Full text: Lübeckische Blätter. 1992 (157)

so dürfte die dazu beauftragte SPD-Lan- desregierung ihre Grundsatzentschei- dung zur Trassenführung der Ostsee- Autobahn fällen, ohne eine in Lübeck auf breiterer Basis entstandene gemein- same Auffassung verletzen zu müssen - eswird sie nicht geben. Südtrasse zerstört Natur- und Erholungsraum! Die Südtrasse kreuzt die Wakenitz. den Landgraben, den Kanal, die Trave. Vier Gewässerniederungen sind betroffen, die zum Teil einmalige Naturgebiete dar- stellen, zum Teil kulturgeschichtlich von Bedeutung sind, in jedem Fall aber wich- tige Erholungsräume für die Stadtbevöl- kerung sind. Darüber hinaus kreuzt die südliche Anbindung die Ratzeburger Landstraße (Bundesstraße 207), die Kronsforder Landstraße, die Hambur- ger Straße (Bundesstraße 75). Gekreuzt werden die Eisenbahnstrecken nach Hamburg und Lüneburg. Und durch- schnitten wird schließlich die Gemeinde Grönau zwischen Groß Grönau und Klein Grönau. Berührt werden die Orts- teile Blankensee, Wulfsdorf, Vorrade, Niederbüssau, Niendorf. Auf dieser über 15 Kilometer langen Strecke von der Wakenitz bis zur bestehenden Auto- bahn bei Hansfelde eine auch nur teil- weise ausgeführte Tunnellösung zu er- warten, die Mensch und Natur am weite- sten schützen würde, dürfte finanziell il- lusorisch und den Autofahrern nicht zu- mutbar sein. Brückenlösungen bedeuten aber praktisch eine mehrere Meter hohe und kilometerlange durchgehende Tras- se. Ein Landschaftsraum wird als Natur- und Erholungsraum zerstört. Dies wäre wohl die bisher fatalste verkehrspoliti- sche Entscheidung für Lübeck:. Sie ist für die meisten Bürger und Bürgerinnen wohl auch noch nicht richtig vorstellbar, diese Damm-Brücken-Trasse mit noch daraufgestellten Schallschutzwänden. Nordtrasse eine annehmbare Alternative für Lübeck? Die Gutachterstudie enthält unter den insgesamt vier Nord-Alternativen die Variante N2a. Aus Mecklenburg wird die Autobahn unter der Trave durch ei- nen Tunnel im Bereich der Schlutuper Wiek herangeführt. Sie stößt auf Lübek- kischem Gebiet im Flender-Gelände an die Erdoberfläche, könnte aber hier und unter der Herrenbrücke sowie auch bis zum Kraftwerksgelände noch gelände- vertieft an der Trave entlanggeführt wer- den. Erst dort erfolgt der Anschluß an die bestenende Autobahn A 226, die vom Autobahndreieck Bad Schwartau zur Zeit noch direkt in den Stadtteil Kücknitz hineinführt. Der Landschafts- verbrauch ist äußerst gering, er betrifft überwiegend ohnehin sanierungsbedürf- Lübeckische Blätter 1992/3 Definition der „signifikanten“ Varianten: Nord-Variante N2a (aus dem Heft „Ostseeautobahn A 20 - Anbindung Lübeck - Gutachterstudie“) tiges Gelände; eine Lärmbelästigung der Anwohner ist fast ganz ausgeschlossen, führt die neue Strecke doch überwiegend durch einen Tunnel oder liegt im Gelän- deeinschnitt. Verbunden werden könnte mit dieser Lösung eine neue Trassenfüh- rung der Autobahn und Bundesstraße nach Travemünde so, daß in Höhe des Kraftwerks, dort wo die Ostsee-Auto- bahn angeschlossen wird, eine neue Trasse nördlich von Rangenberg ge- wählt, die alte abgebaut und die Orts- durchfahrt von Rangenberg zurückge- baut und damit beruhigt wird und nur noch dem innerstädtischen Verkehr auf der Travemünder Landstraße dient. So könnte eine der verhängnisvollsten ver- kehrspolitischen Fehlentscheidungen zurechtgerückt werden. Die Menschen in Kücknitz und insbesondere in Ran- genberg würden von einer solchen Maß- nahme profitieren. Bernd Dohrendorf 29
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