Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

dern auch schon ist. In dieser Richtung sind die Niddener in Thomas-Mann-Se- minaren tätig, das erste hat im Sommer 1987 stattgefunden. Ende September dieses Jahres wird es schon das 4. Tho- mas-Mann-Seminar sein. Diese Thomas- Mann-Seminare haben schon solches Ausmaß angenommen, daß der organi- sationelle Rahmen eines Seminars zu eng zu sein droht - wir stehen auf der Schwelle großer Thomas-Mann-Kon- Lr EssE€. tigkeit des Thomas-Mann-Hauses in Nidden sich radikal ändern. In langfristi- ger Sicht sehe ich das Thomas-Mann- Haus als Kulturinstitut, geschaffen zur Bewältigung großer Problematik einer Grenzkultur. So etwas, wie zum Beispiel die Grenz-Akademie Sankelmark, die so0 vieles auf dem Gebiet der dänisch-deut- schen Kulturverhältnisse gemacht hat. Das ist im Westen. Im Osten deutet sich immer intensiver das Phänomen der li- tauisch-deutschen Kulturbeziehungen an. Dazu soll ein Thomas-Mann-Haus Kulturinstitut werden. Und ich hottke, dal bei dessen Geburt auch die wunder- bare Hansestadt Lübeck - Thomas Manns Geburtsstadt - nicht irgendwo Auch auf der Schwelle der Gründung der Litauischen Thomas-Mann-Gesell- schaft, deren Geburtsjahr 1990 und Ge- burtsort Nidden sein wird. In diesem Zu- sammenhang soll auch das Profil der Tä- Bald erste Tnomas-Mann-Gesellschaft in Ost-Europa Litauen und Thomas Mann Wiebke Dau-Schmidt führte ein Gespräch mit Alfred Tytmonas Es kam Überraschendes heraus: Nicht wertfreies Interesse an einem großen Autor spielt hier die Hauptrolle, son- dern große Politik, und die Gründung der Gesellschaft zielt mitten hinein in die derzeitigen Spannungen zwischen Litau- en und der Sowjetunion. Dazu muß man ein wenig ausholen, wie es Tytmonas auch während des Inter- views tat, und das Verhältnis von Russen und Litauern charakterisieren. Russen und Litauer Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun- derts wurden, so Tytmonas, Russen ge- zielt nach Litauen geschickt, um diesen Landstrich zu kontrollieren. Sie erhiel- ten das beste Land, und es gab infolge von Aufständen Massendeportationen nach Sibirien. Schlimmer war es jedoch unter den Bolschewisten und in den er- sten Tagen des Zweiten Weltkrieges, als 300 000 deportiert wurden, darunter ein großer Teil der deutschsprachigen Litau- er. Diese Wunde sitzt tiek, man merkt es an Tytmonas’ Wortwahl: „Die Russen sind nicht in unserem Gemüt“, oder: ..Sie sind Fremdkörper“, oder: „Man kann ei- nen Sowjetrussen nicht lieben.“ Der Kommunismus wurde diesem kon- servativen Bauernland autgeptroptt, die hohen Ämter besetzen Russen, Russisch ist die Verkehrssprache in allen großen Betrieben, Ausbildungsstätten und Be- hörden, obwohl die Bevölkerung Litau- isch redet und schreibt. Nur wenige Rus- Im September soll in Klaipeda (Memel), [Lübecks Partnerstadt, die Litauische Thomas-Mann-Gesellschaft gegründet werden, die erste Tnomas-Mann-Gesell- schaft im Osten. Ich fand das seltsam. Zwar ist das guterhaltene Sommerhaus Thomas Manns in Nida (Nidden) auf der Kurischen Nehrung nicht weit, aber die Gründung einer Literatur-Gesellschaft für einen deutschen Autor erklärt das nicht. Ich befragte Alfred Tytmonas, den der- zeitigen Bürgergast der „Gemeinnützi- gen“ und Mit-Initiator dieser Unterneh- mung. | Q() aut der Seite passiv stehen bleibt. „Jch kreue mich heute wieder auf unse- ren nächstjährigen Aufenthalt in Nid- den. Der eigenartige Charakter dieses Landstriches hat nichts Anschmeicheln- des, ist nicht schön im konzilianten Sin- ne, aber er kann ans Herz wachsen, da- von kann ich ein Lied singen und habe es heute versucht. Ich kann nicht passender schließen als mit dem Wunsche, daß der eine oder andere mich besuchen möge - oder, wie Goethe unter ein Bild seines Hauses am Frauenplan schrieb: Kämen sie getrost herein, würden wohl empfan- gen sein. “ (Thomas Mann am I. 12. 1931) sen bemühten sich um die litauische Sprache. Verständlich, daß Gorbatschow begei- stert begrüßt wurde, zumal er Litauen - wegen seiner überdurchschnittlichen Ar- beitsproduktivität und des hohen akade- mischen Standards - als besondere Stüt- ze seines Landes bezeichnete. Aber seit- dem klar ist, daß Perestrojka keine De- mokcratisierung im westlichen Sinne ein- schließt und die Sowjetunion auch öko- nomisch einem g,,sinkenden Schiff“ gleicht, wollen die Litauer, wie Tytmo- nas sagt, „herausspringen, um atmen zu können, um die Hände für die notwendi- ge Arbeit freizubdekommen“. Nach dem Auftauchen russischer Panzer in Geor- gien war das Urteil über Gorbatschow dann klar: „Wir wurden kühler, kühler, kühler.“ Tytmonas wehrt sich gegen den Vor- wurk, dies sei eine nationalistische Ein- stellung; auch wollten sie sich nicht völlig von der Sowjetunion trennen, da 90 Pro- zent ihres Handels mit ihr abgewickelt werde. Die Thomas-Mann-Seminare In diesem Prozeß der Neubesinnung spielt das westliche Ausland mit seiner Kultur, und hier besonders Deutsch- land, eine bemerkenswerte Rolle. Unter den Sowjets war alles Deutsche verpönt gewesen, in Klaipeda zum Beispiel wur- den Straßennamen, die sich auf Kant be- zogen, durch solche ersetzt, die Russi- sches hervorhoben. Jetzt besinnt man sich auf dieses seit Jahrhunderten beste- Lübeckische Blätter 1990/11 hende Lande knüpk Skand auch Mann mit S sagt: ren sù Thom Füßen den, c den ,,I sprich geit ( Thom der M worde stützu Man \ schah Mann der er besch blema schen. tauerr ist da: Figur die Id leben: Gleic] Intere merkc den werde schaft nehm Semir sich a knüpl Das ,, Nebe: Mann auch Mann piert men 1 litaui: 1991 Westi sein \ Manr unter ZWEi . dente Hilfe ander le Be die A die sl Tytm norm wie I Ein I: teuer diese Lübecl
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