Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

nkinsche hah, war hter Er. \utor die ; die mo- künden, kizieren; enen die net man Aenschli- ten, dag ern erle- Zen vor- Thomas entsteht tschlanqg Jeutsche Jas auch bewegt. r um die 1g der 1 uns rea- heit der ch nötig ck wäre, die kon- ie mehr ht stand- raschung bar war. er Situa- ninisters nn-Zitat iellenan- rkehrte. »Neuen rin deut- Ppäisches lich, als „übecker manuel nen“ als lich die as wahre tte Kolb Sen, und Brief an SEi „„ein zuhören. richtig: werden; ch allem „ statt ei- 'ibt. “ en hatte 1ndemo- en eines en dann olitische nntnisse ik. In ei- x kür uns ter 1990/11 kaum noch vorstellbaren Weise, streng und pathetisch national oder auch natio- nalistisch dachte, kreiste auch sein Den- ken vorwiegend um deutsche Kultur und Jeutsches Wesen, und auch sPäter als Hmigrierter kam er, in Haß und Liebe, Javon nicht los. Da gab es vieles, daß er deutsch, weniger deutsch oder gar deut- ;cher als anderes nannte; er sprach von lem Deutschen, als ob es nur eine Aus- prägung von diesem gäbe, und die war von der Romantik, der Innerlichkeit be- ;timmt. Hatte er sich in den „Betrachtun- jen eines Unpolitischen“ gegen den west- jichen, von der Französischen Revolu- on und der Aufklärung herkommenden zivilisationsliteraten - das heißt seinen ßruder Heinrich - gewendet, so ent- leckte er jetzt, daß der Innerlichkeits- kultur ~ also der seinen - das Soziale, Po- jitische kehlte, um für die Republik reit ju sein. Er argumentiert - und das ist be- (eichnend für seine Art, Politisches zu hetrachten - mit dem Urtypus des deut- ;5chen Erziehungs- und Bildungsromans, Jem „Wilhelm Meister“, der nach der Individualerziehung ins Utopisch-Sozia- e mündet und damit die zu wünschende leutsche Wandlung vorwegnimmt: daß carl Marx den Hölderlin lesen möge - ein Bild, das häufig zitiert wurde, aber Jadurch, wie ich finde, nicht deutlicher yird.. 'on Anfang an deutlich dagegen ist sei- ne Ablehnung des extremen Nationalis- nus, dessen Gefährlichkeit er spätestens veim Rathenau-Mord erkennt. Dieses Ereignis ist inm Anlaß für seine erste po- itische Rede („Von deutscher Repu- lik“), in der er wunderlicherweise lurch Novalis die intellektuelle Jugend tür die Demokratie begeistern möchte, md von diesem Jahr an (1922) reißt sein Interesse für Politik nicht mehr ab. Zwar Jenkt er mehr kultur- und geistesge- schichtlich als im strengen Sinne poli- tisch, und da er sich seine eigne Begriffs- welt erfindet, wird seine Meinung zum Tagesgeschehen nicht immer ganz deut- lich, aber in dieser Regel gibt es doch ei- ne Ausnahme: die Bewegung der Völki- schen mitsamt dem Auksteiger Hitler lehnt er, da sie die Humanität, sowohl im klassischen als auch im christlichen Sin- ne, verwerfen, als irrational und barba- tisch von Anfang an ab. Doch werden uch seine Kommentare zu Tagesfragen von einem Jahr zum andern präziser. Er würdigt die Amtsführung Eberts, ver- ehrt Stresemann, warnt davor, den Ge- neralkeldmarschall zum Reichspräsiden- ten zu wählen, und als sich gegen Ende des Jahrzehnts die Gunst der Wähler im- mer mehr aut die rechten und linken Ex- treme verlagert, wird er durch seine „Deutsche Ansprache‘ -die so heftig von Leuten der Sturm-Abteilung, unter der Leitung von Arnolt Bronnen, gestört wird, dals er gezwungen ist, den Berliner "übeckische Blätter 1990/11 Beethovensaal mit Hilke von Bruno Wal- ter durch einen Hinterausgang der Phil- harmonie zu verlassen - tatsächlich zum Praezeptor Deutschlands, indem er in diesem ; „APPell an die Vernunft“ den bürgerlichen Wählern als republiktreue Partei die Sozialdemokratie empfiehlt. Das war im Oktober 1930. Vier Wochen vorher waren die verhängnisvollen Reichstagswahlen gewesen, in denen die Nationalsozialisten die Zahl ihrer Man- date von 12 auf 107 hatten erhöhen kön- nen; die staatstragende Mitte, zu der Thomas Mann sich bekannte, bröckelte Immer mehr ab. Als Repräsentant einer Republik, die nur wenige liebten, konn- te der Nobelpreisträger, der, um der Hu- manität willen, die traditionelle Politik- abstinenz des Bildungsbürgers durch- brochen hatte, bei seinen Verständi- gungsreisen ins Ausland Triumphe fei- ern, zu Hause aber wurde er angegriffen, und zwar nicht nur von fanatischen Rechts- und Linksaußen, sondern auch von den Germanisten, der „akademisch- professoralen Sphäre“, der er in der „Deutschen Ansprache“ bescheinigt hat- te, daß sie der Hitlerpartei geistig die Wege bereitet hatte, durch völkische Romantik, „Nordgläubigkeit“, „ver- schwärmte Bildungsbarbarei“ und .