Full text: Lübeckische Blätter. 1992 (157)

Verseucht Stromkabel wirklich die Ostsee? Anläßlich einer Fachtagung ,„Elektroma- gnetische Verträglichkeit‘ am 29. Okto- ber, die die Fachhochschule Lübeck zu- sammen mit der Medizinischen Universi- tät zu Lübeck und anderen Institutionen veranstaltete, äußerte sich in seiner Be- grüßung der Prorektor der Fachhoch- schule Lübeck, Prof. Dr. Christian Jentsch, zu der Frage der Verseuchung der Ostsee durch Stromkabel, wie sie auch im Beitrag von Dr. Manfred Diehl in den „Lübeckischen Blätter“ auf Seite 280 angesprochen wurde: Wenn man die „Lübecker Nachrichten“ während des letzten Jahres aufmerksam gelesen hat, dann ist man in regelmäßi- gen Abständen mit kritischen Beiträgen zu einem ganz bestimmten Themenkreis konfrontiert worden. Ich meine die Pla- nungen für ein Seekabel von Südschwe- den nach Lübeck und für eine 380-Kilo- volt-Stromtrasse. Befürchtet wird ein- mal die Freisetzung von Chlorgas an den Kontaktstellen des Seekabels -eine typi- sche Schlagzeile lautet: „Stromkabel verseucht Ostsee“ - und zum anderen die Beeinträchtisuang von Menschen durch die beim Betrieb der Starkstrom- trasse auftretenden elektromagneti- schen Felder. Die Kontaktstellen zwischen metalli- schen Stromleitern und Salzlösungen sind im Sinne der Elektrochemie Elek- troden, an denen bei Stromfluß Stoffum- sätze erfolgen müssen. Soweit sind sich alle einig. Einigkeit besteht auch darin, daß an der Kathode als Folge der elek- trolytischen Wasserzersetzung Wasser- stoffentwicklung erfolgen muß. In etwas ausführlicheren Veröffentlichungen der letzten Wochen zu diesem Thema kann man auch lesen, daß die Spannungsreihe dafür verantwortlich ist, daß Wasserstoff und nicht etwa Natrium oder Calcium aus den entsprechenden im Seewasser gelösten Ionen abgeschieden wird. Für die Anode wird dagegen -und das ist bis- her in der Öffentlichkeit unwiderspro- chen - die Bildung von Chlorgas konsta- tiert, ohne daß auch hier die Spannungs- reihe bemüht wird. Täte man das konse- quenterweise, würde man feststellen, daß nicht Chlor, sondern Sauerstoff ab- geschieden werden muß. Die Verhältnisse sind komplizierter, als daß sie durch die Spannungsreihe allein zu erklären wären. Ich möchte hier nur folgendes sagen: Thermodynamisch ist die Bildung von Sauerstoff gegenüber der Bildung von Chlor bei allen Konzen- trationen und pH-Werten bevorzugt. Man muß schon tief in die Trickkiste der Elektrochemie greifen, um an der Ano- de Chlor zu entwickeln. Bei der Chloral- kalielektrolyse gelingt das, indem bei ex- trem hohen Salzkonzentrationen und niedrigen pH-Werten - beides trifft für Seewasser nicht zu - durch speziell aus- gewählte Anodenmaterialien die Sauer- stoffbildung gezielt genemmt wird. Die Bildung von Chlor ist also nicht das Nor- male, sondern ein nur mit technischem Aufwand erreichbarer Sonderfall. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Fachleute der Preussen-Elektra technischen Auf- wand betreiben, um gerade das Ziel der Chlorabscheidung zu erreichen. Die Frage, wie der menschliche Körper Lübecker Chronik Oktober 1992 2. Durch einen Brandanschlag wird ein für Asylbewerber bestimmtes Holzhaus an der Schwimmhalle Zie- gelstraße zerstört. Bürgermeister Michael Bouteiller empfängt im Rathaus eine zehnköp- fige Delegation japanischer Ge- werkschaftsvertreter, die sich zu ei- nem Mleinungsaustausch mit Lü- becker Gewerkschaftlern in der Hansestadt aufhält. 4. Am ,„City-Lauf rund um Lübecks Türme“, der zum fünften Mal statt- findet, beteiligen sich fast 3000 Läu- fer, darunter 30 Spitzenlangstreck- ler aus ganz Europa. 9. Aus Anlaß des Todes von Willy Brandt findet auf dem Marktplatz eine Kundgebung statt, auf der 304 Schleswig-Holsteins Minister für Bundesangelegenheiten Gerd Wal- ther und SPD-Kreisvorsitzender Reinhold Hiller der Verdienste des Ehrenbürgers von Lübeck geden- ken. 14. Für neue Anleger, Betriebsflächen und Bürogebäude wollen Stadt und Lübecker Hafen-Gesellschaft 70 Millionen Mark am Nordlandkai in- vestieren. 19. Der für 3 Millionen Mark errichtete und 356 Autos fassende Parkplatz „Bastion“ auf der Wallhalbinsel wird in Betrieb genommen. Eine Delegation von 20 Wirtschafts- experten aus Lübecks japanischer Freundschaftsstadt Kawasaki hält auf elektrische und magnetische Felder reagiert, ist sehr viel schwerer zu beant- worten. Der Mensch besteht zu 55 bis 60 Prozent aus Wasser. Wassermoleküle haben Dipolcharakter und können des- halb durch elektrische Felder beeinflußt werden. Übergangsmetalle wie Kupfer haben als Bestandteile von Enzymen im Körper wichtige katalytische Funktio- nen. Ubergangsmetalle und ihre Ionen sind aber paramagnetisch und durch ma- gnetische Felder beeinflußbar. Die Beispiele sollen zeigen, daß an der prinzipiellen Beeinflußbarkeit des menschlichen Körpers durch elektrische und magnetische Felder kein Zweifel be- stehen kann. Nur, wir leben recht gut im natürlichen elektrischen Gleichfeld zwi- schen Erdoberfläche und lonosphäre, und dieses kann über Anhöhen durch Konzentration der Äquipotentiallinien durchaus Werte erreichen, wie sie unter Hochspannungsleitungen gemessen wer- den. Das Problem ist, wie auch bei energierei- cher Strahlung und bei toxischen chemi- schen Stoffen: Wo liegt die Grenze, die man als ungefährlich für den Menschen ansehen kann? Vielleicht sind, wie bei- spielsweise bei den toxischen Spurenele- menten Selen und Molybdän, gewisse Dosen sogar lebensnotwendig. Da die Grenzen zwischen essentiell, unbedenk- lich und schädlich nicht wissenschaftlich begründbar, sondern allenfalls empi- risch-statistisch zu ermitteln sind, ergibt sich eine Grauzone für Spekulationen und ideologische Gefechte. sich zu Gesprächen in der Hanse- stadt auf. 21. Mit einer Trauerfeier im Bür- gerschaftssaal des Rathauses nimmt Lübeck Abschied von Willy Brandt, dessen politisches Wirken von Mini- sterpräsident Björn Engholm ge- würdigt wird. 27. Der an der Lübecker Musikhoch- schule lehrende Cellist David Ge- ringas ist mit dem Preis „Kultur ak- tuell 1991“ des Landeskulurverban- des Schleswig-Holstein ausgezeich- net worden. 30. Die Gemeinden Lüdersdorf und Selmsdorf in der ehemaligen DDR werden nach 35 Jahren Unterbre- chung von den Stadtwerken Lübeck wieder mit Erdgas versorgt. -la - Lübeckische Blätter 1992/ 19
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