Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

Hanna Jäger: „Tag für Tag“ (Foto: Gerda Schmidt) Kennzeichnete dieses Zitat den bisheri- gen Werde Gang der Künstlerin, so blieb sie auch in den kommenden zehn Jahren nicht stehen. Das große Format gab es schon in der Reihe der Zeichnungen. Die Farbe setz- te erst zögernd ihre Spuren, zunächst als farbige Kreidestriche, dann als Pinsel- tupker. Mit Erde färbte, rieb, malte Han- na Jäger ihre im Format immer größer werdenden Bilder. Kreta und Lanzaro- te, aber auch das alte Lübeck gaben die Pigmente, die Schicht um Schicht den Bildern eine reliefartige Dichte verlieh. Um 1986 entwickelte die Malerin vor al- lem auch durch den Umgang mit Olfarbe neue, farbige Bildwelten. Ein Landes- Stipendium 1987 ermöglichte einen Stu- dienaufenthalt in Amerika. Nachhaltige Einflüsse dieser Zeit wirken bis in die Gegenwart, visuelle Erfahrungen wer- den ebenso verarbeitet wie die Entdek- kung neuer Maltechniken in die eigene Produktion mit aufgenommen. So ent- standen die ersten Bilder, auf denen Leuchtfarbe Akzente setzte. Eine Wei- terentwicklung dieser Technik führte zu den Dreiphasen-Leuchtbildern, wie sie zum Beispiel in der Sakristei der Petri- Kirche ausgestellt waren. 205 Zentimeter. Von der „Blauen Stun- de“ blieben einige betörend schöne Farbflecken, doch es überwiegt Helles, Grelles. Sprunghaft und hektisch, so stürzt man sich in den Grolßsstädten der Vereinigten Staaten von Amerika in den Feierabend, der eben mit jener „Happy Hour“ beginnt. Es dominiert das gelbe Kunstlicht, das den Zauber der Dämme- rung an den Rand schiebt. Eine ganz an- dere, persönliche Empfindung lotet das Bild „„Ach wenn“ aus, 1989 entstanden, mit Acryl auf Nessel gemalt, 185 mal 155 Zentimeter groß. Ein erstaunlich leich- ter, poetischer Klang, einem Seufzer gleich, der doch Hoffnung keimen läßt - auch das ist Hanna Jäger. Die älteren Bilder dieser Auswahl, vor knapp drei Jahren entstanden, beziehen den hellen Textilgrund mit ein in das Spiel der farbigen Flecken und Struktu- ren. Erst jüngere Bilder verdichten sich wieder, verdüstern sich auch. „Tag für Tag“, 1990, Öl auf Nessel, 190 mal 240 Zentimeter, läßt vom lichten Grund kei- ne Spuren mehr: Es verbreitet Nachrich- ten, zerlegt Pressenotizen. Hingeschrie- ben mit breitem Pinsel wird „Tag für Tag“, sich auf fünt Zeilen wiederholend, farbig changierend bis in ein helles Rosa auf dunklem Grund. Klein in weißen Schablonenbuchstaben erscheinen da- zwischen fragwürdige Befindlichkeiten: zwanghaft - aggressionsgehemmt - Ge- fühllosigkeit - Herzschmerzen und so weiter. Eine letzte Zeile am unteren Bildrand driftet nach rechts unten ab, in Frage stellend, „wer oder ich“. Antwor- ten oder weitere Fragen darf man, da bin ich sicher, von Hanna Jägers nächsten Bildern erwarten. Für die von Roswitha Siewert besorgte Ausstellung „Hanna Jäger, Bilder und Leuchtbilder 1988-1990, Kunst pro Sankt Petri, 29.7.-26. 8. 1990‘ fanden 20 großformatige Bilder ihren Platz im Kirchenraum. Es war gut, daß sich bei der großzügigen Hängung die Bilder nicht bedrängen konnten, denn gemäch- lich auf innen sich mit den Augen zur Ru- he begeben konnte mansich weder in der formalen wie farbigen Aussage, noch ließ dies der Titel zu. Was sind das zum Beispiel für glückliche Stunden: „Happy Hour Il“. 