Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

SEINE Ver- 18Pr O- rte je- chrift- > Etwa ischen “al-de- .rliner Var Ei- l'eima- t über ät mit 'orma- Regel en sie dnisse n nicht 1 hätte Ion Er- uation USWEL- in die- tischen eigene >1n We- ber die e und icht ih- Aamens- rbst ei- : NEr SO- Rande spunkt n wur- drichs- Litera- rden. chmidt en Geist Engage- llt“ (zi ng 1989 Und ein ter“, die [aß sein, 1d damit urth hat- leet. d 1 1946 ter 1990/12 7. Kapitel: Der Publizist Gustav Evers An der Erneuerung des Lübeckischen Staatslebens hatte, wie aus den Betrach- tungen der Jahrgänge 1842 bis 1848 der „Neuen Lübeckischen Blätter“ hervor- ging, besonders Gustav Evers großen Anteil. Seine Wirkung, sein Wirken, sein Streben und publizistisches Talent werden im Folgenden eine eingehende Beurteilung und Würdigung erfahren. Evers war ein typischer Vertreter des 19. Jahrhunderts, in dem staatsrechtliche Erörterungen dem innerpolitischen Le- ben den wesentlichsten Inhalt gaben, in dem die Wirkung bedeutender Männer hauptsächlich in ihrer Mitwirkung an der Gesetzgebung bestand, in dem die politi- schen Ideale im Erdreich bestimmter Klasseninteressen wurzelten. Der Ein- zelne hatte Einfluß auf die Öffentlich- keit. Das Führungsmittel des liberali- stischrindividualistischen Zeitalters war die Presse, wie ja jedes Zeitalter das Führungsmittel besitzt, das ihm durch die herrschende Staatsstruktur gegeben ist. Von der Presse gingen damals die meisten Anregungen aus. „Wir sind weit davon entfernt, ihr daraus ein besonderes Verdienst zu machen. Sie hat damit eben nur ihre natürliche Auf- gabe, ihre Schuldigkeit erfüllt. Die Pres- se soll in der Entwicklung vorangehen, denn der Gedanke bewegt sich leichter als das Leben, und erst wenn jener sich durchgearbeitet hat, soll dieses kolgen. Hat also die Presse zuerst die Reformfra- ge mit Lebhaftigkeit ergriffen, so LE- reicht ihr das weiter nicht zu besonderem Ruhmes; hätte sie es nicht getan, so wäre das eine unauslöschliche Schande.‘ 160) So kennzeichnete Evers einmal die Auf- gabe der Presse. Evers stellte keine vereinzelte Meinung in Lübeck dar, er war als Mitglied der Jung-Lübeck-Bewegung nur ihr Wort- führer, der die Ideen eines nicht kleinen Kreises vertrat. Um sein unermüdliches Werben und sei- nen stetigen Einsatz für eine neue Ver- kassung zu verstehen, ist es nötig, noch einmal kurz die Gedankengänge aufzu- zeigen, aus denen heraus Evers seine Ideen schöpfte, die die Grundlagen sei- nes Wirkens bildeten. Die Gestaltung des Staatslebens ist für ihn nicht etwas Gleichgültiges, keine bloße Nützlich- keitsfrage, sondern ,eine sittliche Auf- gabe. Und auf dem, der hier Törichtes und Unverständiges, aus welchem Motiv es nur sei, mit Eigensinn festhält, lastet vor Gott und Menschen eine schwere Verantwortlichkeit.“!1°9 Eine warme Begeisterung für den Staat, Hingabe und '60) Neue Lübeckische Blätter 1845, Nummer 18 ")) Neue Lübeckische Blätter 1842, Nummer 5 Lübeckische Blätter 1990/12 Bereitwilligkeit kennzeichnen einen gro- Ben Teil des Werkes von Evers, seine staatliche Gesinnung ist so ernst LE- meint, wie er sie von den andern kordert. Der Staat soll Mittelpunkt allen Lebens sein und ist es auch für ihn. „Es wird eine Zeit kommen, wo der Staat als der allgemeine Organismus für die harmonische Entfaltung aller Seiten des menschlichen Lebens sich zu einer solchen Schönheit durchgebildet hat, daß ihm Alle, wie einst der Kirche, in kreudigem Wetteifer ihre Kräfte und Ga- ben darbringen, und sich selbst nicht LE- nug thith können in dem, was sie ihm Iei- sten. “ Evers spricht auch von der „herrlichen Idee des Staates als der Organisation der Gesamtkräkte für die möglichst vollkom- mene Durchbildung der menschlichen Natur. ‘<163) Der alte Staat konnte diesen Ansprü- chen nicht genügen. Evers sieht keinen Sinn in den bestehenden Einrichtungen, keinen Grundsatz. Er fordert vor allem Mitwirkung der Gebildeten, wenn der Staat seinen Zweck