Full text: Lübeckische Blätter. 1992 (157)

becker Stadtpolitiker kommen können, als nämlich Ende letzten Jahres der Bür- germeister - der zugleich auch oberer Denkmalpfleger in der Stadt ist - von ei- nem Trauerspiel sprach und eine Um- orientierung forderte: „Weltkulturgut 1987 heißt im wesentlichen Schutz der Struktur dieser Stadt, weniger der ein- zelnen Brandmauern, weniger der ein- zelnen mittelalterlichen Bodendenkma- le wegen, sondern des komplexen Gan- zen der Stadtstruktur wegen. Und das bedeutet eben dann auch, daß in der Pla- nung dieser Gedanke hätte starken Ein- gang finden müssen“ (siehe „Lübecki- sche Blätter“ Heft 11). Konkret forderte der Bürgermeister, durch Beschluß der Bürgerschaft den Vorrang der Denkmal- pflege gegenüber den anderen Nut- zungsfunktionen der Innenstadt festzu- legen. In der Zielbestimmung für die Altstadt müsse ein Wechsel eintreten. Die 1975 beschlossene Gleichrangigkeit von „Kulturdenkmal“, „Cityfunktion“, „Wohnen“ sei überholt. Der dieser Gleichrangigkeit zugrundeliegende S-4- Bericht und die Beschlußfassung dazu müßten überarbeitet werden. Die alten Strukturen, insbesondere die mittelal- terlichen Parzellengrenzen, dùürften nicht mehr überschritten werden. Entla- stungsbereiche für die City-Funktion wä- ren zu schaffen, so auf der nördlichen Wallhalbinsel und im Bahnhofsbereich. Bouteiller hatte hier eine Initiative des Bürgermeisters als Denkmalpkleger an- gekündigt, zu dem S-4-Bericht eine neue Beschlußlage herbeizuführen, die dann insbesondere eine Priorität für die Funk- tion „Kulturdenkmal“ beinhalten soll. Er sagte dies im Zusammenhang mit ei- nem weiteren Bericht zu, den er der Bür- gerschaft zu geben hätte. Dieser neue Bericht ist seit langem über- fällig. Am 14. November letzten Jahres hatte die CDU-Fraktion beantragt, die Bürgerschaft möge beschließen, der Bürgermeister in seiner Eigenschaft als obere Denkmalpklegebehörde solle dem Stadtparlament zu seiner Dezember-Sit- zung berichten, ob er beabsichtige, von den Grundlagen des S-4-Berichts abzu- weichen. Zugrunde lag diesem Antrag der Christdemokraten aber offenbar nicht die nach der Erklärung der Lübek- ker Altstadt zum Weltkulturerbe ent- standene Sorge um die Verwirklichung der endlich erforderlichen eindeutigen Stärkung der Funktion ,„Kulturdenk- mal“. Vielmehr sind immer noch in den Vordergrund gestellte wirtschaftliche, Gesichtspunkte Auslöser dieses Vorpre- schens. Nun soll endlich nach mehrmali- gem Vertagen die Bürgerschaft in ihrer Sitzung am 24. September diesen Bericht behandeln. Der „Bericht des Bürgermeisters zu den Grundlagen des S-4-Berichtes“ (siehe untere Seite) ist in der Tat nur ein Be- richt, und knapp zudem. Es fehlt die an- gekündigte Initiative, eine neue klare Beschlußlage herbeizuführen, nach der dann die Priorität für die Funktion „Kul- turdenkmal“ das stadtplanerische Ge- schehen zu bestimmen hätte. Es dürfte nicht einfach sein, die aufgekommene Vermutung zu zerstreuen, in der größten Fraktion der Bürgerschaft, der SPD- Fraktion, gäbe es keine Mehrheiten für eine Umorientierung bei der Festlegung der Zielbestimmungen für die Altstadt. Oder liegt es daran, daß die Sozialdemo- kraten sowohl den Bausenator als auch den Kultursenator stellen? Der eine möchte gerne moderne Nutzungsansprü- che ermöglichen und sich Umbau und Neubau offenhalten, der andere gerne traditionelle Funktionen sicherstellen und Zerstörung und Verfall abwenden. Das dem Bericht beigefügte Antwort- schreiben des Bürgermeisters Michael Bouteiller an Lyndel V. Prott von der UNESCO tiel denn auch entsprechend flau und ziemlich nichtssagend aus (siehe nächste Seite). Kaum eine der sieben konkret gestellten Fragen konnte befrie- digend beantwortet werden. Wie enttäuschend! Lübeck zwischen Er- haltung und Erneuerung. Bericht des Bürgermeisters zu den Grundlagen des „„S 4-Berichtes‘ Bürgerschafts-Drucksache Nummer 1480 vom 14. 