Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

Autofreie Altstadt - Beschluß der Bürgerschaft Der Senat wird beauftragt, der ver- kehrslenkenden Behörde zu empteh- len, daß 1. Eingedenk der Eintragung Lü- becks in die UNESCO- Liste des Weltkulturerbes, eingedenk der Lebensqualität, des Besuchs- und Einkautserleb- nisses und einer weltweiten Ver- antwortung zur Immissionsver- minderung die Lübecker Altstadt vom moto- risierten Individualverkehr frei- gehalten wird. Freigehalten werden soll der Be- reich der Altstadt gemäß Anlage 2 (Modell A) des Berichts des Amtes für Verkehrsanlagen vom 25. 4. 1990. Die Altstadt soll täglich von 10 bis 18 Uhr vom motorisierten In- dividualverkehr freigehalten werden. Ausnahmen werden nur auf Antrag gewährt für: Öffent- lichen Personen-Nah-Verkehr, Taxen und Mietwagen, Anwoh- ner, auBergewöhnlich Gehbehin- derte und Behinderte, die einen Parkausweis besitzen, gewerbli- che An- und Auslieferer, Hotel- gäste sowie Gesundheits-, Pfle- ge- und Notdienste und ähnli- ches. Ein abschließender Katalog ist von der Verwaltung zu erar- beiten und der Bürgerschaft zur Beschlußfassung vorzulegen. Als erste Stufe ist ab Juli 1990 die Altstadt an allen Wochenenden (Sonnabend und Sonntag) vom motorisierten Individualverkehr kreizuhalten. Die Verwaltung hat durch geeig- nete Maßnahmen sicherzustel- len, daß die neue Regelung von allen Verkehrsteilnehmern ein- gehalten wird. Alle öffentlichen Parkplätze in der Innenstadt sind ab sofort stu- fenweise abzubauen. Die Ver- waltung erarbeitet einen Stufen- plan und legt ihn der Bürger- schaft zur Beschlußfassung vor. Die ordnungspolitischen Maß- nahmen der I. Stufe sind durch folgende bauliche Maßnahmen zu begleiten: a) provisorische Abriegelung des Klingenbergs für den motori- sierten Individualverkehr bis spätestens Juli 1991, b) baldige Umgestaltung des Kobergs. I0 AM c) Einrichtung von Busspuren auf den Zubringerstraßen. Zur Vorbereitung der täglichen Befreiung der Lübecker Altstadt vom motorisierten Individualver- kehr sind der Bürgerschaft bis Mitte 1991 Vorlagen entgegenzu- bringen hinsichtlich a) der Erstellung eines Park-and- Ride-Konzeptes (Bau und Be- trieb), b) eines Parkleitsystems, c) der Linienführung des ökkent- lichen Personen-Nah-Ver- kehrs in der Altstadt, ein- schließlich eines zentralen Haltestellenbereichs. 9 Die Lübecker Öffentlichkeit und die Besucher sind über die Frei- haltung der Lübecker Altstadt vom motorisierten Individualver- kehr zu informieren. Die Ver- kehrsberuhigung der Altstadt ist in die Außendarstellung mit ein- zubeziehen. Es soll ein Konzept erstellt werden, wie die Befrei- ung der Lübecker Altstadt vom motorisierten Individualverkehr wirksam in die Lübeck-Werbung einbezogen werden kann. 10. Die Hansestadt Lübeck über- nimmt die Unterdeckung des Park-and-Ride-Verkehrs, die durch die „autofreie Altstadt“ entsteht. Eine Kostenbeteiligung Dritter ist anzustreben. Alle Ko- sten, die sich aus den notwendi- gen Maßnahmen auf dem Weg zur täglichen „autofreien Alt- stadt“ ergeben, sind in den Inve- stitionsplan beziehungsweise in die entsprechenden Haushalte aufzunehmen. Die für die Umset- zung der I. Stufe bereits in 1990 erforderlichen Mittel sind über ei- nen Nachtragshaushalt bereitzu- stellen. 11. Insbesondere ist sicherzustellen, daß die für Parkeinrichtungen zur Verfügung stehenden Städte- bauförderungsmittel (Struktur- hilfe) der Jahre 1989/1990 von insgesamt 12 150 000 Deutsche Mark ausgegeben werden und nicht verfallen. 12: Vor der Verwirklichung weiterer Maßnahmen der Verkehrsberu- higung der Innenstadt sind alle betroffenen Gruppen zu inktor- mieren. stung bewirkt. Nach jahrelanger öffentli- cher Diskussion wurde von der Bürger- schaft der Hansestadt Lübeck am 211. März 1985 ein Verkehrskonzept be- schlossen, das für die Erreichung dieser Ziele schwerpunktmäßig die Herausnah- me des noch vorhandenen Durchgangs- verkehrs durch bauliche Maßnahmen vorsieht. Das in kleinen Schritten erfolg- te bisherige Umsetzen dieses Konzeptes hat zwar punktuelle Erleichterungen, aber noch nicht den gewünschten Ge- samterkolg gebracht. Vorgeschlagen wurde außerdem eine Neuordnung und Konzentration des ru- henden Verkehrs am östlichen und west- lichen Altstadtrand. Diese Vorstellun- gen wurden in dem Rahmenplan Innen- stadt (von der Bürgerschaft in ihrer Sit- zung am 15. Dezember 1988 beschlos- sen) aufgenommen und in den im Jahre 1989 von der Bürgerschaft beschlosse- nen Altstadtrandkonzepten für die mitt- lere und südliche Wallhalbinsel sowie für die Kanalstraße dargestellt. Darüber hinaus sollen begleitende Maßnahmen, wie die Einrichtung von flächendecken- den Anwohnerparksonderrechten, Sperrung des Klingenbergs, die Umge- staltung des Kobergs sowie eine Reali- sierung des Fahrradkonzeptes gemäß Bürgerschaftsbeschluß vom 28. August 1986 helken, die Innenstadt vom motori- sierten Individualverkehr zu entlasten. Die Förderung des Linienbusbetriebes wurde durch attraktivitätssteigernde Maßnahmen im Rahmen des Busdemon- strationsvornabens eingeleitet. Seit April 1987 hat Lübeck als erste Groß- stadt der Bundesrepublik Deutschland für das gesamte Altstadtgebiet eine Zo- nengeschwindigkeitsbegrenzung (Tem- po-30-Zone) eingeführt. Parallel dazu wird seit 1986 systematisch daran gear- beitet, die Erreichbarkeit und Befahr- barkeit insbesondere der Innenstadt für den Fahrradverkehr zu verbessern. Das Ziel und Maßnahmenpaket sind so- mit definiert, die Realisierung ist auf- grund der damit verbundenen kompli- zierten baulichen Maßnahmen jedoch nur in Stuken möglich. Dies hatte zur Folge, daß sowohl bei der betroffenen Wohnbevölkerung als auch bei den Ge- schäftsleuten die Ungeduld und die Un- zufriedenheit mit dem vorhandenen Sta- tus beziehungsweise mit der bisher er- reichten Verkehrsberuhigung wuchs und eine verkehrliche Perspektive für die kommenden Jahre fehlte. Am 27. April 1989 beschloß die Bürgerschaft daher, die Sperrung der gesamten Altstadt ver- suchsweise auszuprobieren, um die an- gestrebte Verkehrsberuhigung voranzu- bringen. Mit der Sperrung soll versuchs- weise vorweggenommen werden, was im Rahmen der systematischen baulichen Maßnahmen sonst erst in fünk bis sieben Jahren erreicht werden kann. Lübeckische Blätter 1990/13
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