Full text: Lübeckische Blätter. 1992 (157)

Sonate für Klavier und Bratsche Nr. 2 Es-Dur eine dezentere Ausdeutung vor, die von der Wärme ihres in tiefer Lage sonor ausschwingenden Instruments ge- tragen wurde. Dabei ergab sich vollen- dete Gleichberechtigung unter den Part- nern. Deuteten auch alle Titel auf gewis- se Vormachtstellung des Klaviers, so übertrieb James Tocco diese keinesfalls, selbst wenn er den weit geöffneten - und für diesen Saal zu großen - Flügel ange- messen strapazierte. Es war ein Genuß, den versierten Pianisten in seiner Beglei- terrolle auftrumpfen zu hören. Steigerung in Technik und Ausdruck schien nach Vorangegangenem kaum noch möglich. Doch bot das Gespann aus James Tocco und David Geringas (Cello) mit der Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1 e-Moll eine hinreißen- de Darstellung. Sie war von einer idealen Synthese aus Temperament und Innig- keit der Interpretation geprägt und ließ diese Sternstunde der Kammermusik in hellstem Licht leuchten. Erscheint es zu hoch gegriffen, die Ergebnisse eines so erfolgreichen Symposiums in Ton und Text durch die Produktion einer Platte oder Kassette für eine breitere Öffent- lichkeit zu dokumentieren? Auch war er- freulich festzustellen, daß auffallend vie- le Studenten gekommen waren. Da sie aber bereits lange vor Beginn einen Großteil des Saales besetzten, blieben für die zahlreichen langjährigen Besu- cher der Hochschulveranstaltungen nur wenige Plätze übrig. Hans Mlillies J. S. Bach - Ein Abend in Köthen Hatte am vorangegangenen Abend Lü- becks Musikhochschule mit einem ex- quisit gebotenen Brahms-Programm aufgewartet, gab nun ein Bach-Abend für Kammerorchester mit Kräften des Norddeutschen Rundfunks plus Lübek- ker Domorganist im Kolosseum einen weiteren Beweis für auBergewöhnliches Kulturangebot in unserer Stadt. Wenn der Rezensent die vorjährige Dar- bietung der Bachschen h-Moll-Suite durch Mitglieder des Städtischen Orche- sters im Kolosseum oder kürzlichen Auf- tritt des Leipziger Bach Collegiums mit dem Trompeter Ludwig Güttler beim Verein der Musikfreunde etwas harsch kritisierte, durfte er nun mit Recht be- haupten, daß die Mitwirkenden dieses Benefizkonzerts für den Neubau der Musik- und Kongreßhalle ein Progftamm boten, das sich durch vorbildliche stilisti- sche Werktreue auszeichnete. Mit Ver- gnügen hörte mandie Moderation durch Uwe Röhl, den Initiator dieser Veran- staltung. Es erklangen Werke des jungen Kapellmeisters am Köthener Hokt. Ihre Wiedergabe leiteten zumeist die Solisten des Ensembles, in dem sich drei Kon- zertmeister abwechselten. 166 Festliche Einleitung bildete die Suite in h-Moll. Sie strahlte mit ausgreifenden Ouvertüren-Schritten in gezügeltem Drive der Auftaktigkeit majestätischen Glanz aus und erschien im Zusammen- klang nie kompakt, sondern -speziell im Fugato - stets luftig und durchsichtig. Durch den Flötisten Wolfgang Ritter er- hielten die barocken Tanzsätze zurück- haltenden Charme, bis die fröhliche Ba- dinerie ernste Festlichkeit sprengte. Thomas Brandis packte als Solist die Ecksätze des Violinkonzerts E-Dur schwungvoll an und ließ das Adagio ein- drucksvoll ausschwingen. Den I. Satz des 5. Brandenburgischen Konzerts spielten Wolfgang Ritter und Uwe Hai- berg (Violine) mit warmer Farbgebung. Hartmut Rohmeyer ließ die rasante Cembalo-Kadenz abschnurren. Ulf Hoelscher und Uwe Haiberg waren die Violinsoliten im Doppelkonzert d- Moll, dessen griffige Thematik - abgese- hen vom etwas blassen Largo - sonoren Glanz ausstrahlte. Und dann setzten die Trompeten-Brüder Läubin und Klaus Reinke der prachtentfaltenden D-Dur- Suite die Krone auf. Man verüble dem Rezensenten nicht sei- ne Begeisterung, denn dieser Abend war für ihn eine lange gewünschte „Recrea- tion des Gemüts“, wie sie nur selten so vollendet geboten wird. Hans Mlllies Antonin Dvoták: Stabat mater Konzerte des Lübecker Bach-Chores un- ter Leitung seines engagierten Dirigen- ten Klaus Meyers erfreuen sich nicht nur einer großen