8. 1992 Der Bürgermeister ist unter dem Gesichtspunkt der Eintra- gung Lübecks in die Welterbeliste der UNESCO der Mei- nung, daß die drei Planziele des S4-Berichts 1. Die Innenstadt . . . ist in der Gesamtheit ihrer kunsthi- storischen Werte und stadtbildpflegenden Elemente als nationales und internationales Kulturdenkmal zu erhalten b Die Innenstadt bleibt . . . Standort zentraler und ober- zentraler Einrichtungen für die Versorgung der Be- völkerung der Hansestadt Lübeck und ihres Einzugs- bereiches 3. Die Innenstadt soll auch in Zukunkt Wohnort für un- terschiedliche Bevölkerungsgruppen sein insofern Bestand haben können, als der S4-Bericht aus- drücklich davon ausgeht, daß „dem vorgeschlagenen Ziel- system ... dem Ziel Erhaltung der Innenstadt als Kultur- denkmal eindeutig der Vorrang gegeben“ wird (S4-Bericht Seite 23). In seiner zusammenfassenden Bewertung kommt der S4- Bericht zu dem Schluß, daß die drei geforderten und als not- wendig erkannten Planziele nur dann langfristig gemeinsam verwirklicht werden können, wenn eine Strukturvariante B als Grundlage der Planung dient. Mit ihrem Beschluß zur Drucksache Nummer 668 von 1975 ist die Lübecker Bürgerschaft allerdings von dem Vorschlag der Verwaltung im S4-Bericht abgewichen. Solange die Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung sta- gnierte beziehungsweise rückläufig war, schienen die Ziele des S4-Berichts mit dem ausgewählten Strukturmodell auch erreichbar zu sein. Jetzt, wo Lübeck in eine Phase des Wachstums eingetreten ist, droht sich die Entwicklung zu Lasten der Erhaltung des Kulturdenkmals Lübecker Alt- stadt zu vollziehen. Aus diesem Grund hat der Bürgermeister die Lübecker Bürgerinnen und Bürger und insbesondere die Lübecker Bürgerschaft auf die Gefahren hingewiesen, die dem Welt- kulturgut Lübecker Altstadt drohen. Er möchte die Er- kenntnis wecken, daß weder die vorhandenen Instrumenta- rien wie das Denkmalschutzgesetz, der derzeitige Rahmen- plan oder die Erhaltungs- und Gestaltungssatzung, noch die materielle und personelle Ausstattung der Denkmalschutz- ämter (Amt für Denkmalpflege und Amt für Vor- und Früh- geschichte) ausreichen, um diese Gefahren wirkungsvoll abzuwehren. Er ist der Meinung, daß das Weltkulturgut wirkungsvoll nur zu schützen ist, wenn erstens die Instrumentarien von Städ- tebau und Denkmalpflege fortgeschrieben werden, und zwar im Hinblick aut den Schutz der historischen Altstadt- struktur mit ihren Grundstücksparzellen, Block- und Quar- tierstrukturen sowie im Hinblick auf das Gefüge ihrer Stra- Ben und öffentlichen Räume. Ein Beispiel für eine derartige Fortentwicklung ist die Anregung des Bürgermeisters bei der Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kul- tur des Landes Schleswig-Holstein, für das Baudenkmal Lü- becker Altstadt in seiner Gesamtheit eine spezielle Schutz- norm zu schaffen. Zweitens müssen dringend für großflächige gewerbliche Nutzungen Entlastungsflächen außerhalb der Altstadtinsel entwickelt werden, wie zum Beispiel auf der Wallhalbinsel oder im Bahnhofsbereich. 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