Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

1rtoy, edric) hristy; '851 : Kun; ;chich: Sestad| erleih: turstif Lande; alstei 1994 er 1994|1 ,5 Museum kür Kunst und Kulturge- V ichte der Hansestadt besitzt mit 14 bildern, 7 Kartons und vielen Zeich- 0 ngen den größten Bestand an Werken os Lübeck stammenden Hauptes p; Nazarener. Hinzu kommen noch “ ckgraphische Arbeiten von der Hand . Künstlers und die unter seinen Au- § entstandenen Reproduktionen nach tidern und Zeichnungen seiner Inven- § Als Dauerleihgabe der Kulturstif- ti ng des Landes Schleswig-Holstein er- tu It das Museum nun eine weitere be- Mutende Arbeit des Malers. In Gegen- "rt des Senators für Bildung und Kul- . ulrich Meyenborg, der auf die Lü- K bereits in früheren Jahren von der kulturstiktung überlassenen hochrangi- . werke verwies, wurde das neue funstwerk von Dr. Dieter Swatek, gtaatssekretär im Kultusministerium, E 16. März in einer kleinen Feierstunde überreicht. v'erstenen wir die Aufgabe der Kultur- ;tiktung richtig, dann ist es einmal Auf- „zbe, zu helken, daß die Sammlung eines \ſuseums im Lande noch besser und ein- M werde. Die zweite Aufgabe st, das Land Schleswig-Holstein im in- ternationalen Vergleich vergleichens- werter zu machen. Für beide Aufgaben wendet die Kulturstiftung viel Geld auf, und Lübeck hat ihre Generosität immer wieder erfahren dürfen. Beide Zielset- zungen sind mit der Leihgabe, die nun im Prägerhaus zu sehen ist, in hohem maße erreicht. Zum Werk selbst: Was es darstellt, ist jedermann geläufig, jene Szene, wo Christus am Olberg zu Gott betet und geine Jünger trotz seiner inständigen Bitte, doch nur ein wenig mit ihm zu wachen, eingeschlafen sind. Die Ein- camkeit und Verlassenheit des Gottes- gohnes und die Erdenverbundenheit der Jünger kommt in dieser Szene am schla- vendsten zum Ausdruck. Für einen Ma- ſer, für den das Christentum nicht nur Lippenbekenntnis war, sondern gelebter Urgrund alles Seins. vor allem seiner Kunst, der, was er auch tat, die großen Vorbilder mit christlichen Themen vor augen hatte, ist das Sujet von grundle- cender Bedeutung. Die Wahl für den Betsaal eines Krankenhauses ist bedeut- sam, handelt es doch von der Angst vor dem Sterben und dem Alleinsein mit Gott. Overbeck hat sich das Motiv selbst gewählt, kein Auftraggeber hat ihm ge- cenüber den Wunsch geäußert, er wolle verade dies dargestellt sehen. Wie denn Overbeck offenbar immer sehr viel Ein- fluß auf die Inhalte seiner Bilder und Zeichnungen genommen hat. Das ist auch nur folgerichtig bei einem Mann, der es verwerflich fand, ein Kunstwerk Lübeckische Blätter 1994/8 nur nach rein künstlerischen Gesichts- punkten zu beurteilen. Inhalt war ihm Aussage. Er wollte mit seiner Kunst die Welt besser machen. Und besser hieß ihm christlich. Und christlich hieß ka- tholisch. Wer dies nicht anerkennt und Overbecks Kunst ihren bis zum Doktri- nären Lehenden Absolutheitsanspruch bestreitet, bestreitet ihn als Mensch und Künstler und sollte sich auf seine Werke besser nicht einlassen. Die Geschichte bis zu diesem neu erwor- benen Stück ist einigermaßen verwir- rend und schwierig. In einem Aufsatz im Jahrbuch der Hamburger Kunstsamm- lungen 1971 hat Carl Wolfgang Schü- mann darüber gehandelt. Seine For- schungsergebnisse seien hier kurz refe- riert: In Hamburg wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts der alte Pesthof abge- rissen und statt dessen das immer noch stehende Sankt-Georgs-Krankenhaus gebaut. In dieses Krankenhaus baute man auch einen Betsaal ein: denn ohne einen Raum dieser Art konnte man sich eine solche Anstalt nicht denken. Und dieser Betsaal sollte mit einem moder- nen Kunstwerk ausgestattet werden. Wer kam dafür in Frage, wenn nicht Overbeck, damals der berühmteste deut- sche Maler überhaupt? Man verließ sich auf persönliche Bekanntschaften. als man Karl Sieveking zu Overbeck