Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

erkahr, :1m und Roman komplementär zusammengehdören, daß das- ngsehe, ' he Paradigma zwischen Tyrann - Anarchist - Opfer vo) uu 1Zitath, “Senüh, hervor,. \l | Heinri, juus Schröter, Hamburg, einem breiten Publikum mit seinen ' ich. qroro bildmonographien“ zu Heinrich und Thomas Mann ntensiy, !zannt, überraschte das Auditorium mit dem Tien sc; f .ch mann und das Märchen. Ohne letztlich die eine Zaubertür I. Interpretation aufstoßen zu können, unterzog Schröter \junns Werk einer Spurensuche, ausgehend von einem Brief jeinrich Manns von 1924 an Tucholskt: » Man sollte Mär- hen schreiben. Ahnliches nehme ich mir. vor“. H CU E tektorq, unn verwendet schon lange unbedenklich Märchenhaftes lin, sctq. 194 schreibt er das Feenmärchen .Das Wunderbare“ Bie er Vortr, ße Sache“ kommt ebenso märchenhaft einher wie. Im kür The, “hlaraffenland“. „Der Atem“ wird von Heinrich Mann selbst in Sein, ! Lebensmärchen bezeichnet. In „Der Untertan“ DIA IGI 1auspie]. s Märchen Zeitgeschichte, wenn der deutsche Kaiser als ur begzh „ztiekelter Kater, gleichsam als Parvenü daher kommt. Die 13 er selh, ſlaralität der Märchen kommt spätestens im „abseitigen Mei- on geh, grwerk“ (Herbert Ihering) „Liliane und Paul“ von 1925 zur tlang, vy, reltung. Heinrich Mann hat die moralische Lehre über die re Vor (y, gem gestellt. So gilt ihm die Moralität der Märchen als bach“ unj zubstrat der Realität. Märchen als Brennpunkt der Realitäts- ' Diese, yrarbeitung lautete dann auch Schröters Ergebnis. Dazu paßt nachtedh jeht schlecht der Kabarett-Bube Bibi als Wiederkehr des kte seins ggkeren Schneiderleins in den Roaring Twenties. 1933 . Der ay, chreibt Heinrich Mann in „Die geistige Lage“, daß der Autor It verzie.| je Gesellschaft umgestalten will, indem er sie gestaltet. „Er lit Trudi hird Moralist und dafür reichlich gehaßt sein“. Daß kür Tho- t, kamdy nus Mann Moralist-Sein gleichbedeutend mit Naivität ist, ist Sternbey, jeilich schon eine andere Geschichte. einrich hm. Eine ) einrich ' | vlitdem letzten Vortrag kommt Thomas Mann ins Spiel. Hans jißkirchen, Leiter des Heinrich-und-Thomas-Mann-Zen- jums Lübeck. fragte nach der brüderlichen Arbeitsteilung, ndem er Heinrich Manns Roman ,,Der Kopf “ und Thomas Jlunns Koman „Der Zauberberg “ verglich. Mit beiden Wer- ert, Aug; jen seien Epochenromane beabsichtigt, Resümees der Zeit die Frage. jar dem Weltkrieg; beide erschienen kurz nacheinander im um Blaue, \ovember 1924 und April 1925. „Der Kopf“ beginnt 1891, ate, wen eine Helden Mangolf und Terra sind 20 Jahre alt, sie sind Ebenen i vegensätzliche Brüder, die den Bruderzwist im Hause Mann Details aq qhrentuieren. „Der Zauberberg“ beginnt 1907. sein beschei- n sei ". jener Held Hans Castorp, dem der Autor durchaus autobio- teil beej. „aphische Züge verliehen hat, ist durchschnittlich, der Brü- fest. Zyj. jerzwist ist verlagert auk die Gestalten Naphta und Settembri- (menschſ];. 1i. Während Heinrich Mann szenisch direkt schreibt, zudem gibt esdy jualogisch, satirisch und temporeich, breitet Thomas Mann e, das de; nit der Ruhe und Ironie des auktorialen Erzählers ruhige ckällt. Du yialoge und veritable kleine Essays vor uns aus. Während 1, tierisch jeinich Mann rafft und übersteigert, schonungslos berichtet. ewohl de jelißt Thomas es bei indirekten Anspielungen und dämpft e Schuß- jher. Terra und Mangoltf machen zunächst - sehr unterschied- h anmutet jch- Karriere; der Gegensatz beider Brüder gibt dem „Kopf“ 1 sich. Di ine ästhetische Struktur, wie der Gegensatz zwischen Set- refilmt jg je mbrini und Naphta im „Zauberberg“, zu dem aber entschei- Das unter. j nd der immer selbstbewußtere Hans Castorp das vermit- nbolikunl ende Prinzip bildet, das es bei Heinrich Mann nicht gibt. ralists.p"gigkirchen versuchte rezeptionsgeschichtlich zu zeigen, ino-Erotil jurum „Der Zauberberg“ berühmt und „Der Kopf“ vergessen rich Mam jt. Er bemühte Schopenhauer und Hegel; ersterer