Full text: Lübeckische Blätter. 1992 (157)

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Der Spruch dürfte etwa 700 Jahre alt sein; zu lesen ist er auf einem der in lateinisch verkfaßten, in schönen Unzial-Buchstaben geschrie- benen Schriftbänder unter lebensgroß gemalten Heiligenkiguren auf der Nord- wand des Dielenraumes von Königstra- Be 51. Neben König Salomo - den dieser schöne Spruch wohl zu erkennen gibt - sitzt David mit der Harfe und ein weite- rer, noch nicht identifizierter Herrscher (Melchisedek? Ludwig der Heilige?). In voller aufrechter Größe dann der heilige Christophorus. Eine reiche Folge von Wappen mit Helmen und Federbüschen schließt sich an, auf der Südseite gegen- über sind noch Lilien- und Rosenkfriese dazugesetzt. Der eindrucksvolle Saal- raum - etwa 180 Quadratmeter groß, 5 Meter hoch - steckt noch voller Rätsel; sicher ist nur, daß wir uns in einem ehe- maligen „Kaufkmannshaus“, einem Bür- gerhaus also, befinden, nicht in einer Kirche, auch nicht im Palas einer Burg. Diese Dielenhalle - mit ihren zunächst nur in Teilen freigelegten Befunden - wird als „gerettet“ klassifiziert; das Lü- becker Denkmalamt, so liest man, „üeht davon aus, daß auch die alte Deckenhö- he bleibt“. Der spätere Nutzer „Hennes & Mauritz“ will aber für sein neues Kauf- haus an der Königstraße durchgehende Geschoßhöhen; der inmitten der Ab- bruchwüste aufragende 5 Meter hohe „Zahn“ Nummer 51 tangiert schmerzlich seine „berechtigten wirtschaftlichen Be- lange“. Setzt „Hennes & Mauritz“ sich ~ wider Erwarten - doch durch, werden den Heiligen die Köpfe abrasiert: Lü- beck hat allen Anlaß, den Erhalt dieser Halle als letztes, hoffentlich im Sinne der Denkmalpflege konserviertes Zeugnis der ehedem hochkarätig bebauten östli- chen Markt-Randlage zu fordern. Der Schaden, den der Grundstücksver- werter („Lübecker Nachrichten“), der Investor („Cambridge Investissements“, vertreten durch die Hamburger Immobi- liers C. G. B.) und die Stadt Lübeck zu- sammen an diesem Bestandteil des „Weltkultur-Erbes“ anrichteten und weiter anrichten, ist - gemessen an den gegenüber der UNESCO eingegangenen Verpflichtungen gemäß dem Werteka- non des ICOMOS-Komitees -eine einzi- ge Katastrophe. Das Endergebnis: Erhalten bleiben ne- ben den Gewölbekellern an der König- Lübeckische Blätter 1992/12 bst nicht ewig“ straßenfront (49, 57) nur, wie erwähnt. die Erdgeschoßwände von Nummer 51, hokkentlich die zugehörige Dielendecke., vom Obergeschoß etwa 3 Meter tiefe Scherwände hinter den Fassaden und der Rest des spätmittelalterlichen Flügelan- baus. Von Nummer 53 ist nur noch ein wenige Quadratmeter großes Mauer- stück mit dem Rest einer Heiligendar- stellung übrig. Stehengeblieben und per Eisenkorsett gestützt sind die gründer- zeitlichen Fassaden Doktor-Julius-Le- ber-Straße 34/38 (34 mit einem mittelal- terlichen Giebelrest) und die Neorenais- sance-Jugendstil-Front des Coleman- Hauses Königstraße 57. Auch die wilhel- minischen Fassaden Königstraße 49 und S1 sollen stehenbleiben. Alles andere ist oder wird abgebrochen und weggekarrt, namentlich die hochmittelalterlichen Brandmauern von Königstraße 53-57 und Doktor-Julius-Leber-Straße 34/38 mit wichtigen Architektur- und Ausstat- tungsdetails. Besonders eindrucksvoll die in zwei Geschossen übereinanderge- stellten, von rationalem statischen Kal- kül kündenden gotischen Entlastungsbö- gen, von großem Reiz die unterschiedli- chen Formen der Schrank- und Lichtni- schen. Als Novum für die Wissenschaft kand sich eine aufwendige Warmlutt- Wandheizung im Obergeschoß von Kö- nigstraße 55, in der