Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

Bildende Kunst Mail Art nach Lübeck von Ellen Sachtleben Aus Amerika, Frankreich und Spanien schickte die Lübecker Bildhauerin und Malerin Ellen Sachtleben Post nach Hause. Statt des geschriebenen Wortes wählte sie die Sprache der Zeichnung und der Malerei vor allem, um über die Neue Welt zu berichten, der sie zum ersten Male begegnete. Das Max-Schön- Haus zeigte im Mai in einer umfangrei- chen Ausstellung die Ergebnisse dieser intensiven Erfahrungen. Im Frühjahr 1992 folgte die Künstlerin der Einladung in ein College bei Denver (Colorado), um als .visiting artist“ im Atelier für Plastik und Keramik von Pro- fessor Kathryn Holt zu arbeiten. Es ent- standen während dieser Zeit mehr als zwanzig große Plastiken und kerami- sche Objekte, die dort am Ort geblieben sind. Spontane Eindrücke von Land und Leu- ten, Wind und Wetter fanden auf Post- umschlägen ihre abstrakte Verdichtung ebenso wie als verpackte Inhalte statt eines Briefes in den Sendungen. „Can Pack“ - eine Coladosen-Collage über- malt mit kräktigem Rot, Blau, Schwarz - reiste ebenso über den Atlantik wie „Ausführlicher Bericht“: ein Schriftimi- tat auf gelber Plastiktüte liegt in einem Umschlag „Blizzard über Denver“. So- wohl pastos als auch behutsam lasierend geht Ellen Sachtleben mit den schnell- trocknenden Acrylfarben um, von denen die Künstlerin in Amerika eine beson- ders qualitätvolle Auswahl fand. „Über die Hochebene von Santa Fé“: kleine Zeichen werden für Menschen in Bewegung gesetzt, einem Thema, das die Bildhauerin immer wieder fasziniert zum Beispiel in der „Show Studie“, ei- ner Papiertheater-Installation, bei der zwölk Frauentorsi in drei Reihen zu viert leicht unterschiedlich posieren. Auch diese Gruppe tand Platz in einer Brief- hülle, bemalt mit „Tango in Denver“. Ein anderer Umschlag gerät zum tlachen Relief: „Wegbeschreibung“. Auf einem Schaumstotfunterteller für Fastfood gräbt sich eine Irrgartenspur durch die gelbe Masse, ausgeätzt mit Klebstotfk, einer zufällig gefundenen Technik über die verheerende Wirkung eines Alles- klebers auf dem synthetischen Tablett- chen. Es entstand so eine heiter-ironi- sche Umsetzung der Antwort auf die Frage: „Bitte wie komme ich da und dort hin?“. 1 88 Auch diese Postsendung kam unversehrt an ihr Ziel. Ein ernstes Thema, der unaukhaltsame Untergang der indianischen Völker und ihrer Kultur, wird mit großer Betrofkfen- heit immer wieder formuliert, im Epi- taph für einen Indianerhäuptling zum Beispiel „Rain on the Face“ oder im „Denkmal für meinen Indianer“. Post- karten als Collagen verwendet oder ein- fach übermalt bilden ebenso eine Grup- pe für sich wie die Exponate aus und auk Textilien, leichter Seide vornehmlich, herausgeschnitten aus der nicht mehr brauchbaren KReisegarderobe. Die Künstlerin läßt sich dabei assoziativ be- einflussen von den verschiedenen unre- gelmäßigen Schnitteilen von Beinkleid oder Ärmel. Die Post Mail Art aus Amerika fand ihre Fortsetzung 1992 in Frankreich und 1993 in Spanien. Hier geschieht eben- falls mit bildnerischen Mitteln der „Ver- such einer Rekonstruktion“, eine „Ori- entierung“, ein Begreifenwollen des Landes und der Menschen. Farben spie- len dabei immer eine wichtige Rolle, seien sie der Natur entnommen oder auch der Grundfarbenpalette, wie sie den Nationalfarben eigen ist. Diese besonderen fünfundsiebzig Reise- berichte von Ellen Sachtleben hätte man gern über einen längeren Zeitraum ver- teilt gesehen. In den kleinen Formaten steckten oft große Bilder. Man wird ih- nen hoffentlich wiederbegegnen kön- nen. Gerda