Full text: Lübeckische Blätter. 1994 (159)

ßildende Kunst n der Overbeck-Gesellschaft: Bern- hard Prinz Port, wo letzthin eine Honda Aufsehen erregte, im mittleren Raum des Ausstel- Jjungspavillons, küllen nun vier großfor- matige Fotos die Wand gegenüber der xür, Kinderbildnisse in schweren Rah- nen, von Bernhard Prinz eigens für die usstellung geschaffen und unter dem «Titel „Rebellen“ zu einer Serie zusam- h mengekaßt. Drei Jungen und ein Mäd- : “hen blicken da ernsten Auges aufk den : ßetrachter oder an ihm vorbei, seltsam unkindlich, ausgestattet mit beunruhi- enden Requisiten: alten Büchern, ei- ) tn Stundenglas und einem Totenschä- del wie aus einem barocken Vanitasbild, cinem Kollier aus toten Mäusen und ei- nem ausgedienten Rucksack, die von ßeuys stammen könnten, einem Mus- kelmodell. das Erinnerungen an die anatomie des Dr. Tulp“ weckt, einem Oberarmknochen, einer Zwille schließ- [ ih die ihren etwas lädierten Besitzer î ju einem neuen David hinaukfstilisiert, | ¿inem Kämplker schlechthin. Kinder po- " jeren, kern jeder Verführbarkeit durch die Produkte, wie die Industrie sie heute ¡n Massen zur Befriedigung angeblicher ßedürfnisse der Jugend bereithält und ' eine willfährige Reklame sie anpreist, " kinder, gewillt, sich einen individuellen weg durch die Welt zu suchen, in früh- reifer Oppositionshaltung zu einer Ge- sellschaft, die sich ihrer bemächtigen möchte. Sie heißen hoffen und stimmen zugleich bedenklich, und es lohnt sich schon, eine Weile betrachtend und re- flektierend vor ihnen zu verharren. Die Kinderbildnisse als eindringlich moderne Varianten einer alten kunstge- cchichtlichen Gattung bilden das Zen- ried- rx als 0 mas sg m.. ter 19941 trum der Ausstellung, die im übrigen mit mancherlei Beispielen aus dem früheren schaffen des Künstlers aufwartet. Es handelt sich dabei um Arbeiten, die sich . realisiert mit dem zeitgemäßen Ar- beitsgerät der Kamera - ebenfalls be- stimmten traditionellen Bildgattungen zuordnen ließen. Frauenbildnisse sind da auszumachen, die sich scheinbar an der Renaissance orientieren, und präch- tis barocke Aufnahmen eines wolkenbe- wegten düsteren Himmels. Ein umfang- reiches Ensemble kleinerer Fotos, die man von fern für Pflanzenaquarelle aus dem vorigen Jahrhundert halten könnte, hat im 1. Raum des Pavillons seinen Platz gefunden, während im Oberge- schoß eine Reihe von sieben „Gefäßen“, mit den Mitteln der Beleuchtung ein- Lübeckische Blätter 1994/7 drucksvoll in Szene gesetzt und fast monumental in der Wirkung. von der Vberlebenskraft und der Wiederkehr des Stillebens zu künden scheint. Diese Arbeiten freilich - anders als die „Rebellen“ - geben Rätsel auf. wenn man unter Berücksichtigung ihrer zum Teil verwirrenden Titel über sie zu re- klektieren beginnt. Sie melden hohen Anspruch an. Als „ästhetische Strategi- en im Krieg der Zeichen“ wollen sie gewertet werden, als Denkbilder. als Bausteine einer visuellen Moral. wenn ich recht verstanden habe. und sie bedür- ken als solche - da sie ihren Sinn nicht unmittelbar preisgeben - des interpre- tierenden Kommentars. Dies gilt für die Frauenporträts (als Allegorien) ebenso wie für die „Epedemien“ (als Sinnbil- dern des Todes), und es gilt besonders auch für die gebaute Skulptur, die - be- stehend aus einem fast mannshohen durchlöcherten hölzernen Krug und ei- ner nicht ganz vollendeten hölzernen Schale - im Raum der „Epedemien“ un- ter dem Titel „Schweighof“ auf einem eigens für sie gezimmerten Tisch darge- boten wird, einprägsam