Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

Nay war ein Einzelgänger, er lebte nur seiner Kunst. Dem Lehramt, etwa eine rofessur an einer Kunsthochschule, ha er sich stets verweigert. Ihm ging es al- ein um künstlerische Selbstverwirkli- chung. Er war ein Künstler von höchsten elitären Ansprüchen und entsprechen- dem Selbstbewußtsein. Die ungeteilte ustimmung der maßgebenden Kunst- ritiker Nachkriegsdeutschlands - de rohmann, Haftmann und anderer -, ie Beteiligung an wichtigen internatio- alen Ausstellungen, das amerikanische nteresse an seiner Arbeit, die Käufe de useen und Privatsammler, die Preise und Ehrungen hatten ihn emporgetra gen: Er setzte das Maß, an dem die ande ren sich zu messen hatten. In dieser über- aus exponierten, mit größtem persönli- chem Einsatz errungenen Position la ein Moment der Labilität, des potentiel- en Absturzes, das inm bewußt gewese sein muß. Deshalb trafen ihn die Angrif- e der Jüngeren 1964 so tief und nachhal tig. Noch zwei jahre danach schreibt er an den Chefredakteur der .„Zeit“, in der ie erste der bösartigen Attacken er- chienen war, voller Empörung: „Sie ha- en in Ihrer Zeitung einen Rufmord i zene gesetzt. der nun bald zum U. wird.“ Der Bremer Kunsthändler Mi chael Hertz, der Nay in 20jähriger ge chäftlicher und freundschaftlicher Ver bindung nahestand, äußerte rückblik- kend zu Nays plötzlichem Tod folgende bedenkenswerte Überlegung: ,,... fü mein Gefühl hat dieser Exitus etwas pas siv Suizidales.“ | Heise kannte Nays aufbrausendes Tem perament, kannte auch seine außeror dentliche Emptindlichkeit gegenüber je der auch nur angedeuteten Kritik. So ha er zu dessen Lebzeiten jede öffentlich Äußerung über ihn vermieden. Erst i dem postum erschienenen Werkkatalo von Nays Druckgraphik findet sich ei Beitrag Heises, in dem es unter anderem heißt: „So will ich es gestehen, daß ich mich zu seinen Lebzeiten immer ge scheut habe, mich über Nay öffentlich z äußern, obwohl er mir von Anfang an das stärkste Erlebnis auf dem Gebiet de zeitgenössischen Kunst gewesen ist. Sei mir gegenüber gelegentlich geäußerter Vorwurf, ich bleibe mit meinem Urteil über seine Kunst immer einen Posttag urück, war durchaus berechtigt, und ich habe Schweigen gelernt, bis sein Lebens werk abgeschlossen vorliegt.“ Und "ei ter: Erst eine spätere Zeit werde ganz er Ernst Wilhelm Nay: Ausfahrt, 1936, Linolschnitt II ./ kennen, „daß Nay in seiner Zeit -zumin- dest in Deutschland - der eigentlich bahnbrechende und führende Mleister gewesen ist. Er kann warten, wir sind nur die Wegbereiter.“ , ] Was umgekehrt Heise für Nay bedeutet hat, das wird, glaube ich, schlagartig deutlich aus dem Namen, mit dem Nay ihn in vertrautem Kreise bezeichnete. Er nannte ihn „Nestor“ - und das meint doch wohl: den alten, weisen Ratgeber und treuen Helfer in allen Tiefen und Höhen seines Künstlerlebens. Heise hat Nay um elf Jahre überlebt Und am Ende finden sie noch einmal zu. sammen: Heise, Nay und Lübeck - dank Heises testamentarischer Regie. Die bei- den Nay-Bilder - „Der Engel“ von 1944 und „Sommerdlich)“ von 1960 -, von de- nen er sich nicht, wie von so vielen ande- ren bedeutenden Stücken seiner Samm- lung, hatte trennen können, die ihm vie] bedeuteten und immer um ihn waren. hat er nicht seinen Erben, auch nicht sei: ner Vaterstadt Hamburg vermacht, son- dern der Stadt, in der er - wie er rück- blickend bekannte - „wohl die schönste und fruchtbarste Zeit“ seines Beruksle- bens verbracht hat. Und nun hängen die. se Bilder hier im Behnhaus. Lübeckische Blätter 1990/14 Car ' Nay „Jedes aufentl von d schrecl wartet: wenn 1 sprach dere, DiEs s( Jahre, der Ar cher A schaft entstal Georg ten un lebend aukent derem Edvar Nay ar schen Sie ert diese / leicht tracht: Bann mik, « nungs' von K! aufbre Sein € lange gung | nichts Flach: erreic! erstrel §eins als eir der N fen ni seins duelle des Se sche . schrie ständi Jahrh setzul gleich mend ten ]J sollte von 1 ihm. Küns ihre k Die Z Ein |] füllt : Jahre zweit Zeict 1936 lübec!
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