Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

noch nicht allein eine Gewähr für Tole- ranz oder gar Menschenrechte bedeutet, haben die realsozialistischen Systeme gezeigt, bei denen der Anti-Faschismus immer besonders hoch im Kurs ste nd. Wäre es da nicht klüger gewesen, bei bestehender Ungewißheit über Täter und Motive zurückhaltender zu sein? Vieles spricht für einen r assistischen Hintergrund des Brande inschlags auk die Lübecker Synagoge. Da erscheint es ge- rechtfertigt, auch einen Vertreter des Lübecker Bündnisses gegen Rassismus bei der Demonstration das Wort ergrei- fen zu lassen - zunächst war er aller- dings nicht vorg resehen. Daß er die Gele- genheit nutzte,. zu einem Großteil über d: as Kurden-Problem zu reden. kam nicht überraschend. Aber kann man ein Foltern von Kurden in der Türkei verur- teilen. ohne sich davon zu distanzieren, daß Kurden in einer westdeutschen Stadt einen Polizisten mit Benzin übergossen und in Brand zu stecken versuchten? Der in der hiesigen Tageszeitung ver- breitete Vorschlag des Tourismus-Sena- tors. in israelischen Zeitungen über An- zeigen um Verzeihung zu bitten, hat zu sehr den Anschein des Geschäftsmäßi- gen mit der Sorge im Hinterg rund, der Fremdenverkehr könne leiden. Müssen wir nicht solche äußerlich-materiellen Gesichtspunkte zunächst zurückstellen und uns vielmehr auf eine beschwerli- chere Arbeit einrichten, das Vertrauen bei denjüdischen Mitbürgern wieder zu- rückgewinnen und zu verinnerlichen? Bei der Bürgerschaftswahl haben 2,6 Prozent der Wahlberechtigten den rech- ten Republikanern ihre Stimme gege- ben. Das ist aus meiner Sicht eine klare Absage an rechte und rechtsradikale Tendenzen. Zum beruhigenden Zurück- lehnen darf das Ergebnis zwar nicht ver- leiten, aber Lübeck als Hochburg des Rechtsradikalismus zu bezeichnen - wie geschehen - geht doch gewaltig an den Tatsachen vorbei. Ich glaube, daß dies bei sachlicher Betrachtungsweise im In- land und im Ausland und auch in Israel weitgehend so gesehen wird. Daß in Israel der Brandanschlag Lübeck doch nicht, wie in Deutschland befürchtet wurde, die große Beachtung gefunden hat - deutsche und israelische Journalisten berichten dies -, ist wohl ganz überwiegend auf die Schüsse von Hebron zurückzuführen. Ein Schutz von Personen und Gebäuden ist nicht unbe- grenzt möglich. Diese schmerzliche Er- fahrung hat man gerade in Israel machen v on Erklärung von Bürgerschaft und Senat der Hansestadt L übeck: Entsetzen und Absscheu über Brandanschlag auf Lübecker Syn- agoge Bürgerschaft und Senat der Hanse- stadt Lübeck bekunden Entsetzen und Abscheu über den Brandan- schlag auf die Lübecker Synagoge, heißt es in einer Erklärung, die Stadtpräsident Peter Oertling und Bürgermeister Mich: ael Bouteiller am Freitag (25. März) ) veröffentlich- ten. us s fühle sich solidarisch mit seinen jüdischen Mitbürgern, „sie gehören zu uns". Eine am Freitag morgen nach Be- kanntwerden des nächtlichen Brandanschlages einberufene Bera- tungsrunde im Rathaus, an der ne- ben Vertretern des Senates auch Probst Niels Hasselmann teilnahm, beschloß. daß Lübecker Politiker sowie Repräsentanten der Kirche wegen des jüdischen Passah-Festes, das am Sonnabend