Doktor-Julius-Le- ber-Straße ein gotisches Waschbecken in einer tiefen Stichbogennische der Brand- wand. Die gesamte nördliche Oberge- schoßwand des Coleman-Hauses war mit einer von der Straßen- bis zur Hoffassa- de durchlaufenden Quadermalerei be- deckt, die noch qualitätvoller als die gleichaltrige Malerei in der Katharinen- kirche gewesen sein dürfte. Mit dem Un- terschied, daß für die Freilegung und Konservierung der Quaderung in Sankt Katharinen Millionenbeträge ausgege- ben werden. Auch auf den anderen ab- gebrochenen Wänden sind umfängliche Malerei-Ausstattungen festgestellt wor- den, Quaderungen aus verschiedenen Zeiten, Ranken- und Landschaftsdar- stellungen. Von Anfang an aufgegeben waren die reichen spätbiedermeierlich- fkrühwilhelminischen Zimmerkolgen, ins- besqndsrs Doktor-Julius-Leber-Straße Die etwas weniger betroffene Zeile Fleischhauerstraße 31-37 büßt einen Großteil der gotischen Brandwände im Erdgeschoßbereich ein. Der ehemals freie über 3500 Quadratmeter große Blockbinnenbereich, Teil des archäolo- gischen Welterbes, wird 3 bis 5 Meter tief ausgekokfkert. Gelände der „Lübecker Nachrichten“ Sie haben es also getan und sie tun es weiter. Eine schrundige, erschreckende Bresche ist in die Altstadt hineingeschla- gen worden. Wie gelähmt, ungläubig ha- ben wir zugeschaut: vor unseren Augen sind einmalige Befunde für immer ver- schwunden. Wir alle sind ärmer gewor- den. Natürlich lassen die - im übrigen dan- kenswert eindeutigen - Ausführungen von Bürgermeister Michael Bouteiller zu dieser denkmalpflegerischen und städte- baulichen Pleite viele Fragen offen. Wer möchte nicht gern wissen, weshalb die Lübecker Denkmalptlege sich nicht per Gesetz Zugang zu den vom Projekt tan- gierten Areal verschaffte, weshalb sie letztlich eine Planung billigte, die ihrem elementarsten Grundsatz zuwiderlief: „Erst forschen, dann planen“. Weshalb sind die im Amt im Grundsätzlichen be- kannt gewesenen Tatsachen - Gewölbe- keller, Wandstärken, Übereinstimmung des Katasters mit der historischen Par- zelleneinteilung - denn nicht Anlaß zu offensivem Handeln gewesen? Weshalb ist der Denkmalschutz gemäß s 7 Denk- malschutzgesetz nicht ausgesprochen worden, als die „Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung“ entdeckt wur- den - die, so die Definition, nach $5 Denkmalschutzgesetzré nur „Kultur- denkmale“ sind, wenn diese in die Denk- malliste eingetragen sind? Weshalb hat die Stadt Lübeck den mehrfachen Inve- stor-Wechsel nicht genutzt, um einen Planungsstopp zu bewirken und damit Zeit für eine vernünftige Alternative zu gewinnen? Haben andere als persönliche wirtschaftliche Interessen von Grund- stücksbesitzern die Ausweisung als „Kerngebiet“ begründet oder anders ge- fragt: Was hat die Lübecker Stadtpla- nung bewogen, einer Ausweitung der „City“ in die kleinparzellierte Ostseite der Stadt hinein das Wort zu reden? Schließlich wüßte man auch gern, wes- halb man sich völlig den Rechts-Vorstel- lungen des Lübecker Rechtsamts auslie- ferte und manch anderes mehr: weshalb beispielsweise die Stadt so volltönend beschwichtigt, weshalb wider besseres Wissen die Unwahrheit gesagt wird - et- wa in der Presse-Erklärung vom 10. 4., die im Sinne einer Rechtfertigung als Brief des Amtes für Denkmalpflege al- len auch von der Bürgerinitiative „Rettet Lübeck“ um Hilfe gebetenen Institutio- nen und Persönlichkeiten zugestellt wur- de, weshalb das Amt für Denkmalpflege in einer geradezu klassischen Bunker- Psychose allen fürs Amt auf der Baustel- le tätigen Personen per zu unterzeich- 175
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