Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

Wirklich? Sperrung der Durchfahrt Mühlentor - Auf der Ausstellung „Handel und Han- se“ wurde der Bausenator Dr. Volker Zahn interviewt. Man konnte von ihm in den „Lübecker Nachrichten“ lesen: „Es gibt eine Parkhauserschließungsroute. Das heißt, man fährt in die Altstadt rein und wird gezielt zu den Parkplätzen ge- leitet.“ Und auf die Frage, ob er eine tägliche Sperrung der Altstadt auch dann durchsetzen wolle, wenn die Rahmenbe- dingungen nicht erfüllt sind, antwortete der Bausenator: „Das hätten Sie wohl gedacht. Nichts ist verkehrter, als wenn man ein unkertiges Konzept auk Krampk durchbringt. gegen den Willen der Mehrheit.“ Doch dann las man einige Tage später in dieser Zeitung: „Verkehrsader wird ge- kappt. geplante Platz-Neugestaltung aber verschoben - Krach um Klingen- berg-Sperrung* Und wie soll das aussehen? Das zeigt eine Skizze mit Pfeilen, die die erlaubten Fahrtrichtungen angeben; die Skizze ist richtig. wie eine fernmündliche Anfrage bei einem Mitarbeiter im Amt für Ver- kehrsanlagen bestätigt hat. Das sieht nun so aus: Autofahrer aus Richtung Ratzeburger Allee und Krons- forder Allee. die einen Parkplatz oder eines der Parkhäuser Marlesgrube oder Pferdemarkt erreichen wollen, fahren, so war es bisher, in die Mühlenstraße ein, sie werden dann künftig in die Kö- nigstraße gelenkt, darauf die Ägidien- straße hoch zum Klingenberg und sollen nun weiter in die Marlesgrube oder den Pferdemarkt über den Klingenberg ge- lenkt werden. Weit gefehlt, so eben nicht, sondern sie werden zurück in die Mühlenstraße ge- lenkt, biegen dann vor der Mühlenbrük- ke ab in die Wallstraße, fahren gelenkt zur Possehlstraße vorbei am Holstentor, genießen einen Augenblick die Pracht- kulisse des Kulturdenkmals Lübeck, so- weit die Schilder ihnen hierfür Zeit las- sen, fahren dann die Holstenstraße hin- auf, biegen, immer noch gelenkt, in die Schmiedestraße ein und können nun das Parkhaus Schmiedestraße nehmen oder weiter, gelenkt natürlich, über die neue Spur des Klingenbergs in die Marlesgru- be oder ins Parkhaus Pferdemarkt gelan- gen: sind alle Parkhäuser besetzt, kön- nen sie einmal über die Marlesgrube, Obertrave wieder zur Holstenstraße, Untertrave oder Richtung Lindenplatz fahren, sie können auch, wenn sie das Parkhaus Pferdemarkt besetzt vorfkin- den. über den zugelassenen Schleich- weg Kapitelstraße wieder zur Mühlen- straße gelangen, aber natürlich nur in Richtung Mühlentor! 180 Es gibt vorher eine Rettung: man benutzt das Parkhaus „Holstentorhalle“, denn der Versuch. in der Wallstraße oder aut dem dort befindlichen, gebührenfreien Parkplatz unterzukommen, ist wohl ab 9 Uhr sicher erfolglos. Dies ist der Wunsch und der Wille unse- res „eigensinnigen Bausenators " sich nennen läßt. Er versteht darunter „Eigenständigkeit“ - doch da g ribt es wohl einen feinen sprachlichen Unter- schied! Dieser gelenkte Weg zum Parkziel Park- haus Innenst: adt ist nicht die Erfindung des Verfassers dieser Zeilen, sondern ist ihm ausdrücklich vom Amt für Ver- kehrsanlagen genannt worden. Es hat dazu erklärt, alle weiteren Sperrungen sollten erst vorgenommen werden, wenn alle notwendigen Voraussetzungen er- füllt seien. Diese seien in diesem Fall erfüllt, denn Wall- und Possehlstrabe seien nun kertig ausgebaut, so dal diese Teilsperrung erfolg en könne und werde. Auf den Hinweis, der Weg zu den zwei Parkhäusern sei doch wohl dreifach so lang wie der über die Mühlenstraße, das heißt mehr Benzinverbrauch, mehr Smog, mehr Stau, kam die Antwort, dies geschehe für die Fußgänger, die es am Klingenberg leichter haben müßten! Im übrigen werde es eine Bekanntmachung des Bausenators hierzu geben und natür- lich die erforderliche Ausschilderung des neuen Weges zu den Parkhäusern. Es besteht ja fast Einigkeit in Lübeck, dals die Durchfahrt Mühlentor - Holstentor und umgekehrt auch wochentags ge- sperrt werden soll, aber doch erst dann, wenn wirklich alle Voraussetzungen er- füllt sind! Und es sollte doch alles auf einmal und nicht in Stufen geschehen! Und es stimmt auch, daß für die neue Wegführung g Schmiedestr aße-Klingen- berg - Marlesgrube beziehungsweise Pferdemarkt 100 000 Mark in diesem Jahr zur Verfügung stehen. 