Schmidt Darstellende Kunst „Oberon“ Auch die für diese Spielzeit letzte kon- zertante Aufführung einer Oper hielt das. was die vorhergegangenen verspro- chen hatten: die Bühnen der Hansestadt können einen weiteren Erfolg verbu- chen. Wieder hat man sich eines auf dem Thea- ter kaum noch zu findenden Werkes an- genommen, das bei seiner Uraufführung als letztes Werk Webers große Zustim- mung erfuhr. Reine romantische Musik spiegelt die verschiedenen Stimmungen, charakterisiert in sicherer Instrumenta- tion die Schauplätze und Personen. Schöne eingängige Melodien wechseln mit dramatischen Ausbrüchen und Solo- Ppartien, womit die Partien der Rezia und des Hüon besonders bedacht sind. Aber schon die Ouvertüre kann alle Gefühl, bereiche ansprechen, sie ist es ja auch die zumindest das Vorhandensein dier. Oper in der Erinnerung gehalten hat. Die musikalische Leitung des Abend hat Volker Christ, ein junger Dirigen, aus Heidelberg, der sich, wie man h, | | gesetzunt haben w1r ker Bühn puck. M: gcherasm ccher Ditkl ;ſhomas L per rote Jurch et yon Kars § > um die Stelle des Ersten Kapellmeistey; | in Lübeck bewirbt. Er hat sich sehr g eingeführt. Mit ausgeprägtem Sinn ki das romantische Klangbild leitete er mi; | Sicherheit die Aufführung. Verständl;. che Tempi. dynamische Schattierungey und Sicherheit in der Begleitung der | „inen unt Solisten zeichneten ihn aus. Man glayh. te auch, einen guten Rat zu den Mitglic. dern unseres Orchesters zu verspüren. Die Solisten waren sehr gut SEWwähl; .Dramatischer Koloraturtenor“ wird diy Partie des Hüon in einem Opernhang. buch genannt. Wenn auch diese B;. zeichnung nicht ganz üblich ist, so he. schreibt sie doch treffend die Anfords. rungen, die an den Sänger gestellt wer. | den. Leith IkaiarPurdy konnte alle Schwierigkeiten meistern. Helle ung Beweglichkeit der Stimme, zarte Lyrix im Ausdruck und hohe dramatische San. geskunst sind diesem jungen Sänger nachzusagen, der mit dieser Rolle dehj. tierte. Ingrid Haubold kehrte als Rezia nach Lübeck zurück. Gern erinnert man sich ihrer „Sieglinde“ in Generalmusikdirex. tor Aeschenbachers Ringaufführung. Wenn aus dieser Oper Webers etwas außer der Ouvertüre bekannt ist, dann die Arie „Ozean, du Ungeheuer“, die Ingrid Haubold mit großer Stimmkrgt; gestalten konnte, so daß das Publikun begeistert wurde. Gelegentliche Schär. fen in der Tongebung wie auch eine ge. wisse Unruhe konnten jedoch nich überhört werden, fanden jedoch ducch die innige Interpretation der Kavatine „Traure, mein Herz“ einen schönen Ays- gleich. Als Gast mußte der junge Sänger Ewan Bowers aus Nürnberg in der Titelpartie einspringen und den erkrankten Stephen John Ibbotson ersetzen. Auch er konnte sich mit Erkolg bewähren. gern würde man seinen schönen Iyrischen Tenor bej anderer Gelegenheit wiederhören. Bar- bara Spieß mußte am Premierenabend gleich zwei Partien übernehmen. Mit ihrem klangvollen Sopran sang sie die Fatime und für die ebenfalls erkrankte Sally Stevens das Meermädchen und war mit ihren ständig wachsenden stimmlichen Qualitäten eine sehr gute M! Wer gravoruki am Enc le ohn für „Frau Li gerliner I ßgauern fe gupprecb (Choreog musikali ner Oper kannten § und dabe at umge pie Type man erke 0b Letler Portier Oc ,äukerin | unverken voll,. un ccheint g ſrstaunli cen und uelodier men, auc landeten 0rcheste pie Berl ven Klan Milchstr. go hattel qleicher! schubarl mann un lein, Ne gawicki, Balletter Niederd „Anna, Ein Bou schen, | Anna’, i Hans Pk: tragen, | Lübeck Spielzei Die bü bung der Lübeckische Blätter 1994/12 Lübeckisch
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