„My- stischen Biedersinn“. Er war also allséi- tig umstritten, als er ins Exil gehen muß- te; und als die zwölf bösen Jahre herum waren, fing der Streit um den berühmte- sten der lebenden deutschen Autoren gleich wieder an. Die Kontroverse, die 1945 und in den kommenden Jahren zwischen Thomas Mann und Autoren der sogenannten In- neren Emigration entbrannte, liest man heute mit Unbehagen, weil so viel Miß- Verständnis, Rechthaberei und Infamie darin ist. Beiden Seiten - dem Einen in Kalifornien und den Vielen in Deutsch- land, genauer: in den Westzonen, denn den östlichen Deutschen war es nicht er- laubt, sich zu äußern - muß man zwar das Recht zubilligen, sich gegen Einäugig- keit oder gar Blindheit zu wehren, doch vermißt man bei beiden den Willen. den anderen auch zu verstehen. Man recht- fertigt sich und macht Vorwürke, Mit- leidslosigkeit und Leidensstolz sind zu spüren - und, wie leider bei Autoren so häufig, der reine Neid. Mit eindeutiger Sympathie ist der Leser auf keiner Seite; kragt man aber danach, wer den genaue- ren Blick für die Deutschen hatte, so fällt das Urteil nicht schwer. Bei allem Wi- dersprüchlichen und unzulässig Pauscha- len sah der Emigrierte doch klarer als seine Widersacher die nie verjährende Schuld der Deutschen, die in deren Be- wultsein erst langsam eindringen konnte und an die zu erinnern auch heute noch nötig ist. Sein „Doktor Faustus“ klingt an, der deutsche Pakt mit dem Teufel; und referiert wird sein Vortrag über „Deutschland und die Deutschen“, mit em er den Amerikanern das Rätse eutschen Wesens zu erklären versucht. : gibt es keine Zweiteilung Deutsch lands in Gut und Böse, vielmehr komm oft aus dem einen das andere und au em anderen das eine, so daß er das bös cuts als das „fehlgegangene gu te“ erklärt. Er spricht von Briefen, di ihn nach Kriegsende aus Deutschland er reichten, rührende oft, die „lange ver schwiegene Anhänglichkeit“ zeigten, di aber mit dem Mangel behaftet waren, daß sie sich gaben, als seien „„diese zwöl J ahre gar nicht gewesen“, so unschuldi naiv. Was Thomas Mann damals sah, erkann- ten viele von uns erst Jahre oder Fihirs ehnte später; das eigne Elend, die Auf- aujahre und die Rolle, die das zwar leiner gewordene, aber nun doppelt eutschland in der Konfrontation de ieger zu spielen hatte, ließen uns keine Zeit dazu. Die Geschichte, so scheint es ibt wenig Gelegenheit zur Besinnung Ich fürchte, das ist eine Erfahrung, wie ir sie im Augenblick in der DDR wie der machen, in einer Umbruchsituvatio Iso, die nicht in Bezug auf die Schwere von Schuld und Verbrechen, wohl aber im psychischen Reagieren der eins Mächtigen, Ohnmächtigen oder Ver strickten mit der von damals vergleich bar ist. Man bereut nicht, vergibt nicht wird sich nicht klar über das wiederum ehlgeleitete Gute, hält Reden, schreibt riefe, als sei nichts gewesen, sorgt sich um Brot, Wohnung, Stellung, hat Mühe, ich in der täglich verändernden Umweel zurechtzufinden, kann, der sich über stürzenden Ereignisse wegen, nicht dazu ommen, sich auch nur zu erinnern, un schleppt am Ende die böse Vergangen- heit unbewältigt mit sich herum. s Thomas Mann., von vielen Antfein- dungen aus dem Westen begleitet, im J li 1949. um Goethe zu ehren, nach Wei mar reiste, kam er mit dieser V' EL0Lea heit auch in Berührung - und war nun seinerseits wieder - was ich damals er- schreckend fand und heute verzeihlich finde - über das hier aus guter “bricht entstehende Böse blind. Geleitet wurde er dabei von subjekiver C Nicht die russischen Kommunisten, son dern die deutschen Ur. hatten ihn geschmäht und vertrieben; nach dem Krieg waren alle Angriffe auf ihn aus dem Westen gekommen, aus dem Osten aber waren nur Lobeshym- nen zu hören gewesen; vor seinem Auf tritt am Main hatten ihn Drohbriete ge ängstigt, die reine Ehrerbietung dagegen am von der Ilm. Seine Natur sei gewe- sen zu repräsentieren, hatte Bruder Heinrich zu seinem 70. Geburtstag ge- schrieben. „Wo ich bin, ist die deutsche ultur““, soll er -nach der gleichen Quel- € z bei der Ankunktt in den Vereinigten 163
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