Full text: Lübeckische Blätter. 1992 (157)

teile einer Investition im unmittelbar benachbarten Mecklen- burg heute die Gewerbeflächennachfrage in der Stadt bei wei- tem das Angebot übersteigt. Gerade deshalb muß jetzt umge- hend Abhilfe geschaffen und müssen dringend weitere Gewer- beflächen ausgewiesen werden. Mit der Erschließung von 60 Hektar Gewerbeland 1993 in Roggenhorst an der Autobahn, der Erweiterung des Geniner Gewerbegebietes um 50 bis 100 Hektar bis zum Ende des Jahr- zehnts, der stufenweise herzurichtenden Flächen auf dem Ge- lände der früheren Kokerei Herrenwyk von 60 Hektar ab 1995, den für hafennahes Gewerbe vorbehaltenen 25 Hektar im Erweiterungsbereich des Skandinavienkais bis 2000 und den noch zu verdichtenden Gewerbegebietsflächen der frühe- ren Munitionsfabriken in Schlutup, die allerdings nicht in städ- tischem Besitz sind, kann ab 1993 ein gewisser Bedarf, wenn auch zunächst nicht in ausreichendem Umfange, befriedigt werden. Mittelfristig, das heißt in der Zeit von 1995 bis ins nächste Jahrzehnt, werden im Bereich des Hochschulstadtteils zirka 25 Hektar und aut den bis 1994 geräumten Bundesflä- chen zirka 85 Hektar für Gewerbe zusätzlich zur Verfügung stehen. Der bis Frühjahr 1993 vorliegende Gewerbegebietsentwick- lungsplan wird erstmals dringend benötigte qualitative Krite- rien zur Entwicklung und Vergabe des in Lübeck knappen Gu- tes Gewerbefläche aufzeigen. Dabei wird die Frage nach dem Standort eines Güterverkehrszentrums in gleicher Weise be- antwortet werden wie diejenige nach einem Handwerkerge- werbehok. 3.2 Häfen Die neue politische Geographie Lübecks, nunmehr die süd- westlichste Hafenstadt einer „grenzenlosen“ Ostsee, birgt neue Chancen und Risiken für die Lübecker Häfen. Für die Stadthäfen und den Skandinavienkai ist die Verkehrsentwick- lungsprognose überaus positiv. Sie sieht bis zum Jahr 2000 eine Mengensteigerung von über 50 Prozent vor. Das heißt, inner- halb der nächsten acht Jahre wird der Umschlag von heute 17 Millionen Tonnen auf 25 Millionen Tonnen gesteigert werden können. Lübeck, heute der größte Fährhafen Europas und der drittgrößte deutsche Universalhafen, wird seine Position er- heblich ausbauen können. Das ist ein großes Kapital auch für die Beschäftigungssituation der Stadt, in der zirka 1000 Perso- nen unmittelbar, 7000 mittelbar von der Hafenwirtschaft ab- hängen. Bei aller Ungewißheit einer langfristigen Prognose des Ver- kehrsaukkommens sprechen doch verschiedene Gesichtspunk- te für die Möglichkeit dieser kräftigen Mengensteigerung: Lü- beck ist für sämtliche Güter der Ostseeanrainerstaaten im in- terkontinentalen Verkehr und für den Umschlag im kontinen- talen Verkehr westlich und südlich Wismars der kostengün- stigste Platz. Hinzu kommt der immense Vorteil des Vielver- kehrs. So laufen etwa 70 Prozent der finnischen Forstprodukte über den Vorwerker Stadthafen und der Verfrachter am Skan- dinavienkai findet den Roll-on-/ Roll-off-Hafen mit der höch- sten Fährverkehrsdichte Europas vor. Entscheidend für die Wahrnehmung der Chancen ist die hohe technologische Qualität des Hafenplatzes. Infrastruktur, Su- prastruktur, Hafenmanagement gehören ebenso dazu wie die Kooperation mit der örtlichen Hafenwirtschaft und den An- kangs- und Endpunkten der Frachtkette, das heißt den Liefe- ranten und Abnehmern. Der Hafenplatz Lübeck muß bei sei- nen Kunden ein Begriff bleiben für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit. Das setzt neben der im Mai 1988 beschlossenen Modernisie- rung des Unternehmenskonzeptes der Lübecker Hafengesell- schaft und der erstmals 1989 vorgelegten Hafenentwicklungs- planung nunmehr den zügigen und bedarfsgerechten Um- und Ausbau der Hafenanlagen voraus. Die Voraussetzungen dafür 244 sind in einem seit dem Zweiten Weltkrieg beispiellosen Pro- gramm in Gang gesetzt worden. Durch die Inbetriebnahme des 8. Fähranlegers im Herbst 1991 hat sich die schienengebundene Frachtkapazität des Skandina- vienkais allein um 70 Prozent gesteigert. Im Zusammenhang mit dem Fähranleger wurde ein leistungsfähiger Güterbahn- hof mit vier Aufstellgleisen und modernster Signaltechnik an- gelegt. Dafür wurden Investitionen in Höhe von 70 Millionen Mark geleistet. 