Full text: Lübeckische Blätter. 1992 (157)

a) der Einrichtung von Inventaren (In- ventarisierung des Amtes für Denkmal- pflege = Zielplanung) gegeben werden, mit deren Hilfe ein grober UVberblick über das kulturelle Erbe erreicht wird, welches durch öffentliche und private Bautätigkeit leicht gefährdet werden kann (Paragraph 4) und b) der Bestimmung der verhältnismäßi- gen Bedeutung (Einstufung des Denk- malwertes) des betreffenden Kulturgu- tes/-eigentums gegeben werden, wenn es darum geht, Maßnahmen zu seiner Erhaltung zu ergreifen. Wenn diesen Maßregeln gefolgt wird, sollten sie die Zahl der Fälle verringern, bei denen (Baugenehmigungen erteilt) Bauanträge gestellt werden, jedoch verhältnismäßig wenig über den kulturellen Denkmal- wert/ Wert des Grundstückes bekannt ist, und Gesetzesfristen eine Entschei- dung in zu kurzer Zeit festsetzen, um ei- nen ausreichenden Überblick zu gewin- nen. Hier denke ich insbesondere an die Häuser in der Königstraße, in denen mit- telalterliche Brandwände und die auf ih- nen vorhandenen aufeinanderfolgenden Ausschmückungen/ Ausstattungen ein bedeutsames geschichtliches Archiv aus- machen. Wenn ich die Situation richtig verstanden habe, ist die Wahrscheinlich- keit solcher Brandwände in Lübeck nicht genau absehbar, und dies könnte küntti- gen Investoren (Entwicklern, Spekulan- ten) deutlich gemacht werden. Drittens eine Politik der wissenschaftli- chen archäologischen Erforschung könnte die gegenwärtige Praxis ersetzen, bei der es sich um weitgehend aut Ret- tungsgrabungen beschränkte Tätigkeit handelt. Die erwähnten Empfehlungen fordern (Artikel 9), daß das Kulturgut nur vom Fundort entkernt, aufgegeben oder zerstört werden darf, wenn unum- geängliche soziale und ökonomische Gründe dies erfordern. Wo derartige Entfernung, Aufgabe oder Zerstörung beschlossen sind, ,.,sollten die Rettungsarbeiten immer eine sorg- fältige Untersuchung der einbezogenen Kulturgüter und die Erstellung ausführ- licher Berichte einschließen.“ Weiterhin empfehlen die „Empfehlungen Interna- tionaler Prinzipien zur Anwendung bei Archäologischen Grabungen (Para- graph 4)“ von 1956, daß jeder Staat den Schutz seines archäologischen Erbes si- cherstellen soll. Beide (genannten Emp- fehlungen) verlangen, daß ausreichend Zeit gegeben werden muß, um eine an- gemessene wissenschaftliche Untersu- chung der (historischen) Hinterlassen- schaft auszuführen. Es ist daher unglück- lich zu nennen, daß auf einer so großen Fläche, wie sie im Augenblick für das LN-Projekt geräumt wird, nur Zeit für kurze Überblicke bleibt und daß vieles 160 von dem archäologischen Reichtum die- ses wichtigen Grundstückes/ Gebietes ofkensichtlich/ augenscheinlich zerstört wird, ohne sorgfältige Untersuchung, die es verdient. Auch wenn die Schwie- rigkeiten, ein begonnenes Bauprojekt zu unterbrechen, anerkannt werden, bleibt zu fragen, ob die Stadtverwaltung über- zeugt ist, daß sie jeden möglichen Schritt unternommen hat, um dem zur Zeit täti- gen Archäologenteam soviel Zeit als ir- gendmöglich gegeben hat, um die Kenntnis/das Wissen - enthalten in dem vorhandenen Bodendenkmal - zu ret- ten, welches, wie es scheint, wohl unwie- derbringlich zerstört wird. Im Hinblick auf die Empfehlungen des Welterbekomitees, die „Pufferzone“ be- treffend, mag es nützlich sein, die 1976er Empfehlungen betreffend die Erhal- tung/ Sicherung und gegenwärtige Be- deutung/ Rolle historischer Gebiete und 1962er Empfehlungen betreffend die Si- cherung/ Erhaltung der Schönheit und Eigenart von Landschaften und Gebie- ten genauer zu beachten. Die früheren erwähnen insbesondere die Wichtigkeit der Blicke/Blickbeziehungen auf und von historischen Gebieten. Sie führen weiterhin viele Punkte/ Faktoren aut, die bei der Erstellung von Stadtplanun- gen in Betracht