Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

[IT ERATUR THEATER . MUSIK . AUSSTELLUNGEN. - VERANSTALTUNGEN ml nmŸÞeŸ—wOwÞÊhiimmnoII mm E. teher- erung [ai be- Ausik- :UbEr r Ein- j esell- ir den h ab- enden larauf usses, nen in n grö- litteln ge be- : auch LE LE- Ie Si- unter e Zu- Beh- r eine SWEISE Lehr- ndeln. für die uk hin, ng des [n bei- r Staclt hen r. Felix render S'; FÜr 2förde- ehörig, auri ei- aufent- eck zu- V orste- n“ ein tenden | SOZIa- der es sbeson- ;bestre- 3. 1990 s dankt Ung un- Jer Mu- apanuri. die viel- und die Cenntnis nd eine enden er 1990/12 Bildende Kunst Zu Gast in der Overbeck-Gesellschakt: Lili Fischer Da ist kein Zweifel: Lili Fischer, 1947 auf dem Priwall geboren, Absolventin der Hamburger Kunsthochschule, zeitweilig Kunsterzieherin, promoviert von der Hamburger Universität mit einer Arbeit über „Kreative Animation“ und seitdem unermüdlich auf der Suche nach Grenz- überschreitungen auf künstlerischem Gebiet, huldigt wie ihre Lehrer Dietrich Helms und F. E. Walther dem durch Beuys erweiterten Kunstbegrikk der letz- ten Jahrzehnte. Am Anfang ihres De- buts in der Overbeck-Gesellschaft stand entsprechend ihre Performance „Mit- gift: und Beziehungskiste“. Am Ende wird sie in Sankt Petri eine „CGewürzpre- digt für Pfeffersäcke“ halten und kurz zuvor noch jeden, der es wünscht, im Rahmen eines Workshops in „Küchenla- tein“ unterweisen, zum Zwecke der Be- wulßtseinserweiterung aller Beteiligten und damit ihr Drehbuch für künktige Veranstaltungen wachse und ihr Perfor- mancew-Gepäck sich vermehre. Bis dahin ist Gelegenheit, ungestört von einem animierten Publikum in den Räu- men des Behnhauspavillons zu bestau- nen, was sich bei Lili Fischers ,„Feldfor- schungen“ im Laufe der Jahre alles so angesammelt hat. Eine witzige Assem- blage, bestehend aus einem auf- und ab- rollbaren „Herrenschatten“, einer zwei- rechtszweilinksgestrickten „Skulptur- ummantelung für das Ewigweibliche“ und einem „Damenmuff mit Biographie- gerinnsel“, ist da unter anderem zu se- hen und das Ensemble „Putzstrecken“, eine Art Segeltuchkokfer mit zernutzten Putzutensilien, eine „Schmutzvitrine“ schließlich, in der, fein säuberlich ange- ordnet, Staub aus den Jahren 1983 bis 1990 zur Schau gestellt wird, unver- gleichlich als Parodie mittelalterlicher Reliquienschreine oder frühneuzeitli- cher Raritätenkabinette und außeror- dentlich aussagekrättig. Man mag derlei hinnehmen, heiter oder betroffen. Bewunderung jedoch verdie- nen Lili Fischers Zeichnungen, die die Wände füllen wie die Blätter eines Tage- buchs, entstanden in fast zwei Jahrzehn- ten meist in Zusammenarbeit mit be- stimmten Aktionen, Zeugnisse eines Le- bens, dem jede seiner Außerungen zu Kunst gerät. Die Auswahl reicht von den „Uthlande-Feldbüchern“, 1972 begon- nen, über die „Fuhlsbütteler Herbarien“ und die „Bleckede-Mappe“ bis zu den Tanz- und den Küchenlatein-Blättern der letzten Jahre. Sie spiegelt die Fülle der Probleme. mit denen die Künstlerin Lübeckische Blätter 1990/12 sich inzwischen befaßt hat: mit Umweelt- schutz und den politischen Verhältnissen in Deutschland, mit den Fragen der weiblichen Existenz in unserer Gesell- schaft und anderm mehr. Man kann sich diesen Zeichnungen nähern, indem man sie auf ihre Aussage hin befragt. Aber man kann sie auch bloß als ästhetische Gebilde aut sich wirken lassen, sensibel im Strich und oft traumwandlerisch si- cher in der zeichnerischen Bewältigung der Fläche mit sparsamsten Mitteln. ( Overbeck-Gesellschafrt, Königstraße 11, bis 17. 6. 