1991 wurde außerdem der vierte Anleger am Nordlandkai ausgebaut. Im Mai 1992 sind die beiden Kreuz- kahrtanleger am Skandinavienkai und im Burgtorhafen kertig- gestellt worden. Zugleich begannen die Ausbaustufen I und II des Schlutuper Hafens für den Papierumschlag aus Schweden und die Umbauten des Nordlandkais zum Finnlandzentrum. Mit der Fertigstellung dieses von 1988 bis 1994 laufenden Ge- samtprogramms über zirka 250 Millionen Mark wird in dieser Periode ebensoviel investiert wie im Zeitraum seit 1945. Die Notwendigkeit, zügig weitere hafennahe Gewerbeflächen zu erwerben, stellen Stadt und Hafengesellschaft vor neue Aufgaben. Gleiches gilt für die bisher nicht zufriedenstellend gelöste Frage der Verbringung des Baggergutes aus Hafenun- terhaltung und -neubau. Die äußerst komplexe Gesamtaukga- be, die Lübecker Häfen den sich wandelnden Anforderungen anzupassen, hat die Stadt auch dank der Unterstützung der Privatwirtschaft, des Landes und der Bundesvertreter im Auf- sichtsrat der Lübecker Hafen-Gesellschaft bisher bestanden. Mit der mittelfristig zu erwartenden Expansion der Märkte im östlichen Teil der Ostsee und der Realisierung der festen Que- rungen nach Skandinavien stellen sich neue Herausforderun- gen, denen nur eine aktive Akquisitionspolitik und permanen- te Marktorientierung des Hafenstandortes gerecht werden. Dabei hat eine stärkere Kooperation mit den Überseehäfen Hamburg und Rotterdam noch unausgeschöpfte Potentiale. Die Lübecker Hafenwirtschaft ist im übrigen, wie erste erfolg- reiche Ansätze etwa bei gemeinsamen Präsentationen an den wichtigsten Handelsplätzen zeigen, ein wichtiges Feld der Zu- sammenarbeit auch außerhalb der engeren Region. Eine eige- ne Außenpolitik der Stadt ist deshalb gerade für die Weiter- entwicklung der Lübecker Häfen unerläßlich. 3.3 Tourismus Die touristische Attraktion Lübecks besteht in dem Miteinan- der von Weltkulturgut der Altstadt und dem an der Küste vor- gelagerten Ostseeheilbad Travemünde. Lübeck bietet seinen Besuchern Kulturbauten aus acht Jahrhunderten, eine einma- lige mittelalterliche Stadtanlage und dazu ein reichhaltiges LA- stronomisches Angebot sowie bald hervorragende Einkaufs- möglichkeiten. Dazu kommt ein großartiges Angebot an Na- turerholungsräumen. Diese Faktoren werden sich durch die autofreie Innenstadt und die Wiedergewinnung humaner Stra- Ben und Plätze noch verbessern. Mit der Eröffnung zweier Hotels 1991/1992 auf der mittleren Wallhalbinsel und vor dem Burgtor sowie dem bevorstehen- den Bau eines dritten Hotels unterhalb der Marienkirche wur- den beziehungsweise werden die dringend notwendigen Kapa- zitäten und damit Voraussetzungen für ein zukunftsweisendes Tourismuskonzept geschaffen. Weitere Verbesserungen sind etwa beim Incoming-Bereich und in Sachen eines touristischen Leitsystems geboten, um den Aufenthalt des Gastes noch an- genehmer und abwechslungsreicher zu gestalten. Im Ostseebad Travemünde kann der Gast sowohl Strand und Natur als auch die Attraktion des größten Fährhafens Europas erleben. Diese Kombination ist ein entscheidender Vorteil ge- genüber angrenzenden Bädern. Es gibt jedoch Mängel in Tra- vemünde, die das verbesserte und professionellere Marketing der letzten Jahre allein nicht ausgleichen kann. Die Steige- rungsraten unseres Ostseebades fallen daher weit geringer aus als die der attraktiven Altstadt. Lübeckische Blätter 1992/16
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