gezogen werden sollten, zum Beispiel die Beibehaltung der räum- lichen Organisation und ihrer Umge- bung (der historischen Gebiete), Schutz vor Umweltbelastungen (pollution = Luftverschmutzung), Wechsel in der Be- bauungsdichte und in Typen für Wohn- zwecke. Noch einmal, es besteht eine dringende Notwendigkeit eines vollstän- digen Überblicks/ Untersuchens des Ge- bietes! Haben die Verantwortlichen Überlegun- gen angestellt derart, daß bereits in der Anfangsphase des allgemeinen Pla- nungsprozesses die Amter für Denkmal- pflege und Bodendenkmalpflege betei- ligt sind, so daß der Plan allgemein Ziele setzen kann zur Erhaltung der Welterbe- werte (Erhalt in Bestand und Wertig- keit) in Lübeck, bei welchen die oben ge- nannten Gesichtspunkte / Faktoren Be- rücksichtigung finden? Um zusammenzufassen: Ich denke, das Welterbekomitee hätte gern folgendes beantwortet: - Welche Änderungen sind in der Stadt- planungspolitik seit 1987 eingetreten, die den Welterbestatus des Gebietes berücksichtigen? - Haben die Prinzipien der UNESCO- Empktehlungen, die Charta von Vene- dig und Florenz von ICOMOS, das ICOMOS-Handbuch (Guide) zur Verwaltung historischer Städte in den gegenwärtigen Lübecker Planungen/ im gegenwärtigen Lübecker Stadtplan Berücksichtigung gefunden? ~- Werden diese Prinzipien bei Entschei- dungen über die zukünftige Nutzung gegenwärtiger Baulücken in Betracht LEzogen? - Ist es möglich gewesen, die verfügba- ren Mittel zu erhöhen (materieller Art und Personen) zum Zwecke der Erhal- tung? - Werden die Verantwortlichen in Zu- kunft in der Lage und willens sein, dem Welterbekomitee zuerst Mittei- lung zu geben von Projekten (in Pla- nung / Diskussion), welche bedeuten- de Anderungen innerhalb der Schutz- zone hervorrufen (Paragraph 47 der Guidelines)? - Betrachten die Verantwortlichen die gegenwärtig gegebene Gesetzgebung als ausreichend und vereinbar mit dem Grundgedanken der Welterbekon- vention und den Empfehlungen, die ICOMOS zur Zeit der Eintragung aus- sprach? - Kann etwas unternommen werden, um sicherzugehen, daß historisches und kulturelles Wissen (enthalten in Bodendenkmälern und Denkmiälern) nicht verlorengeht, weil vorher keine Inventarisierung stattgefunden hat oder Untersuchung der Funde so äu- Berst knapp zeitlich begrenzt wird? Antworten aut diese Fragen könnten, so denke ich, dem Welterbekomitee versi- chern, daß Lübeck an der Spitze der Ver- waltung derartiger historischer Städte der Welterbeliste steht und daß die kul- turellen Verluste, die in frühen Nach- kriegsjahren eintraten und die in gewis- ser Hinsicht auch noch befürchtet wer- den, in Zukunkt vermieden werden. Als einzige solche Stadt in Deutschland und als einziges Weltkulturgut in Schles- wig-Holstein sollten doch die Regie- rungsstellen auf allen Ebenen angemes- senerweise Sie unterstützen in der Erhal- tung dieses sehr auBergewöhnlichen und historischen Gebietes. Die Wichtigkeit, die der Welterbe-Eintragung beigemes- sen wird, und die Anteilnahme, die die Lübecker Bürger ganz offensichtlich für ihre Stadt zeigen, rechtfertigen das allge- meine Interesse, mit dem die Bautätig- keiten in der Stadt beobachtet werden/ die Entwicklungen in der Stadt verfolgt werden. Ich hoffe, daß Sie mir zustimmen wer- den, daß mein Besuch beabsichtigte, auf diese Bedeutung und dieses Interesse einzugehen (zu antworten), und daß un- sere Diskussionen genauso interessant und ergebnisreich für Sie wie für mich waren. Ich sende eine Reihe von Dokumenten, auf die ich mich im Text bezog, in Kopie vorsorglich für den Fall, daß sie für Sie nicht einfach zu beschaffen sind.“ Lübeckische Blätter 1992/11 Lü 1 . T” ' È A >. H M AN AÀ 2 h N. C D ~0 % GS © & H [N A Of Ä 39)9 T M f A A h N &. § 11: 11 14. A 15; D
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