und befremd- lich. Was hat es auf sich mit ihr? Viel- leicht hilft's dem verunsicherten Besu- cher der Ausstellung in dieser Frage ja wirklich weiter, wenn er dem Begleit- blatt entnimmt, die Skulptur werde zum Sinnbild für modernes Eremitentum, wenn man dem Titel folge. und bei Krug und Schale handle es sich nicht um Ge- brauchsgegenstände, sondern um künst- lerische Denkmodelle oder Denkmale. die für Formhülsen stünden in einem künstlerischen Recyclingprozeß. einem Prozeß, in dem alte Formvorstellungen entleert und mit neuen aufgeladen wür- den... Mir selbst nützt es zugegebener- maßen nur wenig. (Overbeck-Gesellschaft, bis 17. April, seöffnet täglich außer montags, 10 - 16 Uhr; Führungen; Katalog des Kunstver- eins Hannover) Horst Hannemann Auslie: Hölscher: Malerei und Col- agen Mit großem Engagement nimmt die „BfG Bank AG“. Moislinger Allee 1-3, sich in ihrem Ausstellungsprogramm besonders der Künstlerinnen und Künst- ler aus dem Lübecker Raum an. Im März 1994 stellte sie eine großzügige Aus- wahl der Arbeiten von Annelies Höl- scher vor. Heiteres schien der erste Blick auf die Bildtitel zu versprechen. Im Lü- becker Märchenwald tanzt Schneeweitt- chen, tummeln sich die Zwerge. Rum- pelstilzchen und Aschenputtel, und ein- mal gibt es auch blauen Himmel, und in Venedig feiert man den Karneval. Ein Rückblick auf diese Ausstellung läßt den Reigen der Bilder, der sich auf den zweiten Blick gar nicht so heiter gibt. noch einmal vorbeiziehen. Latent Dä- monisches nannte es Roswitha Siewert in ihrer Einführung in das Werk, was sich da durch die Bilder schleicht. Das Furioso, das ihnen eigen ist, bekam in der großzügigen Hängung Methode. Variationen zum Thema zeigten, daß Annelies Hölscher besonders in den ver- gangenen Monaten locker und verbissen zugleich in der ihr eigenen Technik - oder sollte man Un-Technik sagen - immer wieder einen Horror vacui auf gefetztem Packpapier, dem bröselig- weichen Scheinfile von milßfarbenen Dämmplatten inszenierte. Schrill setzen sich auf diesen unkonven- tionellen Malgründen die Acrylfarben durch. Doch dann zündet die Malerin und weist sich damit als eine solche von besonderer Begabung aus mit eben den- selben Farben ein Feuerwerk schönster Klänge, zum Beispiel erinnere man sich an das im gut belichteten Treppenhaus hängende Märchenwaldbild „„Frau mit weißem Haar“. Und warum kann ich mich dem Bild „.Toscana, Bruna“ nicht entziehen? Warum wird es plötzlich so farbig auf der Malfläche? Aha. kein Acryl. sondern Tempera! Fern aller Kli- schees ist es ein Toscana-Bild par ex- cellence in der Vielfalt verhalten getön- ter Farben des Himmels und der Erde, den brüchigen schwarzen Zeichen für Zypressen. Im Vordergrund beherrscht eine weiße Frauvenfigur die Kompositi- on. Wie gut auf den Punkt des erregen- den Rhythmus dieses Kulttanzes ge- bracht hat die Künstlerin die drei Arbei- ten „Tango-Paar“’! Man spürte bei dieser Ausstellung: Annelies Hölscher ist noch längst nicht an der Grenze ihrer Mög- lichkeiten angekommen. Gerda Schmidt Musik 99. Hauskonzert der „„Gemeinnützi- gen Gesellschaft‘ Nachdem Gisela Kilian. verdienstvolle Initiatorin vieler Hauskonzerte, kurz vor der 100. Veranstaltung die Vorbereitung und Leitung aus der Hand legte. wird zukünftig Susanne Heim die Konzerte durchführen und ihre Erfahrung in die- sem Metier einbringen. Sie hat bei eige- nen .Heim-Konzerten“ bereits mehre- ren jungen Künstlern Unterstützung ge- 109
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