100 000 Mark für die kleine Strecke über den Klingenberg, der doch in absehbarer Zeit zu einem „Platz“ umgestaltet wer- den soll, so daß diese kleine Fahrtstrecke wieder verschwinden wird - und Lü- becks Straßen und Radwege schreien nach Ausbesserung; hier müßte doch die Umschichtung möglich sein. Wie sagte doch der Bausenator auf der Messe: „Nichts ist verkehrter, als wenn man ein unfertiges Konzept auf Krampk durch- bringt. gegen den Willen der Mehrheit“. Und genau dieses will er nun, denn die Mehrheit will die Gesamtlösung, aber nicht eine weitere Teilsperrung, denn der Durchgangsverkehr Holstentor - Holstentor durch die Altstadt 1994! Mie er 15 Jal Mühlentor bleibt ja weiterhin bestehe,, Und die Fußgänger? Hier am Klingen. j berg sind sogar breite Bürgersteige ; J der Fußgänger kann bequem und, weg,, er die Ampeln beachtet, gefahrlos Straßen überqueren, und die Am müssen ja überwiegend bleiben, weil g weiterhin Verkehre gibt: Richtung Müh. f: lentor aus Sandstraße (Busse, at Radfahrer) und Schmiedestraße, Rich. tung Mühlentor zurück aus der Ägidien. straße und aus der Schmiedestraße ; Richtung Marlesgrube und Pferdemany Wo liegt da die Verbesserung für den | Fußgänger? Da bleibt doch nur der Wunsch, und zwar wohl der weit übel wiegenden Mehrheit der Bürger: der Bausenator möge dies alles noch einmz zum Wohle der Stadt, ihrer Bürger yy ng Besucher bedenken! Rolk Sande; ie ZZ [z Pest und autofreie Altstadt Immer wieder trommelt die Wirtschah; über ihre Verbände gegen die Herayz. nahme des massenhaft auftretenden ; in. dividuellen Kraftfkahrzeugverkehrs aus der historisch engen denkmalgeschüt, ten Altstadt, zuletzt im sogenga anntey Positionspapier des letzten Jahres: weg Von der Sperrung, hin zur Leu kung ... . Bei diesem Gedankengut auz den 70er, 60er oder gar SOer Jahren hy die Wirtschaft die einzige Tageszej. tung am Orte ganz auk ihrer Seite. Der Verlag der , Lübecker Nachrichten“ igt Mitglied im Lübeck-Management dg; Wirtschaft, wo das Positionspapier ent wickelt wurde. Da traf es sich gut, bei der Wirtschatts. Messe „Handel und Hanse“ durch Ly. kalchekf Curd Tönnemann den für die Bauverwaltung zuständigen Senator Volker Zahn ob seiner „Verkehrsbehin. derungspolitik“ in einem ökkentlichey Interview strafanklagend zu befragen. Der Bausenator ließ sich nicht vomrech. ten Weg abbringen. Er machte seine Verkehrsverhinderungspolitik deutlich Hinsichtlich des Zurückbaus von Bus. buchten und die dadurch teilweise ent- stehenden Staus von Autos hinter den Bussen wies Volker Zahn den Zerfrager deutlich zurecht: „Sie gehen ofkensich. | lich von der Philosophie aus, daß ein Auto grundsätzlich Vorfahrt auf der Straße hat. Diese Meinung teile ich nicht. Die umweltfkreundlichsten Ver. kehrsmittel sollen Vorrang haben.“ [aufmar m 17. . p.izu sestact L ihre Satz Possehl- Jes Kaul Dem Lokalchet blieb so nur noch ein ehl. Jammern in seinem beigefügten Kom- Pie Fos mentar: Die Altstadt würde zum Muse. Interne um mit beschränkter Öfknungsgzeit. | ; M hat die s. de Stift Herr Bausenator, bleiben Sie standhaft! Bernd Dohrendaorf Lübeckische Blätter 1994/11 Libeckisch
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