1988. ÖI auf Nessel, 225 mal Die verdunkelte Sakristei der Kirche bot die Möglichkeit, sich in die drei Phasen zweier Leuchtbilder einzusehen. Den 22(] Reiz des technischen Mediums Schwarz- licht, abwechselnd mit Tageslichtröhren und völliger Dunkelheit, in der die Leuchtfarben noch präsent sind, bevor sie langsam verdämmern, nutzt Hanna Jäger, um mit einem Bild durch den zeit- lichen Ablauf der Beleuchtungsphasen drei verschiedene Zustände aufzuzei- gen. Ich habe diese Bilder im Atelier ent stehen sehen, den ersten Eindruck da- nach in der ebenfalls ausgezeichneten Präsentation im Springhornhoft, Neuen- kirchen, bei der Galeristin Ruth Falazik vertiefen können und in Sankt Petri mich wieder faszinieren lassen vom Zeitwech- sel durch den Lichtwechsel. Doch in viel stärkerem Maße als die anderen Bilder in der Kirche sind diese Leuchtbilder aut Ruhe angewiesen. Ein dichtes Gedrän- ge, wie es am Eröffnungstag der Ausstel. lung zeitweise in der Sakristei herrschte. kann aus der Atmosphäre der Medita- tion oder des ruhigen Nachdenkens leicht den spektakulären Reiz einer Gei- sterbahnstimmung provozieren. Das be- hutsame Kommen und Gehen während der übrigen Zeit dieser Ausstellung brachte eine ganz andere Seherfahrung. „Wenn ja - wenn nein“, 1990, Öl- und Leuchtfarben auf Nessel, 173 mal 147 Zentimeter: „Wenn“ und „Ja“ geben in disziplinierter Wiederholung dem stark- farbigen, überwiegend rot und blau ge- stalteten Tageslichtbild ein konstrukti- ves, nach rechts geneigtes Gerüst, die Rechtsneigung einer vitalen Handschrift gleich. In der Schwarzlichtphase wird „wenn nein“ sichtbar, helle Schrift aut dunklem, blauen Grund, jetzt deutlich von gelben und roten senkrechten Si- gnalstreifken durchzogen. Das „Wenn“. einmal waagerecht und einmal senkrecht als leicht verschobenes Kreuz auf allen drei Phasen unterschiedlich zu sehen, bleibt auf schwarzem Grund in der Dun- kelphase allein als Signum stehen, lang. sam verschwindend, aber nicht endgül- tig, denn schon setzt wieder die Tages- lichtphase ein mit ihrem vielfältigen An- gebot auf der Bildfläche: „Ja!“. Dieser dringlich verbalen Beschwörung setzt das zweite Leuchtbild „Oder“, 1989, Ö] und Leuchtfarben auf Nessel, 220 mal 280 Zentimeter, ruhige, weltraumblaue Phasen von scheinbarer Unendlichkeit entgegen. Nur ein Jahr früher entstan- den, macht es doch schon den Abstand deutlich, den Weg, auf dem „Wenn ja - wenn nein“ ganz in die Nähe gerückt ist zum hier auch beschriebenen Bild „Tag für Tag“ (der ausgezeichnete Katalog, der mit 14 farbigen Abbildungen für den Kunstverein Springhornhot, Neuenkir. chen, und für Kunst pro Sankt Petri ent- stehen konnte, gibt auch nach der Aus- stellung Information und Anregung und dokumentiert Arbeiten des Zeitraums 1987/1990 von HannaJäger). Gerda Schmidt Lübeckische Blätter 1990/14 (U Vortr« Nay a Unter seums zählt Anregt war sé Wirkce dauer nem ü hat el derm: wohl meine wegel der F Eintr Kunst von d der al Im ko um H möch sende entwe Kind Rück schni met s wenig er me um d schaf beide bei a Rede Car Zunä Lebe türlic wicht gern Buch verse. Auch von ! 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