und interessierten Zuhö- rerschaft, sondern haben für das Lübek- ker Kirchenmusik-Leben auch immer wieder deutliche Qualitätsmaßstäbe ge- setzt. Das jüngste Konzert am 15. März in der vollbesetzten Sankt-Petri-Kirche machte da keine Ausnahme. Hierfür hatte Meyers mit seinem Chor das „Stabat mater“ von Antonin Dvokäák einstudiert. Es ist das erste größere kir- chenmusikalische Werk des tschechi- schen Komponisten und zeichnet sich vor allem durch expressive, bisweilen na- hezu kühne Harmonik aus, die das viel- strapazierte Klischee vom „böhmischen Musikanten“ bisweilen recht entschie- den in Frage stellt - wiewohl sich zwei- felsohne auch der Melodiker Dvoktkäk nicht verleugnet. So findet man im ,.Sta- bat mater“ ein überaus farbenreiches und ausdrucksstarkes Stück voller ro- mantischer Empfindung vor. Mit einem uneingeschränkt souveränen, vor allem aber äußerst lebhaften und spannungsgeladenen Dirigat spürte Klaus Meyers den vielfältigen Facetten des Werkes intensiv und erfolgreich nach. Der Bach-Chor reagierte mit der gewohnten, auf hervorragende Schulung schließen lassenden Genauigkeit, hätte jedoch der gewiß nicht unproblemati- schen Akustik durch ein Mehr an Text- verständlichkeit noch erfolgreicher be- gegnen können. Großes Lob verdienten in jedem Fall die blitzsauber intonierten, heiklen A-cappella-Passagen. Alle vier Gesangssolisten trugen auf ho- hem Niveau zum Gelingen des Konzerts bei: Agathe Kania sang mit angeneh- mem Timbre und großen Spannungsbö- gen; ihr ebenbürtig Angela Nick (Alt). Henner Leyhe (Tenor) bewies beson- ders in seinem Solo „Fac me vere tecum flere‘“ großes gestalterisches Können und Iyrisches Empfinden; Peter-Chri- stoph Runge (Baß) beherrschte seinen von Tonumfang und Gestaltung her glei- chermaßen umfassenden Part mit großer Uberlegenheit und Vielseitigkeit. Be- sonders erfreulich wirkte ferner die Ho- mogenität der Sänger in den mehrfachen Duetten und Ensembles, die das musika- lische Konzept entschieden mittrug. Nach der mehr kammermusxsikalischen Mitwirkung bei Purcells „Fairy Queen“ war die Schweriner Philharmonie nun- mehr in kompletter romantischer Orche- sterbesetzung angereist und folgte an al- len Pulten aufmerksam und kompetent den Intentionen des Dirigenten. Als er- freulich erwies sich auch hier die Ge- schlossenheit innerhalb des Orchester- zusammenklangs: Stellvertretend hier- kür mögen die Blechbläser genannt sein. Der lebhafte, lange Beifall nach einigen Sekunden der Stille bewies ein hohes Maß an Anerkennung für Klaus Meyers und alle Beteiligten. Manfred Johannsen „Der Lübecker Totentanz‘ in Sankt Petri Die ausgedehnte Veranstaltungsreihe „„Palmarum 1942-1992“ war Anlaß zu einem großangelegten Projekt: in der Lübecker Petri-Kirche gelangte der „Lü- becker Totentanz“ von Walter Kratt, dem vormaligen Marien-Organisten, zur Aufführung. Das Werk ist in seiner ur- sprünglichen Gestalt zum einen auf die mittelalterlchen Totentanz-Gemälde Bernt Notkes bezogen; zum anderen spielt der Eindruck der schrecklichen Bombennacht am Palmsonntag 1942 un- mittelbar mit hinein. Die Neuproduktion in der Regie Dr. Walter Hollenders ist in ihrer Konzep- tion weiterführend. Ausgehend davon, daß das durch die Pest-Epidemien des 14. und 15. Jahrhunderts entstandene Bild des Todes als Sensenmann durch ein heutiges und möglicherweise viel schlim- meres Bild abgelöst worden ist, weitet die Inszenierung das zeitliche Umfeld bis in die unmittelbare Gegenwart aus und stellt den entsprechenden Bezug her durch das Auftreten einer weiteren To- desfigur, hier ,„feister Tod“ genannt, die dem ,alten Tod“ gegenübersteht und - Lübeckische Blätter 1992/11 äußer mend techn Es ist lungs. rung schen stus d druck lung, Elem den 1 Texte ren Ve Det i des W tig ge tiert i: rung ( lichke nie..1. phisct Rössl lichke und E In de wulste und - Tod) Darsti überzc Kirche hatte: nomm de Ost der kc alterli gelege Efkkekt stilisie hohes menta umsicl reich
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