sagte, Werk. An 1ufgabe des Romans sei es, kleinere Vorfälle bekannt zu Mann, dal muchen, inneres Leben statt äußeres zu zeigen. Während "hieden auserzählt wird. Opfer vier: U jrehen und Moralität Per Kopt‘“ und „Der Zauberberg“ Zlätter 1994/11 |jheckische Blätter 1994/11 Thomas Mann in der Tat im Kleinen das Große hat aufschei- nen lassen, läßt Heinrich sein Personal auf allerhöchstem Niveau der Politik in Berlin agieren, was zu dem Dilemma beiträgt, daß der Roman zwischen wirklicher Geschichte und Romangeschichte. zwischen Epochenroman und Schlüsselro- man schwankt. Wißkirchen arbeitete überzeugend heraus, daß die Vneinheitlichkeit des „Kopfes“ mit seiner einseitigen Quellenbenutzung zusammenhänge. Heinrich Mann benutzt kast ausschließlich sehr verbreitete Quellen. Quellen der herr- schenden Meinung. Diese kollidieren ohne Vermittlung mit der autobiographischen Geschichte Terras und Mangolfs. Thomas Mann seinerseits verfährt völlig anders. Er liebt obskure Quellen, versteht es. kleine. scheinbar beiläufige Vorkälle interessant zu machen, so sind ästhetische Absichten und Quellen nicht different. der Chor der Quellen wirkt nicht steril. Dem Schlußteil des Vortrags waren die Verbindung und die Ahnlichkeiten zwischen „Kopf“ und „Zauberberg“ vorbe- halten. Wißkirchen betonte eine direkte Beeinflussung Hein- rich Manns in der Schlußphase seines Romans durch Thomas' „Zauberberg“. Steht am Schluß des Romans ,.Der Zauber- berg“ auch die Nichtigkeit des Helden angesichts des Krieges 1914, so sind doch seine Träume über Mittelmäßiges hinaus. Hans Castorp weiß. daß Leben nur möglich ist im Wissen um die Blutspur in der Geschichte des Menschen. „.Ich will gut sein““, heißt es im letzten Gedankentraum. Der mittelmäßige Hans Castorp leistet das. was Terra und Mangolf. Naphta und Settembrini nicht vermögen, die Überwindung der Gegensät- ze von Vernunft und Leben nämlich. Sein Dank verrät eine Weltfrömmigkeit, die selten im intellektuellen Lager ist. Ter- ras und Mangolfs großes Schlußgespräch nach dem Einge- ständnis des politischen Scheiterns. der Lobrede auf die Mit- telmäßigkeit, verrät, was sie zur Synthese gebraucht hätten: „Wir haben kein Gegengift. Verachtung und Güte. Du hattest nur Verachtung, ich nur Güte“. Diese Worte erinnern an Tonio Kröger, der in der gleichnamigen Novelle sagt: „Alle Wärme, alle Güte, aller Humor kommt aus ihr“, der Liebe zu den Gewöhnlichen. Im „Henri IV.“. schloß Wißkirchen seinen eindrucksvollen Vortrag, setze sich das Loblied der Mittelmä- Bigkeit fort. Henri IV. nämlich, dieser König, der so viel Achtung vor den Menschen hat und so grausam sein kann, habe den Segen von oben und von unten, sei ein Bruder von Joseph und Hans Castorp. Fazit Bis in die Schlußdiskussion hinein bot das diesjährige Sympo- siumeine höchst anregende Werkstattatmosphäre. Angenehm war, daß wirklich diskutiert wurde nach jedem Vortrag. Es wurden in der Tat Fragen aufgeworfen. die den Raum zu weiterer Forschung öffneten. so zum Beispiel die Frage: Was bringen die unterschiedlichen Medien für die Interpretation? Wie setzt Heinrich Mann Märchen ein, wie seine Sprachfigu- ren und Zitate, welchen Einfluß haben bestimmte Psycholo- gie-Theoreme während der Jahrhundertwende? Insgesamt ein hochkarätiges und gut vorbereitetes Symposi- um., dessen ganz unterschiedliche Themen und Fragestellun- gen wohl jeden bereichert haben. Es ist eigentlich mehr als schade, dal eine Stadt von der Größe Lübecks so wenig Interesse an den diesjährigen, weit über Heinrich Mann im engeren Sinne hinausgehenden Vorträgen zeigte. Hat diese Stadt immer noch nicht ihren Frieden mit Heinrich Mann gemacht? Liegt es an einer zu konservativen Einstellung breiter Kreise der traditionsreichen Hansestadt? Diesen sei ins Stammbuch geschrieben. daß konservativ abgesehen von „bewahren“ auch die Nebenbedeutung von „am Leben erhal- ten, begnadigen“ und ..treu bleiben“ hat. 165
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