stattfindet, von Freitag 18 Uhr bis Sonnabend 20 Uhr vor der Synagoge gemeinsam eine Mahnwache halten. Die Lübecker Bürger wurden aufge- rufen. ihre Solidarität mit den jüdi- schen Mitbürgern durch eine Unter- schrift in ein Buch zu bekunden, das ab sofort im Rathaus ausliegt. Es enthält die Worte: „Mit Entsetzen und Abscheu verurteilen wir den kei- gen Brandi anschlag auf die Lübecker S) nagoge, bekunden Solidarität und Mitg efühl mit den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und bekennen uns zu ihnen als unseren Mitbür- gern.“ müssen. Vielleicht wird man aus Israel mehr Verständnis - ein aukmerksam be- obachtendes und differenziertes Ver- ständnis - erhoffen dürfen, als wir hier in Lübeck anzunehmen wagen. Die Politiker - auch in unserer Stadt - sollten diesen schändlichen Brandan- schlag zum Anlaß nehmen, darüber nachzudenken, wie lange sie noch der von Marion Gräfin Dönhokf in diesem Zusammenhang angeprangerten Maxi- mierung als Losung der Marktwirtschaft (immer mehr Freiheit, Wachstum, Pro- fit, Sozialprodukt) nachlaufen wollen. Bernd Dohrendork Erklärung des Vorsitzenden dy Kirchenleitung der Nordelhj schen Evangelisch- -L utherische Kirche und der Lübecker G,. meinden Mit Entsetzen und Abscheu habe, wir vom Brandanschlag in der Nac zum Freitag (25. März) auf die Sy agoge der jüdischen Gemeinded ] Lübeck erfahren und die Zer störun gesehen. Dieses Verbrechen richte sich gegen eine Gemeinde, die nag der Verwüstung der Nation: alsoziz. listischen Zeit im Begriff ist, sich en ches Leben zu entfalten. Dieses Ly ben soll getroffen werden. De; Br ähdanschiag fand gezielt vor den Pessachfest statt, das am 26. Mürziy der Lübecker Synagoge mit |14g Gläubigen aus dem ganzen Layg zum erstenmal wieder gekeiert wer. den soll. Wir Christen können nicht schwej. gen wie 1938. Wir bekunden unser Solidarität mit der jüdischen Gg meinde. Wir stehen an ihrer Seil: und sagen: Wenn Synagogen brey. nen, brennen auch die Kirchen. yj dem Beten des 74. Psalms stimmey wir ein in die Klage: „.Sie verbren. nen dein Heiligtum. Bis auf de Grund entweihen sie die. Wohnuy deines Namens. Sie sprechen in ih rem Herzen: Laßt uns sie ganz unter. drücken. Sie verbrennen alle Gottes. häuser im Lande.“ Es ist auch unsey Bitte, was der Psalmbeter erfley du vor Zeiten erworben hast.“ Wir rufen unsere Gemeinden ry Fürbitte für die jüdischen Mitbürgg auf. Die Stadt Lübeck bitten wir, dj Schutzmaßnahmen für die jüdisch Gemeinde und ihre Gebäude zu ver stärken und alle nötigen Schritte y unternehmen, damit die jüdischey nen. Lübeck den 25. März 1994 Karl Ludwig Kohlwage, Vorsitzen der der Kirchenleitung der Nordel bischen Evangelisch-Lutherischey Kirche Dr. Niels Hasselmann, Propst de Kirchenkreises Lübeck Helmut Siepenkort, Propst der Rö Lübeck Lübecker Blumenspende: Bau von Altenwohnungen und Erfüllung sozialer Aufgaben. Konto Sparkasse Nr. 1-031 442 116 Lübeckische Blätter 194 Mitbürger in Sicherheit leben kön. | misch-Katholischen Gemeinden y I pie 1- [edizini: yortras it von wolf: neu zu bilden und neues gemeindj, Y „Gedenke an deine Gemeinde. de Y In der H nische C hinzu kc Abteilur Lübeckiscl
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