sandte. um ihm das Unternehmen nahezubrin- gen. Sieveking kannte Overbeck näm- lich schon aus seiner Knabenzeit - er war mit ihm hier in Lübeck zur Schule Segangen und hatte zusammen mit dem späteren Künstler Zeichenunterricht. Der andere Helfer war der rührige Mä- zen und Kunstschriftsteller, der Baron von Rumohr, der sich für Overbeck ein- setzte. Das hatte er hier in Lübeck schon einmal getan, als er für den „Einzug Christi in Jerusalem“ die Werbetrommel rührte und vor allem für die Finanzen sorgte; denn es war auch im 19. Jahrhun- dert, wie es immer gewesen war und wie es auch wohl immer bleiben wird: Gern wollte man in Lübeck ein Bild des be- rühmten Sohnes haben, doch durfte es ja nichts kosten. Später war Rumohr dann noch einmal für Overbeck tätig, als er dafür sorgte, daß sein Bild „Grablegung Christi“ in die Marienkirche kam. wo es immer noch ist; der „Einzug“ ist dort im Bombenhagel von 1942 verbrannt. Overbeck empfahl sich übrigens für die bedeutende Aufgabe auch durch seine vornehme Herkunft, schließlich war er Bürgermeistersohn, und durch Aufträ- ge, die ihm andere Hanseaten zukom- men ließen: Der Bremer Kaufmann Al- bers hatte sich von ihm das Bild .Die Findung Mosis“ malen lassen. und der Hamburger Baron Jenisch verhandelte gerade mit ihm wegen des Bildes ..Die VerstoßBung der Hagar“. wozu das Muse- um übrigens als Geschenk der Possehl- Stiftung den Karton erhielt. Das ganze Unternehmen ging wie stets bei Overbeck sehr schleppend. Schon 1817 war man sich einig, daß er das Bild malen sollte. 1825 verhandelte man noch und gab schließlich den Auftrag. 1830 schrieb Rumohr an Sieveking, es gehe nun sehr voran mit dem Bild. was offensichtlich nicht ganz stimmte; denn als der Hamburger Maler Spekter ein Jahr später in Rom war, sah er es nicht. Margaret Howitt, die erste und einzige Biographin Overbecks, deren zweibän- diges Werk immer noch die beste und sicherste Quelle ist. bemerkt. er habe von 1827 bis zum 14. Dezember daran gemalt. Ob das so stimmt. besonders die exakte Zeitangabe. ist fraglich. Sicher ist nur, daß das Bild 1834 in Hamburg war und gleich die ungeteilte Aufmerk- samkeit und Bewunderung fand. die es nach Meinung der Zeitgenossen ver- diente. Es war aber noch nicht vollstän- dig bezahlt. also stellte man einen Wär- ter mit Sammelbüchse daneben. Es war auch nicht ganz billig. ein Bild bei Overbeck zu bestellen. Der Hamburger Altarkostete laut Howitt ohne Gratifika- tion 800 Scudi. Frau Dr. Graßmann vom Archiv war so freundlich, die annähern- den Werte herauszufinden. Man muß dabei immer bedenken., daß es sich le- diglich um Ungefährangaben handeln kann. Danach war um 1850 1 Scudo ungefähr 1 Thaler wert. Das bedeutete, etwa 3 Courantmark Lübsch. Für 1950 hat Ahasver von Brandt einmal berech- net. was 1 Courantmark Lübsch wert war: 3.50 Mark. Man hätte 1950 für das Bild also zirka 8500 Mark bezahlen müssen. Rechnet man bis heute nur das Dreifache, dann wäre es nicht unter 25500 Mark zu haben. Man sieht. nicht wenig. Wenn man also liest, Overbeck habe immer geklagt. er habe kein Geld - man darf nicht alles glauben. Was hatte der Maler abgeliefert? Ein großes Bild. fast 3 Meter hoch und 2 Meter breit. Es beeindruckte so sehr, daß man beschloß. daß der bedeutendste Hamburger Architekt. Alexis de Cha- teauneuf. dafür einen Rahmen entwertfe. Dieser wurde dann auch ausgeführt. Für unsere heutigen Augen ist das Bild nicht sehr befriedigend. Alles. was in der klei- neren Version passend und dem Thema angemessen erscheint, wirkt in der gro- Ben Fassung etwas leer und allgemein. Außerdem ist das Bild in seiner Wirkung trotz der eher bunten Farben fahl. Der Künstler war gut beraten, auf sie in der späteren Version zu verzichten. Die für die Zeitgenossen positive UVberraschung war auch deshalb so groß. weil sie gar 121
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