. Dh, [jaltikum it wurde zunächst die Volksreligion î [' N roblez leuchtet. die schon frühe Berührung, M erer The mit dem Christentum aufweist. Die ; h J große u teren Eroberungen durch die deutschs, " Thema Ritterorden, denen die Kaufleute un M Handwerker folgten, der Einklußg de ienbank Hanse, die Wirkung der Universitäts nannt) ut festigten den EinkluB der deutsche " rospektin Sprache und Kultur nachhaltig. Nhe hierzu sPri skandinavischen Eintflüssen und SPäts | hen Biblio natürlich russischen ist die Kulturarh,. '. Nit der Jesuiten zu beachten, die 158g3 § [' es erste Gymnasium in Dorpat begrüng. " b uokt Pc ten. Ihre Basis waren Polen und Litaue, ! rungen j Zur muttersprachlichen Lesekultur- q,. jhliothek erste estnische Buch wurde 1525 in e§ſ Hollegen 1 beck gedruckt - trat das Lateinisch. all geschi Viele Strömungen haben Estland g; : its reicht, selbst italienische und kranzö; finen es sche Sprach- und Tanzlehrer sind nach] .tins x weisbar. Die zunächst deutschsprachig, Froje Universität Dorpat bot dennoch ein | ar: gute Ausgangsposition auch für den ez, pus verab nischen Nachwuchs. Besonders die Rug) jjeht vor, d sifizierung wurde als Vergewaltigun, ionsblatt_ empfunden. Selbst deutschsprechend; jerbisheri; Professoren mußten sich auf Russisch jeweils im umstellen oder das Land verlassen | neue AUsg; Nachdem die Schrecken dieser Zei all das Pro weitgehend überwunden seien, kühlte, | lür die Bi] sich die Esten - so Professor Piirimäe ueitervertc heute als Europäer. Die Esten seien ej, glant. die Y Volk mit europäischer Kultur, dag ez ums zu pr „nach Europa“ ziehe. Man kann diesen gahmen ei Wunsch - gerade in Tartu - nur zy ut versität. verstehen. Dennoch dürfte im Laufe li. gerer Zeit auch der russische - kulturell; - Einfluß günstiger beurteilt werden Die politischen Aspekte sind aber noch zu schmerzhaft; das war im übrigen be; allen Gespächspartnern zu verspüren. weiterer wissenschaftlicher Aktivitz speziell in Danzig, sein soll. ten In der Ges ung der A jungen ver jer Profess jtätsbiblio vählt, kern jektoren de [kstland), Lettland) hhek Koper heck wurde und Dr. Sc! Jamit wird iünuierlichs Jer Hanse: Jer ursprüt ven war. I Mark ist je jaorenbeitri können we us den L blocks un Projekte ré Das Referat der Gastgeberin, der Biblig. theksdirektorin Malle Ermel, „Die Uni. versitätsbibliothek Tartu in veränderl. cher Zeit“ beschäftigte sich mit der Ge. genwartsproblematik. Obgleich die Uni. versitätsbibliothek eine große und tradi- tionsreiche Bibliothek mit einem he. achtlichen Neubau repräsentiere, gg gebe es doch - so die Direktorin - große Schwierigkeiten vor allem beim Etzt, der etwa in Deutsche Mark umgerechnet auf eine geringe Summe zusammen- schrumptke. Das behindere den Bezug ausländischer Buchproduktion. Auch bei der Umstellung auf Elektronische Daten-Verarbeitung, seien noch schwer- wiegende Probleme zu lösen. Lübeckische Blätter 1994/13 | Liheckische B
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