Full text: Lübeckische Blätter. 1992 (157)

Konzertreise des Kammerorchesters der Lübecker Musikschule nach Nordamerika Es hat sich schon fast zu einer Art Tradi- tion entwickelt, daß das Kammerorche- ster der Lübecker Musikschule unter der Leitung von Frau von der Lippe in den Herbstferien eine Konzertreise unter- nimmt. Nachdem in den letzten Jahren westeuropäische Länder wie Großbri- tannien, Frankreich, Dänemark und Schweden besucht worden waren, folgte das aus 35 jugendlichen Musikern beste- hende Orchester in diesem Jahr einer Einladung der „International Ambassa- dors of Music“, einer Organisation, die Orchesteraustauschprogramme Zwi- schen amerikanischen und europäischen Jugendorchestern realisiert. Die „Inter- national Ambassadors of Music“, die in vielen europäischen Staaten, leider noch nicht in der Bundesrepublik Deutsch- land, Vertretungen haben, reagierten damit auf eine Tonbandautzeichnung des Kammerorchesters, die ihnen von der Musikschule zugesandt worden war und so überzeugend gewesen sein muß- te, daß die jungen Musiker in die Verei- nigten Staaten von Amerika eingeladen wurden. Da große Ereignisse ihre Schat- ten vorauswerken, galt es im Vorfeld der Reise einige Schwierigkeiten zu über- winden, die nicht zuletzt auch finanziel- ler Natur waren, denen aber durch die freundliche Unterstützung einiger Spon- soren, hier sind vor allem der Deutsche Musikrat und die Possehl-Stiftung zu er- wähnen, entgegengewirkt werden konnte. Die jungen Musiker und ihre Dirigentin bereiteten sich in auBergewöhnlich vie- len und langen Proben aut die Reise vor, so daß es dann am 2. Oktober schließlich losgehen konnte. Sie flogen unter der Begleitung ihrer Dirigentin, des Leiters der Musikschule, Herrn Professor Gün- ther Behrens, und des Musikpädagogen Ottokar Horesij von Hamburg über Ko- penhagen, New York, Pittsburgh nach Minneapolis. Dort wurden sie von Marc Utgaard, dem Sohn des Direktors der „International Ambassadors of Music, Martin Utgaard, in Empfang genom- men, der sie auf ihrer IStägigen Konzert- reise durch die Bundesstaaten Minneso- ta und North Dakota begleitete. Viel Zeit, sich auf die Zeitumstellung einzu- richten, blieb den jungen Musikern nicht, denn schon am nächsten Abend gaben sie ihr erstes Konzert in Fergus Falls. Insgesamt besuchte das Orchester über zehn verschiedene amerikanische Städte. Die Rundreise mit dem Bus er- streckte sich von Minneapolis über Alex- andria, Fergus Falls, Jamestown, Fargo, Moorhead, Grand Forks, Devils Lake, Cando, Bottineau und Bismarck zurück nach Minneapolis. Die durch die ,.Inter- 300 national Ambassadors of Music“ organi- sierte Unterbringung der deutschen Gä- ste erfolgte zumeist in Gastfamilien, aber auch in Motels. Das Orchester gab über zehn Konzerte in verschiedenen High Schools, Colleges, Kirchen, Thea- tern und städtischen Konzertsälen, wo- bei sich das Publikum aus allen Alters- eruppen zusammensetzte. So unter- schiedlich das Publikum mitunter auch war, eines hatten sie vom Schüler bis zum Musikprofessor gemeinsam: die Be- geisterung über die dargebotene Musik. Die Musik von Barock bis Impressionis- mus habe solche Güte, daß es schwerfal- le zu glauben, daß es sich bei den Musi- kern „lediglich“ um Schüler handele, die in ihrer Freizeit musizierten, sagte Mar- tin Vtgaard. Die musikalischen Höhe- punkte der Reise waren wohl die Teil- nahme an einem Musikfestival in Fargo und das große Konzert in Bottineau vor zahlreichen offiziellen Vertretern der „International Ambassadors of Music“. In Fargo, wo das Orchester mehrere Ta- ge an verschiedenen High Schools zu Gast war, vereinigten sich die deutschen Gäste zusammen mit ihren amerikani- schen Gastgebern im Rahmen eines Mu- sikkestivals zu einem großen Orchester it über 150 jungen Musikern, die alle gemeinsam unter der Leitung von Frau von der Lippe ein Konzert gaben. Die beiden Solisten des Orchesters, Julia Prigge und Jan Baruschke, waren vor al- lem über das Interesse der Amerikaner an ihrer Musik erstaunt. Die amerikani- schen Gastgeber machten in den ver- schiedenen Städten viel Werbung für die Konzerte, was sich deutlich bei den Zu- hörerzahlen bemerkbar machte, denn trotz der Eintrittspreise waren die Kon- zerte stets zahlreich besucht; mitunter waren nicht einmal genügend Sitzplätze kür alle Interessenten vorhanden. Kein Zweifel, musikalisch betrachtet war die Reise ein voller Erfolg für alle Beteiligten. Doch auch was sich noch ne- benbei abspielte, wird ein unvergeßli- ches Erlebnis für die 35 jungen Musiker der Lübecker Musikschule bleiben, denn die amerikanischen Gastgeber boten den Gästen, soweit es die zahlreichen Proben und Konzerte zuließen, ein reichhaltiges Freizeitprogramm. Dazu gehörte unter anderem auch ein Abstecher nach Kana- da und der Besuch des „Peace Garden“ an der kanadisch-amerikanischen Gren- ze. Ferner befanden sich die Jugendli- chen oftmals auch auf den Spuren der Erschließung des „Landes der unbe- grenzten Möglichkeiten“. Sie besuchten Indianerreservate und alte Forts, so zum Beispiel Fort Toten und Fort Lincoln, mehrere Indianermuseen, Mandan In- dian Village sowie Bonanza Ville. „Die Reise ist nicht nur musikalisch LE- sehen ein großer Erfolg gewesen, son- dern wohl auch ein unvergeßliches Er- lebnis für alle Beteiligten. Unser beson- derer Dank gilt daher allen denjenigen, die dazu beigetragen haben, uns diese Reise zu ermöglichen“, so Professor Behrens, Leiter der Lübecker Musik- schule. Marcus Ostermann Lübeckische Blätter 1992/19 IT “ruuulilhI Lübec
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