Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

lungen eingerichtete Behnhaus der Ök- fentlichkeit übergeben. Es enthielt in zwei Abteilungen die Sammlungen lü- beckischer Malerei von etwa 1800 bis zur Gegenwart, durchsetzt mit einigen Wer- ken auswärtiger, vorwiegend norddeut- scher oder nordischer Künstler sowie mit kunstgewerblichen Objekten. Nach die- sem Konzept hat Heise dann auch wei- terhin für das Behnnhaus gesammelt. Die 700-Jahr-Feier der Reichsfreiheit Lübecks im Sommer 1926 bot ihm Gele- genheit, ein weiteres neues Vorhaben zu verwirklichen, das er bereits 1921 mit der großen Nolde-Ausstellung in Angriff ge- nommen hatte. Es ging darum, der Ka- tharinenkirche nun einen angemessenen Zweck und Inhalt zu geben durch Ein- richtung einer neuen Abteilung des Mu- seums: Gezeigt werden sollten hier Hauptwerke lübischer Bildschnitzer des Mittelalters, die sich auBerhalb Lübecks befanden - selbstverständlich in Nach- bildungen, das heißt in originalgetreuen, farbig gefaßten Gipsabgüssen. Den An- fang machte eine Kopie nach Bernt Not- kes gewaltiger Sankt-Jürgen-Gruppe in der Stockholmer Nikolai-Kirche. Für die Finanzierung dieser komplizierten und teuren Nachbildung hatte Heise anläß- lich des Lübecker Jubiläums die Schwe- sterstädte Hamburg und Bremen gewin- nen können. Auch für den weiteren Aus- bau der Kopiensammlung wußte er im- mer neue Geldquellen zu erschließen, so daß der Stadt so gut wie keine Kosten entstanden. Die 700-Jahr-Feier nahm er zum Anlaß, sein Projekt vorzuführen, indem er um die zentral im Mittelschiff aufgestellte Abformung der Sankt-Jürgen-Gruppe originale Bildwerke stellte, die er aus dem ganzen Ostseeraum zusammenge- liehen hatte. Sie wurden später durch Abgüsse ersetzt. Leider zeugen heute nur noch klägliche Reste von Heises gro- Bem Plan - der übrigens damals unter seinen Fachkollegen ein höchst wider- sprüchliches Echo fand. Die wichtigste der übrigen Ausstellun- gen zum Stadtjubiläum war Friedrich Overbeck und seinem Kreis gewidmet. Die große, damals von Heise zu diesem Thema erarbeitete wissenschaftliche Pu- blikation gilt heute noch als grundle- gend. 1928 tauchen in einer Lübecker Ausstel- lung zum erstenmal Bilder von Ernst Wilhelm Nay auf. Heise war kurz zuvor auf ihn aufmerksam geworden und stell- te inn nun mit anderen damals noch un- bekannten Künstlern wie Julius Bissier und Xaver Fuhr unter dem Titel „Zehn junge deutsche Maler“ im Behnhaus vor. Im Jahr darauf - 1929 - ging Heise mit Teilen einer Ausstellung sogar auf die Straße - ein damals völlig neuartiges Un- terfangen: Arbeiten des schwedischen I)) Bildhauers Carl Milles wurden nicht nur in der Abgeschlossenheit von Behnhaus und Behnhausgarten gezeigt, sondern auch in aller Offentlichkeit. So war ein Bronzereiter vor der Katharinenkirche postiert, ein Jünglingstorso vor dem Hei- ligen-Geist-Hospital. Endlich verhalf Heise nun auch der Overbeck-Gesellschaft zu einem eige- nen Ausstellungsgebäucde im Behnhaus- garten, entworken von Wilhelm Bräck ., errichtet allein aus privaten Zuwendun- gen -es beweist noch heute seine hervor- ragenden architektonischen und prakti- schen Qualitäten. Eröffnet wurde es 1930 mit „Barlach, Rohlfs und Nolde“. Zu dieser Zeit arbeitete Heise bereits wieder an einem neuen Projekt. Es ent- sprang, wie er später schrieb, dem sehn- lichen Wunsch, „daß die Kunstwerke un- serer Tage sich unmittelbar verbinden möchten mit dem Leben der Gegen- wart“. Einen ersten Versuch solcher Art hatte er ja schon unternommen mit der temporären öffentlichen Aukstellung einiger Bronzen von Carl Milles. Doch nun sollte Dauerhaftes geschehen. Heise dachte sich die zwei Reihen spitzbogiger Nischen in der Westfront von Sankt Ka- tharinen, die nach mittelalterlicher Ar- chitekturauffassung allein durch ihre Leere hatten wirken sollen, besetzt mit „Kunstwerken unserer Tage“. Die Aus- führung war Ernst Barlach zugedacht, der aber zunächst vor der Größe der Aufgabe zurückschreckte und nur mit viel Überredungskunst gewonnen wer- den konnte. Auch weiterhin gab es Schwierigkeiten:. Ein Unternehmen mußte gefunden werden, das in der Lage war, die etwa zwei Meter hohen, aus Klinkermasse geformten Figuren zu brennen. Vor allem aber durften für Lü- beck keine Kosten entstehen. Heise fand folgende ingeniöse Lösung: Von jeder Figur wurden zwei Exemplare herge- stellt, eines für Lübeck, das andere für den Verkauf; wobei die Kosten so kalku- liert waren, daß der Käufer die Ausfüh- rung des Lübecker Exemplars mitbe- zahlte, dieses also sozusagen schenkte. Heises „Barlach-Plan“ weckte in der Stadt wieder einmal stürmische Kontro- versen, die in einer Unterschriften- sammlung gegen das Projekt gipkelten. 