erfüllen soll, die not- wendigste und heiligste Vorbedingung kür jede menschliche Kultur, für jede menschliche Tätigkeit zu sein. In dieser von Gott gewollten Ordnung hat für Evers ein gesunder Adel die größte Be- deutung für das staatliche Leben. Er will, daß der bessere Teil des Volkes ZUr Sprache komme, eben das sei die Kunst einer Verfassung. Es sollen die herr- schen, die die natürlichen Kräfte. die In- telligenz und den sittlichen Charakter dazu haben. Es soll die Macht oben ste- hen, die vom Selbstbewußtsein Aller durchdrungen, beseelt und LEtragen ist. „Wenn irgend etwas, so gehören die Fra- gen, die sich auf das Verhältniß des Ein- zelnen zum Staate beziehen, in das Ge- biet der Sittlichkeit. Der sittliche Ge- sichtspunkt hat seiner Natur nach auf al- les menschliche Handeln Anspruch, und in dem unmittelbaren Bewußtsein über die Bestimmung des Menschen zur Sitt- lichkeit, die jeder in sich trägt, liegt zu- gleich als etwas unmittelbar Gewisses, daß das sittlichste Handeln, wenn auch keineswegs immer für den Einzelnen und für den Moment das vorteilhafteste und bequemste doch in der Totalität sei- ner Folgen stets für das Ganze das heil- samste und segensvollste ist.‘<164 Evers verlangt von allen Bürgern Ge- meinsinn. Er betont oft, dal jedes Ge- meinwesen Gemeingeist voraussetzt. Gemeingeist aber bedeutet freiwillige ) Neue Lübeckische Blätter 1842, Nummer 50 ©) Neue Lübeckische Blätter 1842, Nummer 39 4) Neue Lübeckische Blätter 1848. Nummer 23 Unterordnung des eigenen Besten zu Gunsten des Vorteils des Ganzen: „Wir fordern ein Opfer, wir fordern es aber zum eigenen Besten derer, von de- nen wir es fordern, denn wir fordern es zum Besten des Ganzen.“! Ung: „Wenn wir Größeres als bisher erreichen wollen, so ist es billig, daß wir auch mehr als bisher daransetzen. ! Erst von dem Wohl des Ganzen erwartet Evers das Gedeihen des einzelnen Le- bens, erwartet er eine wahrhaft starke Entwicklung des menschlichen Geistes und menschlicher Güter. Evers stellt Ge- wissen gegen Gewinn, Vernunft gegen egoistische Unvernuntt, Sittlichkeit ge- gen Entartung jeder Art: „Nicht um eines äußeren Gewinnes wil- len, sondern um des Gewissens willen, weil wir das Unvernünttige, das wir als solches erkannt haben, verabscheuen und es als unser unwürdig, unmöglich länger bei uns dulden können, müssen wir die Reform wollen. Der Staat ist nicht bloß eine Anstalt für den Geldbeu- tel, sondern seine Durchbildung zu wah- rer, innerer Schönheit, ist eine heilige Aufgabe des sittlichen Lebens, die hei- ligste, die es giebt.“16) Die Gedanken über das Verhältnis der Bürger zum Staate führten Evers zu Wünschen für eine Verfassungsreform und endlich zu genaueren Reformvor- schlägen. Ersetzt sich für eine Repräsen- tativ-Verfassung ein, bei der es für die künftige Bürgerschaft vor allem auf eine ganze geistige Individualität ankommt, und mit der die Staatserkenntnisse Evers’ auch durchgeführt werden kön- nen. Evers sucht als denkender Mensch den Staat. Alle seine politischen Bestre- bungen werden geistig begründet. Der rein innere geistige Entwicklungsgang scheint ihm der einzige Weg, um mit Si- cherheit bessere Zustände zu gewinnen. Als gesichert empfindet er einen neuen Besitz nur, wenn er geistig bis zu seinem Abschluß durchgekämpft ist und das fragliche Moment auf diesem Wege ein wesentliches in der allgemeinen Über- zeugung geworden ist, während man durch Gewalt nur ungewisse Besitze er- werbe, die durch Gewalt wieder verloren gehen. Die Jung-Lübeck-Bewegung bezeichne- te sich selbst als liberal. Doch sie faßt den Liberalismus nicht als Parteisache oder Parteileidenschaft auf, sie sieht vielmehr in ihm eine umfassende Bewegung, auf der sich Ideen, Ansichten und Meinun- gen geltend machen. Die Personen wer- !6s) Neue Lübeckische Blätter 1843, Nummer 10 !665) Neue Lübeckische Blätter 1842, Nummer 50 '") Neue Lübeckische Blätter 1942. Nummer 50 191
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