Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

ist der Volkspolizist, der sich die Pässe reinreichen läßt, sie kontrolliert, auf den Zählkarten die Paßnummern einträgt und auch noch einen Blick in das Fahn- dungsbuch wirft. Dennoch, im Verhält- nis zu früher ist es eine Blitzkontrolle. Das gesamte Personal an der Grenze be- steht aus Offizieren. Wie oft sind wir in den vergangenen Jah- ren in der DDR gewesen; noch im Som- mer 1988 haben wir sie kreuz und quer von Wismar bis Weimar, von Greifswald bis Görlitz vier Wochen lang durch- streift. Welche entwürdigenden Schika- nen - Ausnahmen bestätigen die Regel - mußten sich die Bundesbürger, aber noch mehr die DDR-Bürger, die mit dem Auto „rüber“ durften, unterwertken! Schon in Schlutup mußten wir „rechts raus“. Beim „Filzen“ entdeckte der Zöll- ner Tonbänder, die wir arglos im Hand- schuhfach gelassen hatten. Aber das war verboten, ebenso wie das Mitführen von Funkgeräten, Waffen und Munition. Aut die Frage, ob er so etwas mitführe, soll ein Westler einmal geantwortet ha- ben: „Nein! Muß man das haben?!“ Wir durften die Tonbänder auch nicht hier im Osten deponieren, nein, wir mußten zu- rück in den Westen. Kurioserweise nannte uns eine Zöllnerin im Osten eine Anschrift in Schlutup, wo man solche Sa- chen bis zur Rückkehr abgeben könne. Noch schlimmer waren die Kontrollen bei der Ausfahrt. „Bitte Motor abstel- len, alle aussteigen, Kofferraum und alle Türen öffnen!“ Spiegel unter das Auto, einen biegsamen Stab in den Tank. Heute nun Jubel und Trubel kaum 100 Meter vom Kontrollpunkt Selmsdorf entfernt. „Selmsdorf grüßt seine Gäste.“ Unter diesem Transparent quer über die Straße fahren wir durch. Die Autos wer- den bekloptkt, daß man Angst um den ach so kostbaren Lack bekommt; Hände strecken sich uns von beiden Seiten ent- gegen: „Herzlich willkommen!“ Fine äl- tere Frau bietet neben der Straße Kaffee und Kuchen an, manwill ja nicht hinter dem Empfang, den sie bei uns im Westen am 9. November erlebten, zurückste- hen. Im Intershop wird noch eine Stange Zigaretten für den Gabentisch drüben erstanden. Auf dem Riesenparkplatz da- vor lassen jugendliche Westdeutsche Sektpropfken knallen: 0.0 Promille? Ob der Fahrer, der einige Tage später in Selmsdorf Vater und Sohn getötet hat, auch betrunken war? Er ist bis heute nicht gefaßt worden. Seither gilt in Selmsdorkt eine Geschwindigkeitsbe- grenzung von 30 Kilometer je Stunde, mit Recht. Auf der Fernverkehrsstraße 105 blinken uns die Trabbis, Wartburgs, Skodas und Ladas unentwegt mit der Lichthupe an: zuerst denke ich. bei mei- nem Wagen sei etwas nicht in Ordnung aber schnell merken wir, daß dieses Blin. ken ein Zeichen der Freude und des Willkomms war. Erstaunlich, daß wir später auch noch im Dunkeln angeleuch- tet werden. Woran erkennt man, daß wir „Wessis“ sind? Woran erkennen sie ung auch ohne Auto? Dassow und die Fischer Ein sonniger Nachmittag auf dem Hoch- ufer am Stülper Huk, flirrendes Licht über der Trave, jenseits des Hirtenber- ges hat man vor einigen Jahren den alten durch einen neuen, komftfortableren Wachtturm ersetzt. Dahinter der Das- sower See, in der Ferne von einem hellen Streifen begrenzt. Im Fernglas erkennt man: es ist die Mauer, undurchdringlich für die Dassower. Uber die Mauer guk- ken die roten Dächer hervor, und über allem gluckt die alte Kirche. Wie halten die Menschen dort dieses Gefängnis aus? Wir nähern uns heute Dassow. Die prächtige Kastanienallee wird links von diesem Beton-Monstrum begleitet; we- gen des weichen Bodens neigt sie sich mal nach innen, mal nach außen, so als ob sie andeuten wolle: „Bald falle ich von allein um.“ Einige Wochen später wird man mit dem Abriß begonnen ha. ben. Wie okt der Um lich Dat heimlicl in den C Wir que nitz. Sie nördlick Welche Flüßche waren n vesmüh li 1945 v penitz g mir an ( das her! Doch 21 Dassow len. He rechts a hoch zu gerade mal ein .„Mome Unsere abend c res zu tr ren, nu scheint vor: „M so siche jedenka zurück . später: der Bes nen K hauptal Staunerl mal hir Kirche Beispie das Tar Herr sc die Fra haupt ( durften sO ein I Am 18. ber’, m an der steht gc ge, ob nicht?“ gen“ at vorstel] auf die glänzer Idylle. am Flu scher, ( von Pl: WIr wic Aut m doch ei vier de Fischer uns L Staune U4 Lübeckische Blätter 1990/3 lübeckis
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