1932 waren drei Figuren fertig und im Hochchor der Katharinenkirche vorläu- fig aufgestellt. Der Machtwechsel von 1933 vereitelte die Fortführung des Plans. Doch gelang es, die vorhandenen drei Figuren, die noch nicht Eigentum der Stadt geworden waren, der drohen- den Beschlagnahme zu entziehen und sie im Keller eines Lübecker Privathauses über die nationalsozialistische und Kriegszeit hinwegzuretten. Seit 1947 stehen sie nun in ihren Nischen ander Katharinenfassade und sind längst ein selbstverständlicher Teil des Stadt- bildes geworden. Sie geben Zeugnis von der wichtigen Funktion des Auftragge- bers, in diesem Fall von dem sicheren Gespür Heises, dem richtigen Künstler zur richtigen Zeit den richtigen Auftrag zu erteilen oder gar aufzudrängen. Bar- lach hat hier - nach meiner UVberzeugung - ein Hauptwerk geschaffen. Kraftvoll behaupten sich seine Figuren in ihren Ni- schen, ausdrucksstark und dabei ganz unsentimental. Der Kontrast zu den En- de der 40er Jahre hinzugefügten Figuren von Gerhard Marcks läßt diese Qualitä- ten besonders deutlich hervortreten. Heises Lübecker Tätigkeit endete mit der braunen „Machtergreifung“ 1933. Sein kompromißloses kämpfkerisches Eintreten für die zeitgenössische Kunst führte noch im selben Jahr zu seiner Amtsenthebung, später sogar zu einem Hausverbot für die Lübecker Museen Die Gemeinnützige Gesellschaft, bis da- hin Trägerin der Kulturhistorischen und Kunstsammlungen Lübecks, veröffent- lichte zu seinem Abschied in würdiger Form einen Rechenschaftsbericht Hei- ses über die 13 Jahre seiner Tätigkeit in Lübeck: eine stolze Bilanz unermüdli- chen Wirkens zu dem Ziel, die künstleri- sche Kultur in der Stadt zu heben und da-. bei der Kunst der Gegenwart einen brei- ten Wirkungsraum zu verschaffen. Aus alledem war er nun herausgerissen. die zeitgenössische Kunst, der sein be- sonderer Einsatz gegolten hatte, wurde aufs schändlichste diffamiert, mußte so- gar zum Vorwand für seine Amtsenthe. bung herhalten. Heise galt nun als vorbe- lastet, jedes öffentliche Amt war ihm da mit verschlossen, er stand also - als Mitt: vierziger - sozusagen vor dem Nichts. Heises verließen ihre schöne Wohnung im Lübecker Burgtorhaus und tauchten unter in der großstädtischen Anonymität Berlins. Der Schock, aut der Höhe des Lebens plötzlich zu fast völliger Wir- kungslosigkeit verurteilt zu sein, dazu die wohl nicht unberechtigte Furcht vor latenter Bedrohung durch das verhaßte Regime, schwächten - so scheint mir - jahrelang seine Kräfte. Heise beschränk- te sich darauf, Kunstberichte für die Frankfurter Zeitung, auch für die Deut- sche Allgemeine Zeitung zu verfassen, sein aus Lübecker Beobachtungen er- wachsenes Buch ,„Fabelwelt des Mittel- alters“ erschien, er kümmerte sich um seine verfenmten Künstlerfreunde, ver- schaffte Nay 1937 das Stipendium Ed- vard Munchs - hierüber später. Erst um 1940, als nach dem Ausbruch des Krieges der innenpolitische Druck ein wenig nachließ, wurde Heise - in be- grenztem Rahmen natürlich - wieder ak- tiv: als Lektor im Verlag Gebrüder Mann, als Herausgeber verschiedener kunst- und kulturhistorischer Schriften- Lübeckische Blätter 1990/14 ] . reiher J reichs 1942 t zunäc stimm ren V men, | eng ul einen nen I Doku ren C umfas wuchs Mit d der ei den, i ansch der N Nach] wend: hat er als ] noch Stutts Reihe bilder schier 1962 von ! Text Konz bild g ren b buch: Heise die in erreic 1915 SEtZu Catt rich c rigen reits I Berül schril herar Freul bei K schril thetis phik luft, ren, Kuns über scher Katk in au 1945 den v nach gezo! Wirk der E Leite seine SEINE Lübec
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