1990; dienstags bis sonntags 10 bis 16.30 Uhr. Führungen, Katalog) Horst Hannemann Aspekte der Malerei Zum Programm des Künstlerzentrums Engelswisch 65 gehören Ausstellungen, in denen verschiedene Aspekte der Bil- denden Künste aufgezeigt werden. Zum Thema Malerei präsentieren zur Zeit sie- ben Künstlerinnen und Künstler eine miteinander spannungsvoll korrespon- dierende Auswahl von 37 Bildern. Die ausgezeichnete Hängung läßt die didak- tische Absicht unaufdringlich im Hinter- grund. Im unteren Raum gibt es kräftige Kon- traste, zum Beispiel zwischen dem gro- Ben Format von Ilse Ament, den zart- transparenten Spuren von Stefanie Raetsch, den starken Zeichen Franziska Stubenrauchs und dem exakten Realis- mus von Bernd Koether. Drei weiße Pa- pierbahnen hat Ilse Amet (1941) zusam- mengesetzt zu einem leichtgewichtigen Großformat, daß den Grund bildet für eine braunschwarze Erscheinung, einer pelzigen Wolke gleich mit gelbem Saum. Daneben behaupten sich drei Bilder von Franziska Stubenrauch (1953). Die Ma- Ierin setzt klare Farben in klare Formen und Zeichen um, detiniert einen eigenen Kosmos auf der Bildfläche, auf der uns Pflanzliches, Organisches, Vogel, Insekt übergroß erscheinen. Den sieben Arbei- ten von Stefanie Raetsch (1959) ist ge- meinsam, daß in ihrer Mitte fünf über- einandergeordnete Schlitze, gleich Sprossen oder Stufen, die aus Transpa- rentpapier geschichteten Bildgründe durchstoßen und ein konstruktives, räumliches Element in der wolkig-zarten Malerei bilden. Besonders auf den klei- nen Formaten der Spuren-Reihung Il- VI gelingt die Balance zwischen fast süß verlaufenden Farben und der festigen- den Geometrie der collagierten Papier- teile. Während das „Schneefeld“ von Bernd Koether (1944), auch die „Fluß- strömung“ vornehmlich räumlich-illu- sionistische Effekte verwirklichen, ver- dichtet sich die fotor-realistische Malerei auf zwei anderen Bildern zu flächiger Gestaltung: „Fahrspuren“ und „Baugru- be“ - auktgerissene Erde, zu eigener Kunst-Landschaft verformt. Auch im oberen Raum wird der Betrach- ter auf unterschiedliche Weise aufgefor- dert, sich mit den Bildern dreier Maler auseinanderzusetzen. Vor allem der dif- kerenzierte Umgang mit dem Arbeitsma- terial macht neugierig bei Klaus Käselau (1938). „Haptisches Grau“, „Hommage à Richard Serra“ reizen zu Untersuchun- gen. Rostig-rot übermalte Wellpappe ist zum Beispiel ein Strukturträger, geknit- terte, geformte Papiere bilden Komposi- tionselemente, Bildgerüste. Schwächt Käselau Farbe und Form zum Bildrand hin ab, scheint auch die Komposition an Qualität und Dichte zu verlieren im Ge- gensatz zu den überzeugenden Misch- techniken. Peter Klimek (1937), auf- merksamer Beobachter seiner Sujets, die er in der Landschaft und bei den hier gezeigten sechs Bildern in der Architek- tur „vor Ort“ findet, bleibt bei der für ihn typischen, verhaltenen Farbigkeit. Mit zeichnendem und malendem Pinselstrich rüstet er sein Bild ein, gibt ihm ein locke- res Gerüst. Malerei schließlich am rein- sten verstanden, klassisch auch im Ab- strakten, sieht man auf den fünf Bildern von Uwe Boschen (1939). Trotz des klei- neren Formats dominieren die Arbeiten durch ihre Ausstrahlung. Sie bilden, un- geachtet der verschiedenen Entste- hungsdaten, gleichsam eine Sequenz, die vom hellen Blau des ersten Bildes zum lebendig-dunklen Schwarz des fünften führt, von gegenständlicher Andeutung (zum Beispiel Figur) zur Abstraktion. (Künstlerzentrum Lübeck, Engelswisch 65; bis 23. 6. 1990, dienstags bis freitags 16 bis 19 Uhr, mittwochs und samstags 10 bis 13 Uhr). Gerda Schmidt Darstellende Kunst Mrozeks „Tango“ in den Kammerspielen Als das Mitte der 60er Jahre in Warschau uraufgeführte Stück „Tango“ aus der Fe- der des bekannten polnischen Autors Slawomir Mrozek 1968/ 1969 unter ande- rem auch in Lübeck herausgebracht wur- de, konnte man diese Groteske als Um- kehrung der tatsächlich bei uns herr- schenden Verhältnisse ansehen: Wäh- rend die 68er die „Verkrustungen des Establishments“ aufbrechen, den „Muff unter den Talaren“ dekuvrieren, ..kei- nem über 30“ trauen, Konventionen ne- gieren wollten, war hier, in „Tango“, ein verzweifelter junger Mann namens Ar- tur, der das genaue Gegenteil anstrebte: der verlottert-permissiven Eltern- und 197
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